Donnerstag, 2. Oktober 2014

Der erste lange Schlag: Portugal-Madeira-Porto Santo





Die erste große Atlantiküberfahrt ist geschafft und wir haben die Insel Porto Santo vor Madeira glücklich erreicht.

Viele haben mitgefühlt und nachgefragt, deshalb hier der Bericht zur Überfahrt:

Am Mittwoch, den 1. Oktober starten wir gut vorbereitet ( Beiboot auf Vorschiff festgelascht, Strecktaue gelegt, vorgekocht.........) in einen ruhigen schönen Morgen. Die Morgensonne beleuchtet die Kalkfelsen bei Lagos, im Dunst erahnt man das Cabo de Sao Vicente.

Murada schaukelt unter brummendem Motor auf das offene Meer hinaus, eine alte Dünung wiegt das Schiff hin und her. Noch ist der Wind zu schwach uns zu ziehen und so nutzen wir die Gelegenheit die Batterien nach der langen Zeit des Ankerns zu laden, heißes Wasser zu bereiten und den Wassermacher laufen zu lassen. Der Wassermacher ist eine hochkomplexe Wasserentsalzungsanlage, mit der wir uns aus dem Meerwasser Trinkwasser bereiten können.

Zwei Libellen begleiten unser Schiff. Mit ihren dünnen langen Beinchen versuchen sie auf dem Relingdraht Halt zu finden und breiten ihre filigranen Flügel aus wie ein Seiltänzer seine lange Balancierstange. Rollt das Schiff dann in ein besonders tiefes Wellental,  kippen die zarten Flieger seitlich über und müssen eine neue Landerunde starten.

Gegen Mittag setzt der für die nächsten Tage angesagte NE Wind ein. Stetig zunehmend erreicht er, desto mehr wir aufs offene Meer hinausfahren, 10-15 Knoten Geschwindigkeit. Unter Großsegel mit festgesetztem Bullenstander  und ausgebaumter großer Genua segeln wir in die untergehende Sonne.

Eine kurze Zeit begleitet uns eine Gruppe Delphine. Verspielt und übermütig tauchen sie neben und unter Murada hindurch, rollen sich um die Längsachse und zeigen ihre hellen Bäuche.

Im dreistündigen Wachrhythmus lösen sich Alfons und ich ab. Die elektrische Selbststeueranlage läuft zuverlässig und so hat der Wachende die Aufgabe, alle 10 Minuten mit einem Rundumblick den Horizont nach anderen Schiffen abzusuchen. Wir kreuzen ein Verkehrstrennungsgebiet und suchen uns den besten Weg zwischen den Containerriesen. Durch GPS-Gerät und AIS Empfänger ist es heute sehr viel leichter als früher, die Schiffe frühzeitig zu sehen und deren Ziel und Geschwindigkeit einzuschätzen. In der ersten Nacht ist trotzdem unsere volle Aufmerksamkeit gefragt. Anfangs erhellt ein Halbmond und ein herrlicher Sternenhimmel die Nacht.

Am zweiten Tag auf See nimmt der Wind stetig zu. Mit 15-20 Knoten Wind aus NE segeln wir flott voran. Eine lange Atlantikdünung von ca. 3m hebt und senkt in rollenden Bewegungen das Schiff. Mein ach so lästiges Leiden, die Seekrankheit, setzt mir heftig zu und Alfons wird zwischenzeitlich zum Einhandsegler. Wie so oft beschrieben, so auch bei mir, ist die Seekrankheit am 3. Tag überstanden und ich kann meine Wachen wieder übernehmen und Alfons seinen Schlaf nachholen. Abwechselnd wachen und schlafen wir, eine gewisse Routine setzt ein.

Die dritte Nacht ist eine stockfinstere Nacht. Wolkenverhangen erhellen weder Mond noch Sterne das Meer. Das Schiff rauscht wie auf Geisterfahrt über hohe Wellenberge, der Horizont verschwindet in tiefen Wellentälern. Die Natur ist allgegenwärtig und übermächtig. Der Geister- und Dämonenglauben der Naturvölker wird erklärbar. Für einen kurzen Moment öffnet sich die Wolkendecke und lässt das Licht des Mondes in einer langen silbernen Bahn unser Schiff erreichten - ein magischer Moment. In dieser dritten Nacht sind wir vollkommen allein auf dem Meer, kein anderes Schiff ist weit und breit in der Nähe, zwischen Horizontlinie und Wolkendecke zeichnen sich besonders hohe Wellenberge in Umrissen ab.

Am Samstagmorgen heißt es dann: Land in Sicht !

Lasses SMS: Glückwunsch, habe euch begleitet  ( 2mal am Tag haben wir ihm und Michael unsere Position über Amateurfunk mitgeteilt ) - lässt meine Augen feucht werden .....  geschafft !!!

Insgesamt haben wir 3 Tage und 8 Stunden für die Überfahrt von Portimao/Portugal bis Porto de Porto Santo gebraucht. 460sm waren zurückzulegen und der Wind wehte ziemlich konstant mit 10-20 Knoten Geschwindigkeit.

Von der Insel Porto Santo, einer kleinen Insel mit herrlichem Sandstrand, die uns nach der Anstrengung der Überfahrt mit ihrer Ruhe und Beschaulichkeit verwöhnt und ihrer großen Schwester Madeira, die unser nächstes Ziel sein wird dann demnächst mehr.....