Donnerstag, 4. September 2014

Das Tor zur Welt: Gibraltar



4 Wochen sind seit unserem Start in den Unruhestand vergangen und noch kein Tag war wie der andere, geschweige denn langweilig.....
.......inzwischen liegen wir im Hafen von La Linea, dem spanischen Hafen neben Gibraltar.......für uns das Tor zum Atlantik. Zu Fuß erreicht man,  über die Landebahn des Flughafens gehend, das englische Gibraltar mit dem legendären Affenfelsen.

Rückblickend  habe ich versucht einige Erlebnisse auf unserem letzten  Reiseabschnitt  zu beschreiben, um euch ein wenig an unserem Seglerleben teilhaben zu lassen:
Ankern am südöstlichen Ende der großen Bucht von Almeria (spanische Südküste, costa del sol) dem Cabo da Gata.
Nach einem langen Segeltag erreichen wir das Cap. Von östlicher Richtung umfahrend finden wir hinter dem Cap einen schwellfreien, windabgedeckten kleinen Strandabschnitt zum Ankern. Wir ankern in angemessenem Abstand der Steilkante, fahren den Anker fest ein, springen ins Wasser und essen im Cockpit. Für die Nacht aktivieren wir den Ankeralarm. Am frühen Morgen überfallen uns Fallböen und Schwell. Nach einem kurzen Frühstück segeln wir in den Sonnenaufgang.
Wir segeln oder motoren schon lange Zeit in einer langanhaltenden Hochdruckwetterlage mit 30 Grad Lufttemperatur bei 74 % Luftfeuchtigkeit. Der gewohnte Wind aus Ost setzt auch bald ein und wir setzen zum ersten Mal den Spinnaker mit neuem Segelsack. Alfons ist noch nicht ganz zufrieden mit der Arretierung des Spibaums und der Leinenführung von Achterholer und Beiholerschoten........to do Liste !
Aber erst einmal steht der Spi und wir segeln  bei optimalen Bedingungen über die große Bucht von Almeria. Hier haben wir vor 12 Jahren mit unserer Tabaluga den Winter verbracht und kennen uns gut aus......Erinnerungen werden wach an eine schöne Zeit.
Allmählich brist der Wind von 2 auf 4 Beaufort auf, der Spi zieht unser Schiff kraftvoll durchs Wasser......die Westseite der Bucht ist erreicht........weiße Schaumkämme zeigen an, dass es an der Zeit ist den Spi zu bergen.
Aber der Schlauch, der sich über das große Tuch ziehen soll, klemmt.......muss wohl auch noch besser erprobt und kontrolliert werden.......to do Liste. Auf jeden Fall stehen Alfons und ich nach kurzer Zeit auf dem Vorschiff und holen den Spi Hand über Hand ein.....schwere Arbeit..................es läuft angespannt, aber ohne Stress ......wir sind froh, als der Spinnaker in der Vorschiffsluke verschwunden ist, uff......
Unter weißen Segeln segeln wir in den Hafen von Almerimar.......uns wird ein Liegeplatz zugewiesen.......schwellfrei, wie schön !!!!   ........entspannen, Ankommerschluck..............hier flattert an einigen Schiffen die Fahne der ARC (Atlantic Ralley für cruisers)...............schnell kommen wir ins Gespräch mit Seglern.
Einen Tag wollen wir hier mindestens bleiben. Hier soll es Waschmaschinen ( 5-6 Maschinen Bettwäsche, Handtücher...... alles durchgeschwitzt stinken im Vorschiff vor sich hin ), gute Internetverbindung, einen großen Supermarkt und gut sortierte Werkstätten geben ( das Zündschloss des Motors macht seit geraumer Zeit Probleme und Alfons muss beim Anlassen der Maschine mit Kabeln tricksen, um die Maschine zum Starten zu überreden ) ......also alles was Seglerfrau und mann begehren.
Aber wie heißt es so treffend: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Beim Blick aufs Wetter am nächsten Morgen heißt es... Reise, Reise..........eine Wetteränderung kündigt sich an....... in den nächsten Tagen soll der Wind von Ost auf W drehen und stark zunehmen, also genau von Vorne kommen.
Wir segeln in zwei Etappen an der Costa del Sol in Richtung Gibraltar.
Hier liegen an der engsten Stelle  Europa und Afrika nicht weiter als 8 Meilen auseinander. Der Affenfelsen von Gibraltar findet sein mächtiges Gegenstück auf der marokkanischen Seite, im Djebl Musa, der mit seinen 840m Höhe den Süden der Straße beherrscht. Im Altertum waren die Berge bekannt als Säulen des Herakles.
Schon zum dritten Mal befahren wir diesen Küstenabschnitt. Im Nebel ohne Wind motoren wir auf  die Meerenge zu. Nur durch AIS und Radarunterstützung ist uns dies auch ohne gute Sichtverhältnisse möglich. Wir stecken mitten in  der Wetteränderung. Die See ist bleiern, viele Fischer gehen um uns herum ihrer Arbeit nach. Eine große Gruppe Schweinswale, mindestens 100 Tiere,  kreuzen unseren Weg.............ein herrliches Schauspiel, wie sie neben und um unser Schiff  tauchen und springen!!!!!
Und 15sm vor Gibraltar erwischt uns doch noch der angesagte Westwind. Die letzten Stunden bis zum Europapoint werden lang. Gegen Wind und zunehmende Hacksee quälen wir uns voran......durch die Düsenwirkung der Straße von Gibraltar wird der Wind immer um ca. 2 Beaufort verstärkt, dazu kommt der Gezeitenstrom...............erinnert uns irgendwie an die Anfahrt nach Helgoland bei NW Wind.....aber am späten Abend umrunden wir den Felsen und fahren durch ein Lichtermeer von ankernden Tankern, Stadt und Hafenlichtern. Müde ziehen wir den Anker neben der Landebahn in den Grund.....geschafft....... wir fallen in die Koje .......morgen früh, bei Licht wollen wir in den  Hafen verholen.
Kurze Zeit später, um 23.55 Uhr rufen uns englische Stimmen aus dem Schlaf. Wir dürfen hier nicht ankern......also Anker auf und nun doch in der Dunkelheit in den spanischen Hafen tasten............wir schrecken die spanische Nachtschicht des Hafens auf.... bei starkem Seitenwind finden wir dann doch noch einen ruhigen Schlafplatz.....
Aber nicht, dass ihr nun glaubt, dass wir uns irgendwie beschweren wollten......über 30 Grad Hitze ?????...... über unruhige Ankerplätze ????.....über kleine Reparaturen????......über lange Wege und schweres Schleppen beim Verproviantieren ???............nein, nein, nein !!!!
Es ist die Spannung zwischen unbequem und luxeriös, Ankerbucht und Hafen, Ruhe und Trubel..................es ist die Freiheit autark leben zu können, die Richtung und den Rhythmus selbst bestimmen zu können.................es ist die Freude, wenn das Ziel, sei es auch noch so klein, erreicht ist !!!!!
.................nur, wieso man mich in den Ruhestand entlassen hat, das verstehe ich nicht.....