Sonntag, 3. Januar 2016

Erste Eindrücke



Heute ein wenig Statistik: seit unserer Abreise vor nunmehr 17 Monaten aus Südfrankreich besuchten wir 17 Inseln. 17 Inseln, eine jede mit ihrer eigenen Geschichte, Geographie und Besonderheit. 17 Inseln, die uns eine jede in ihren Bann gezogen hat. Begonnen im Mittelmeer mit den Inseln Ibiza und Formentera segelten wir von Culatra nach Porto Santo und Madeira. Zu den Kanareninseln La Graciosa, Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria Teneriffa, La Gomera und La Palma und weiter zu den Kap Verden mit den Inseln Sal, Boa Vista, Sao Nicolau, Sao Vicente und Santo Antao.

Und nun liegen uns in der Karibik eine Vielzahl von Inseln buchstäblich vor dem Bug. Die Inseln und Inselgruppen der kleinen Antillen, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur. Und auch hier ist, trotz gleicher klimatischer Verhältnisse, keine Insel wie die andere.

Angefangen mit der very britischen Insel Barbados, die 90 Seemeilen östlich des Antillenbogens liegt und deshalb unsere erste Anlaufstelle ist, segeln wir nach Weihnachten weiter nach Martinique. Hier erwarten uns schon Anke und Wolfgang von der SY Lili. Nach einem Jahr gibt es ein herzliches Wiedersehen und eine wiederholte gemeinsame Silvesternacht.

Die Insel Martinique begeistert uns mit ihrem satten Grün. Hier finden wir die Klischeebilder der Karibik. Palmenstrände, ein urwaldähnliches, hügeliges Hinterland, Mangroven, üppige Vegetation mit farbenprächtigen Blüten und Früchten.

Martinique gehört zu Frankreich und so wähnt man sich fast in Europa. Mit einem Supermarkt mit eigenem Dinghi Steg und zahlreichen Schiffshändlern schlägt Seglers Herz höher. Wir genießen französisches Baguette, Obst und Gemüse im Überfluss. Da wir nur noch auf dem Anker liegen und kein Hafen vonnöten ist, investieren wir in größere Solarelemente und rüsten energietechnisch auf.

Wir ankern in der großen Naturbucht von Le Marin, baden und schnorcheln am Strand von Ste. Anne, wandern in den Süden der Insel. Wir segeln im Windschatten der Insel ohne Welle nach Norden. In der Hauptstadt Fort de France liegen wir neben der Pier der Kreuzfahrer und erkunden die Altstadt. Wir sitzen in der historischen Bibliothek von Victor Schoelcher und erledigen bei freiem Internet unsere Post. Victor Schoelcher war Rechtsanwalt und Politiker, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts gegen den Sklavenhandel einsetzte. Ganz in der Nähe der Bibliothek steht eine Frauenstatue ohne Kopf. Wir erfahren, dass es sich um Josephine, die Frau Napoleons handelt, die den Sklavenhandel gerne weiter betrieben hätte.

Uns fällt der starke Unterschied zwischen arm und reich immer wieder ins Auge. Während im grünen Hinterland Martiniques und an den Hängen mit Meerblick prächtige Villen liegen, lebt die schwarze Bevölkerung in ärmlichen Hütten und einer renovierungsbedürftigen Altstadt. Die mit EU Mitteln finanzierten Projekte, wie eine neue Hafenpromenade und vieles mehr passen nicht recht zum heruntergekommenen Umfeld. Trotzdem wirken die Menschen nicht unglücklich. Sie strahlen eine bemerkenswerte Ruhe aus, erledigen jeden Handgriff mit ganz viel Zeit und es scheint, als belächelten sie manchmal unsere hektische Betriebsamkeit. Machen sie es vielleicht richtiger?

Kurz vor unserer Weiterfahrt in den Norden Martiniques kommt ein Dinghi längsseits. Es ist Wolfgang O. (Erbauer des Seefahrers an der Oste) mit seiner Frau. Nach einem kurzen Gespräch lädt er uns auf seine Motoryacht ein, das größte Schiff unter den Ankerliegern. An der Oste hat Wolfgang die Oceanwolf, ein ehemaliges Butterschiff, zu einer Motoryacht umgebaut. Schnell kommen wir in ein lebhaftes Gespräch über Cuxhaven und Hannover, über bekannte Persönlichkeiten und Geschichten.

Wir segeln weiter in Lee der Insel an zahlreichen wunderschönen Stränden und Buchten vorbei zur kleinen Hafenstadt St. Pierre. Diese Stadt wurde 1902 beim Ausbruch des nahen Vulkans Pelee vollkommen zerstört. Die Restmauern des alten Theaters zeugen vom ehemaligen Reichtum der Stadt. Wir wandern auf einem alten Sklavenweg entlang eines Wasserkanals und zur Rumfabrik Depaz mit herrlichem Ausblick auf die Bucht. Natürlich schleppen wir einige Rumflaschen zurück an Bord. Diese werden zu köstlichen Rumpunschs verarbeitet und zum Sundowner allein oder in Gesellschaft genossen.

Nach vier Wochen verabschieden wir uns von Martinique. Wir werden an dieser wunderschönen Insel immer wieder vorbeikommen und wissen jetzt, dass es dort noch unendlich viel zu erkunden gibt.

Wir segeln zur nächsten großen Insel Dominica von der es in unserem Reiseführer heißt: "Wenn Christoph Columbus zurückkommen würde, wäre Dominica die einzige Insel, die er wiedererkennen würde."

Mit 365 Flüssen und urwaldähnlichem Inselinneren, Wasserfällen und Seen soll Dominica unglaublich schön und ursprünglich sein. Wir sind gespannt und werden berichten.