Sonntag, 15. Mai 2016

Grenada






Unsere Reise neigt sich immer mehr ihrem vorläufigen Ende entgegen. Inzwischen haben wir die südlichste Insel des Antillenbogens erreicht und ankern mit unserer Murada im Süden von Grenada. In der Prickley Bay, einer tiefen Naturbucht, liegen wir sehr geschützt und erkunden in Tagesausflügen die wunderschöne, grüne Insel.



Das Beförderungssystem funktioniert hier einfach und gut. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, sondern privat betriebene Kleinbusse, vorzugsweise Toyotas, die auf gekennzeichneten Strecken über die ganze Insel fahren. Sobald man hier zu Fuß auf einer Straße läuft, wird man zum Mitfahren aufgefordert. Der Fahrer fährt stets mit einem zweiten Mann, der die Fahrgäste sozusagen von der Straße holt, kassiert und für den reibungslosen Ablauf beim Ein- und Aussteigen sorgt. So hat der Beifahrer auch immer einen Schirm zur Hand für jene Fahrgäste, die trotz Regengusses aussteigen müssen, um ihrem Hintermann den Weg zum Verlassen des Busses frei zu machen. In jedem Kleinbus  finden nämlich locker 19 Personen Platz. Bei lauter Musik geht es oft flott voran, je nach Temperament des Fahrers. Wir sitzen manchmal in neueren Bussen mit Federung und auch oft genug in älteren Fahrzeugen, die keine Stoßdämpfer mehr zu haben scheinen und ihre Gäste bei den hier zahlreichen Bodenwellen an die Decke hüpfen lassen. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass es keine Anschnallgurte gibt. Überhaupt scheint die Hupe neben der Bremse  und der Soundanlage das wichtigste Zubehör zu sein. Alles kein Grund zur Beschwerde. Lime and enjoy; die Einheimischen nehmen es mit Gleichmut hin. Auch wir lachen bald mit und genießen die Gelassenheit und Freundlichkeit der Menschen. Nicht umsonst sagt man: Da wo gelacht und gesungen wird, lass dich ruhig nieder. Lachen, Singen und Tanzen gehört hier zum Leben wie die Luft zum Atmen. Die Menschen gehen singend die Straße entlang, singen im Bus und mit Inbrunst im Gottesdienst.



So erleben wir am Pfingstsonntag einen Gottesdienst. Angelockt von lautem, schwungvollem  Gesang werden wir freundlich ins Gotteshaus gewunken, mit Handschlag und Küsschen begrüßt und aufgefordert zu verweilen. Der Raum ist gut gefüllt, alle Kirchgänger sind festlich gekleidet. In der Predigt geht es um den übermäßigen Internetkonsum und die damit verbundene geraubte Zeit, die für Gott, Familie und Freunde verloren geht. Ein offensichtlich weltumspannendes Problem. Die Lieder und Gebete sind leicht mitzusingen. Der einfache, immer wiederkehrende Text wird auf einer Leinwand angezeigt, ähnlich unserem Karaoke. Begleitet von Schlagzeug, Gitarre und Keyboard kommt die Gemeinde bald kräftig in Schwung, stehend und Hüfte schwingend wird gesungen und geklatscht. So macht das Lobpreisen Spaß und vermittelt nebenbei noch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Freude. Auch wir lassen uns anstecken und singen bald lauthals: "Praise the Lord."



In den nächsten Tagen wandern wir im Regenwald, baden in Wasserfällen, lernen die Bäume und Früchte Grenadas kennen, besichtigen die Muskatnussfabrik, eine Schokoladenmanufaktur und eine alte Rum Destillerie. Davon erzählt unser nächster Bericht.