Samstag, 7. November 2015

Höllenritt







Das Abenteuer hat begonnen! Mit einem Höllenritt über bis zu 3m hohe Wellen und einem Maschinenausfall kurz vorm Hafen.

Aber von Anfang an und wie es dazu kam!

Früh am Morgen des 2. Novembers verlassen wir unseren fast schon zur Heimat gewordenen Hafen von San Miguel auf Teneriffa. Am ersten Tag motoren wir uns aus der Windabdeckung der kanarischen Inseln. Erst am 2. Tag können wir unsere Schmetterlingsbesegelung ausrollen und segeln. Extra für die bevorstehende Route und als Probelauf für die Atlantiküberquerung haben wir unsere beiden Vorsegel G1 und G2 an der Rollfockanlage in je einer Nut hochgezogen. Die G1 fahren wir über den ausgebaumten Großbaum, die G2 über den Spinnakerbaum. Gemeinsam ziehen somit ca. 96m² Segel unsere Murada gen Süden. Und das funktioniert prima. Vom Cockpit aus können wir beide Segel leicht ein- und ausrollen.

Im Laufe des 2. Tages auf See erreichen wir den zunehmenden NE Passatwind. Bald surfen wir mit maximalem Speed die bis zu 3m hohen Wellenberge hinunter. Unsere Murada wird von den anrollenden Wellenbergen im Heck angehoben, reitet einige Sekunden auf dem Wellenkamm, um dann mit großem Getöse den Wellenkamm hinunter zu surfen. Die Selbststeueranlage hat mächtig zu tun und wir müssen immer wieder die Segelfläche verkleinern, wenn der Wind zu sehr zulegt.

Das Leben an Bord ist ungemütlich und beschränkt sich auf das Wesentliche. Wache, schlafen, Wache, schlafen, zwischendurch etwas essen und trinken. Ständig wären mehr als 2 Hände nötig. Holt man etwas aus dem von oben zu befüllenden Kühlschrank heraus und stellt es nur kurz neben diesem ab, ist der Gegenstand schneller wieder im Kühlschrank, als man denselben schließen kann. Auch mit den Füßen sollte man stabil und fest stehen. Steht man nur auf einem Bein, haut einen die nächste Welle garantiert in irgendeine Ecke.

Trotzdem fühlen wir uns sicher und es geht uns gut. Die Natur ist allgegenwärtig. Es ist nicht eine Sekunde langweilig. Während der Wache beobachten wir die Wellen, die Wolken, den Himmel, in der Nacht den Sternenhimmel, wir erleben wunderbare Sonnenauf und -untergänge. Gespenstig schwarz sind die Abende, denn erst nach Mitternacht spendet der abnehmende Mond seinen Lichtstrahl.


Am 3. Tag begleitet uns über lange Zeit eine große Delphinschule. Die Tiere springen übermütig aus dem Wasser und scheinen uns anzuschauen. Ab dem vierten Tag unserer Reise fliegen Schwärme von fliegenden Fischen übers Meer. Zwei davon landen an Deck. Ihre Flossen bestehen aus schmalen langen Flügelchen, mit denen sie weite Strecken kurz über der Wasseroberfläche zurücklegen.  Auf der ganzen Fahrt sehen wir nur 2 mal die Lichter von anderen Schiffen am Horizont. Es scheint, als wären wir alleine  unterwegs.

Im Morgendunst des 5. Tages auf See erkennen wir Berge.  Die Wüsteninsel Sal auf den Kap Verden zeichnet sich immer deutlicher ab. Wir sind stolz auf unsere Murada, stolz auf unsere schnelle Überfahrt.  Wir segeln bis vor die Hafeneinfahrt von Palmeira, starten den Motor und rollen die Segel ein. Und plötzlich qualmt es aus dem Schiff!!! Der Motor fällt aus!!!! Alfons taucht ab in den Qualm, sein Fazit: der Auspuff ist abgebrannt.

In unserer Nähe fährt ein Ausflugskatamaran mit Gästen in Richtung Hafen. Auf unseren Funkruf kommt der Käptn sofort auf uns zu, seine Crew übernimmt entspannt unsere Schleppleine. Und die Party auf dem Kat geht weiter. Die Afrikaner tanzen hüfteschwingend und bei lauter Musik. Wir lassen uns staunend und lachend mitziehen. An bester Stelle im Hafen lassen uns unsere Retter von der Leine, wir werfen unseren Anker. Als wir uns mit einer Flasche Rum und einem Geldbetrag bei ihnen bedanken wollen, nehmen sie den Rum dankend entgegen, das Geld wollen sie nicht. Ehrensache! Willkommen auf cabo verde!

Vom Begrüßungskomitee, der Reparatur des Auspuffs und vielen, neuen Eindrücken demnächst mehr.