Mittwoch, 10. Februar 2016

Karneval in Guadeloupe










Die Karnevalszeit ist zu Ende. In Cuxhaven eher mit den heimischen Faschingsflüchtlingen umgeben, trifft uns hier der Karneval mit seiner vollen Lebenslust und Lebendigkeit.

Wie Alfons und ich, die wir zu Hause dem Fasching entsagt, ihn erleben und damit umgehen, hier unser Bericht. Wir haben das Glück, die närrischen Tage mit Brigitte und Kurt, einem feierfreudigen Seglerpaar zu erlebten, was allemal mehr Spaß macht als alleine.

Hier also: Die zwei Welten im Karneval von Guadeloupe mit prächtigen Kostümen, elektrisierenden Trommelklängen, knallenden Peitschen und mitreißenden Straßenumzügen.

Der Reihe nach: Wir erleben den Karneval in Point a Pitre. Der Stadt, die im Herzen, zwischen den beiden Schmetterlingsflügeln der karibischen Insel Guadeloupe liegt. Wir ankern mit unseren Segelyachten Elena und Murada mitten im kleinen Stadthafen, direkt am Markt und im Zentrum des Geschehens. Wir lassen uns ein, wir mischen uns unter, wir versuchen zu Begreifen und werden angesteckt von der Fröhlichkeit der Menschen.

Da ist zunächst der Grand Gras, der große Karnevalsumzug. Hier ziehen große und kleine Karnevalsgruppen durch die von Menschen gesäumten Straßen. Jede Gruppe besteht aus  tanzenden, die Hüften schwingenden Frauen, die jeweils begleitet werden von einer Trommelgruppe. Die Kostüme, wenn man sie denn so nennen kann, erinnern an die knappen Outfits, die wir von unseren lateinamerikanischen Tanzgruppen kennen.  Sie sind ergänzt um ein Vielfältiges an schmückenden Elementen. Aufwendige Hutkreationen, Federschmuck und viel Strass wird mit herrlichen Stoffen kombiniert. Die schillernden Kostüme stehen schlanken wie vollschlanken, älteren und jüngeren Frauen gleichermaßen. Vielleicht liegt es an der schokoladenbraunen Haut, die einfach immer gut aussieht und die Farbenpracht der Kostüme unterstreicht. Diese Art des Karnevals ist das, was wir erwartet haben. Wir genießen und schwingen rhythmisch mit unserer Umgebung.

Was wir am nächsten Tag erleben, ist aber dann doch noch völlig anders. Wir erleben einen Karneval der kleinen Leute, ohne pompöse Kostüme, aber mit einer Gruppendynamik, die elektrisiert. Hier verarbeiten die Menschen ihre leidvolle Geschichte der Sklaverei, hier werden die afrikanischen Wurzeln sichtbar. In großen Gruppen, angetrieben durch mit vollem Krafteinsatz geschlagene Trommeln und mit weit ausholenden Schritten ziehen die Gruppen durch die Straßen. Sie sind gekleidet als Landarbeiter, tragen Zuckerrohrpflanzen. Es scheint, als würden sie zur Feldarbeit angetrieben.  In einfachen Sprechgesängen marschieren sie zu lauten, treibenden Trommelklängen. Zwischen den Menschengruppen gehen junge Männer mit Peitschen. Diese Peitschen scheinen selbst gefertigt und eine jede in ihrer Länge und Stärke dem Eigentümer angepasst.  Die Männer schwingen die Peitschen in einer kreisförmigen, ausholenden Bewegung über ihren Köpfen, um sie dicht neben sich mit voller Wucht zum Knallen zu bringen.

Nie haben wir es gesehen, dass dabei irgendjemand zu Schaden kam. Auch trinken die Karnevalisten kaum Alkohol. Die Menschen feiern, tanzen, ziehen in Gruppen durch die Straßen. Wir werden angesteckt. Wir laufen mit, genießen die Bewegung, die an Bord oft zu kurz kommt. Wir schließen uns einem Zug an, lachen und tanzen, lernen die Stadt auf diese Art kennen, kommen durch dunkle Gassen und befinden uns plötzlich am Endpunkt der Nacht. Hier drängeln sich die Gruppen, die Luft flirrt, das infernale mehr stimmige kraftvolle Trommeln lässt die Körper alle in einem Rhythmus schwingen. Wir spüren die Kraft der Gruppe. Ein animalisches, beglückendes Erlebnis.

Erst spät in dieser Nacht schleichen wir erschöpft zum Hafen zurück, klettern in unsere Dinghys und fallen müde in unsere Kojen. Jetzt ist erst einmal Ruhe und Entspannung angesagt. Das Gesehene muss in seiner Fülle verarbeitet werden.

In den nächsten beiden Wochen segeln wir um Guadeloupe, erkunden die schönsten Bade und Ankerbuchten, suchen die besten Tauchplätze. Ende Februar erwarten wir Lisa und Malte. Dann wollen wir den beiden Guadeloupe und ein Stückchen Karibik zeigen. Wir freuen uns schon sehr auf die gemeinsame Zeit.