Donnerstag, 30. Oktober 2014

Ziel Kanarische Inseln




Vor einigen Tagen haben wir unser Ziel, die Kanarischen Inseln erreicht !

Das, was Alfons und ich im letzten Winter planten, als es uns auf unserem Schiff in Port St. Louis zu kalt war, haben wir tatsächlich geschafft. Wir haben keine Heizung ins Schiff  eingebaut, sondern uns auf den Weg in die Wärme gemacht.

Seit einigen Tagen liegen wir nun schon im Hafen von La Graciosa, der kleinsten Insel der Kanaren, im NE von Lanzarote. Die Temperaturen könnten besser nicht sein, bei 25 - 30 Grad und kristallklarem Wasser entspannen wir immer mehr....... vertrödeln zum ersten Mal die Zeit. Jetzt liegen nur noch Tagestörns vor uns, von Insel zu Insel wollen wir die Kanaren erkunden.

Überhaupt ziehen wir seit Portugal von einer Insel zur nächsten und eine ist schöner als die nächste.  Ein Rückblick nach der 460sm Überfahrt zur Madeira Inselgruppe:

Porto Santo, die kleine Schwester von Madeira, verfügt über einen kilometerlangen, feinen Sandstrand. Nachdem wir in der ersten Nacht unserer Ankunft in der gegen N geschützten Bucht neben dem Hafen ankerten, genossen wir das schwellfreie Liegen im Hafen und spazierten in den Hauptort, besuchten das dortige kleine Columbus Museum ( Christoph Columbus lebte einige Jahre auf Porto Santo ) und genossen die Ruhe einer touristisch noch nicht so erschlossenen Insel.

In einer Tagesfahrt  segelten wir nach Madeira und wurden über eine halbe Stunde lang von einer Gruppe Delphinen begleitet. Das Walschutzprogramm und die ausgewiesenen Naturreservate Madeiras scheinen Früchte zu tragen.

Da wir in der Hauptstadt Madeiras, Funchal, keinen Liegeplätze bekommen konnten, steuerten wir  den im NE gelegenen Hafen Quinta do Lorde an. Ein edler Jachthafen,  eingebettet in einen Villen- und Hotelkomplex, der etwas abseits, aber sehr ruhig zu einem sehr angenehmen Aufenthalt führte. Hier mieteten wir uns für einige Tage einen Wagen und unternahmen Ausflüge und Wanderungen auf dieser vielseitigen, grünen und blühenden Insel.

Nach einer Woche Aufenthalt und dem passenden Windfenster stand dann die nächste größere Segelstrecke zu den Kanarischen Inseln an. Den vorbereiteten Kartoffelsalat konnte Alfons   "zu seinem Leidwesen"   dieses Mal nicht !!!! alleine essen. Auf den 270 Seemeilen zwischen Madeira und La Graciosa/Kanaren segelten wir am ersten Tag  bei 4 Bf Windstärke von achtern ein Etmal von 158sm. Bei nur 1 Meter Atlantikdünung und ruhiger Nacht ging der Wind am zweiten Tag der Reise auf 2 Bf  zurück. Zu unserer Freude zog uns der Spinnaker aber trotzdem noch mit 5 kn Fahrt durchs Wasser und da uns eine ruhige Nacht bevorstand, entschieden wir uns dazu, den Spi auch in der Nacht stehen zu lassen. Etwas nervös wurde ich nur, als mit Einbruch der Dunkelheit ein großer Frachter ziemlich konstant auf uns zu hielt. Nach einem kurzen Funkgespräch war dann aber schnell geklärt, dass er uns gesehen hatte und dann auch hinter uns passierte. Um 4 Uhr in der Nacht schlief der Wind aber vollends ein, wir bargen den Spi und legten das letzte Stück unter Motor zurück. Zum Frühstück liefen wir in die wunderschöne Anker und Badebucht von La Graciosa ein.

La Graciosa, die kleinste der kanarischen Inseln,  ist touristisch noch im Dornröschenschlaf. Mit der Fähre werden zwar von Lanzarote Tagesgäste abgesetzt, die verteilen sich aber schnell, bleiben entweder im Hafen mit Badestrand oder fahren mit Ausflugskatamaran oder Jeep auf unasphaltierten Pisten zu den angesagten Badestränden.  Am Abend kehrt dann wieder absolute Ruhe und Beschaulichkeit ein. Ein kleines Internet Cafe mit Tapas ist das Mekka der Segler, hier trifft man sich, sitzt bei Bier und Wein und kommuniziert nach Hause. Dank niedriger Hafenpreise haben hier einige Segler schon ihre zweite Heimat gefunden. Was kann man sich auch mehr wünschen ? 




Uns zieht es in den nächsten Tagen weiter. Zunächst segeln wir nach Lanzarote, um uns dort einige Tage Zeit zu nehmen, zum Erkunden der Insel und Treffen von Tauchfreunden, bevor wir über Fuerteventura und Gran Canaria nach Teneriffa weiter segeln. Von dort fliege ich in 3 Wochen wieder für eine Woche zu Ronja in das novemberkalte Deutschland, brrrr das wird bestimmt eine Umstellung. Allein meine Tochter und die Enkel werden mir die Zeit versüßen und einen Ofen haben sie auch. Außerdem gibt es 6 kleine Küken, die in meiner Abwesenheit geschlüpft sind, zu begutachten.


