Donnerstag, 27. November 2014

Sturmtage im Advent





Herzlichen Dank für die vielen, lieben Adventsgrüße, die uns hier erreichen. Wir freuen uns sehr darüber, gleichwohl bei uns überhaupt keine Adventsstimmung aufkommt. Nach wie vor tragen wir tagsüber kurze Hose und T-Shirt, müssen uns aber am Abend schon Jeans und Windjacke überziehen.

Das Wetter hat seine Stabilität verloren und wir liegen die meiste Zeit im Hafen. Auch erlebten wir den ersten ausgewachsenen Sturm. Gut festgezurrt am langen Fingersteg und zusätzlich gesichert mit zwei achterlichen Mooringleinen verursachte er an Bord einen Höllenlärm und ließ das Boot selbst so vertäut im Hafen tanzen.

Ausgerechnet in der Spitze der Sturmtage landete unser Sohn im nahen Flughafen, um uns zu besuchen. Als Lasses Flieger zwar pünktlich ankam, aber über die Insel hinwegflog und mit zwei großen Schleifen über dem Atlantik eine halbe Stunde später erst landete, litt ich Höllenqualen. In solchen Momenten wird mir bewusst, wie verletzlich und unberechenbar das persönliche Glück doch ist und wie glücklich wir uns schätzen können, selbstbestimmt und in Frieden leben zu können.

Für Lasses Freundin, die auf der nahen Insel La Gomera ihren Urlaub verbracht hatte und nun für 3 Tage mit der letzten Fähre, die vor dem nahenden Sturm noch übersetzte,  zu uns an Bord kam, entwickelte sich die erste Nacht an Bord zur Feuertaufe. Gemeinsam erwanderten wir uns dann die "Höllenschlucht" (irgendwie passend der Name, aber  eine wunderschöne Schlucht, die zu einem Wasserfall führt) und verbrachten zu viert eine wunderbare Zeit.

Mit dem segelbegeisterten Lasse segelten wir dann  zur 28 Seemeilen entfernten Insel La Gomera. Was in der Abdeckung von Teneriffa sich noch als harmloses Windchen zeigte, entpuppte sich in der Durchfahrt der Inseln zum nassen am Wind Kurs und echten Segelvergnügen. Begleitet  wurden wir von Delphinen und einer großen Gruppe Grindwale. Die Tiere aus so dichter Distanz und in der Natur zu erleben ist ein begeisterndes Erlebnis.


  

Während auf Teneriffa im Süden trockenes und warmes Klima vorherrscht, ist die kleine runde Insel La Gomera üppig grün und entsprechend feucht - ein auf dieser kurzen Distanz spannender Kontrast. Mit dem Parque National de Garajonay, seiner höchsten Erhebung von 1487m und zahlreichen Schluchten ist La Gomera das Mekka der Wanderer. Wir unternahmen eine Serpentinenfahrt über die Insel und  besuchten das "Valle Gran Rej" (Tal der Könige) mit Hafen und Sandstränden.  Wir wanderten zum höchsten Punkt der Insel und erkundeten die Haupt- und Hafenstadt San Sebastian, segelten aber wieder gerne in den trockenen und wärmeren Süden Teneriffas zurück.

Nach zehn abwechslungsreichen Tagen mit Lasse liegen wir seitdem fest im Hafen von San Miguel. Wir haben uns mit dem Bussystem angefreundet und erkunden allmählich die Insel. Unsere Erfahrung, dass ein Ort, desto länger man bleibt, immer spannender und interessanter wird, erfüllt sich einmal mehr. Wir finden von wunderschönen Wanderungen in der Natur bis zu typischen spanischen Orten und Touristenburgen große Abwechslung vor.

Das Leben an Bord ist uns noch keinen Tag langweilig geworden. Im Gegenteil können wir, ähnlich wie zu Hause, immer höchstens die Hälfte unserer vielen Ideen  in die Tat umsetzen. Jeden Morgen wachen wir dankbar auf, einen neuen Tag frei gestalten zu können. Keine festen Verpflichtungen und Termine sind einzuhalten, es sei denn, von uns selbst gewählte. Auch war die Zeit zwischen unserem Start im August und jetzt so abwechslungsreich und übervoll, dass wir das Gefühl haben, schon ein ganzes Jahr unterwegs zu sein. Mit jeder Seemeile haben wir Cuxhaven und den Arbeitsalltag hinter uns gelassen und fühlen uns in unserem Vagabundenleben an Bord der Murada pudelwohl.

Noch steht auch mit meinen regelmäßigen Oma-Einsätzen bei unserer Tochter die feste Verbindung in die Heimat. In der kommenden Woche fliege ich in das winterkalte Schwabmünchen und tausche die Sandalen gegen warme Stiefel. Am dritten Adventssonntag werde ich mit meinen Enkeln Weihnachtskekse backen und Weihnachtslieder singen.