Donnerstag, 2. Oktober 2014

Der erste lange Schlag: Portugal-Madeira-Porto Santo





Die erste große Atlantiküberfahrt ist geschafft und wir haben die Insel Porto Santo vor Madeira glücklich erreicht.

Viele haben mitgefühlt und nachgefragt, deshalb hier der Bericht zur Überfahrt:

Am Mittwoch, den 1. Oktober starten wir gut vorbereitet ( Beiboot auf Vorschiff festgelascht, Strecktaue gelegt, vorgekocht.........) in einen ruhigen schönen Morgen. Die Morgensonne beleuchtet die Kalkfelsen bei Lagos, im Dunst erahnt man das Cabo de Sao Vicente.

Murada schaukelt unter brummendem Motor auf das offene Meer hinaus, eine alte Dünung wiegt das Schiff hin und her. Noch ist der Wind zu schwach uns zu ziehen und so nutzen wir die Gelegenheit die Batterien nach der langen Zeit des Ankerns zu laden, heißes Wasser zu bereiten und den Wassermacher laufen zu lassen. Der Wassermacher ist eine hochkomplexe Wasserentsalzungsanlage, mit der wir uns aus dem Meerwasser Trinkwasser bereiten können.

Zwei Libellen begleiten unser Schiff. Mit ihren dünnen langen Beinchen versuchen sie auf dem Relingdraht Halt zu finden und breiten ihre filigranen Flügel aus wie ein Seiltänzer seine lange Balancierstange. Rollt das Schiff dann in ein besonders tiefes Wellental,  kippen die zarten Flieger seitlich über und müssen eine neue Landerunde starten.

Gegen Mittag setzt der für die nächsten Tage angesagte NE Wind ein. Stetig zunehmend erreicht er, desto mehr wir aufs offene Meer hinausfahren, 10-15 Knoten Geschwindigkeit. Unter Großsegel mit festgesetztem Bullenstander  und ausgebaumter großer Genua segeln wir in die untergehende Sonne.

Eine kurze Zeit begleitet uns eine Gruppe Delphine. Verspielt und übermütig tauchen sie neben und unter Murada hindurch, rollen sich um die Längsachse und zeigen ihre hellen Bäuche.

Im dreistündigen Wachrhythmus lösen sich Alfons und ich ab. Die elektrische Selbststeueranlage läuft zuverlässig und so hat der Wachende die Aufgabe, alle 10 Minuten mit einem Rundumblick den Horizont nach anderen Schiffen abzusuchen. Wir kreuzen ein Verkehrstrennungsgebiet und suchen uns den besten Weg zwischen den Containerriesen. Durch GPS-Gerät und AIS Empfänger ist es heute sehr viel leichter als früher, die Schiffe frühzeitig zu sehen und deren Ziel und Geschwindigkeit einzuschätzen. In der ersten Nacht ist trotzdem unsere volle Aufmerksamkeit gefragt. Anfangs erhellt ein Halbmond und ein herrlicher Sternenhimmel die Nacht.

Am zweiten Tag auf See nimmt der Wind stetig zu. Mit 15-20 Knoten Wind aus NE segeln wir flott voran. Eine lange Atlantikdünung von ca. 3m hebt und senkt in rollenden Bewegungen das Schiff. Mein ach so lästiges Leiden, die Seekrankheit, setzt mir heftig zu und Alfons wird zwischenzeitlich zum Einhandsegler. Wie so oft beschrieben, so auch bei mir, ist die Seekrankheit am 3. Tag überstanden und ich kann meine Wachen wieder übernehmen und Alfons seinen Schlaf nachholen. Abwechselnd wachen und schlafen wir, eine gewisse Routine setzt ein.

Die dritte Nacht ist eine stockfinstere Nacht. Wolkenverhangen erhellen weder Mond noch Sterne das Meer. Das Schiff rauscht wie auf Geisterfahrt über hohe Wellenberge, der Horizont verschwindet in tiefen Wellentälern. Die Natur ist allgegenwärtig und übermächtig. Der Geister- und Dämonenglauben der Naturvölker wird erklärbar. Für einen kurzen Moment öffnet sich die Wolkendecke und lässt das Licht des Mondes in einer langen silbernen Bahn unser Schiff erreichten - ein magischer Moment. In dieser dritten Nacht sind wir vollkommen allein auf dem Meer, kein anderes Schiff ist weit und breit in der Nähe, zwischen Horizontlinie und Wolkendecke zeichnen sich besonders hohe Wellenberge in Umrissen ab.

Am Samstagmorgen heißt es dann: Land in Sicht !

Lasses SMS: Glückwunsch, habe euch begleitet  ( 2mal am Tag haben wir ihm und Michael unsere Position über Amateurfunk mitgeteilt ) - lässt meine Augen feucht werden .....  geschafft !!!

Insgesamt haben wir 3 Tage und 8 Stunden für die Überfahrt von Portimao/Portugal bis Porto de Porto Santo gebraucht. 460sm waren zurückzulegen und der Wind wehte ziemlich konstant mit 10-20 Knoten Geschwindigkeit.

Von der Insel Porto Santo, einer kleinen Insel mit herrlichem Sandstrand, die uns nach der Anstrengung der Überfahrt mit ihrer Ruhe und Beschaulichkeit verwöhnt und ihrer großen Schwester Madeira, die unser nächstes Ziel sein wird dann demnächst mehr.....