Sonntag, 1. Mai 2016

Sweet, sweet, Carriacou







"sweet, sweet, Carriacou, it`s the island just for you",



so besingen die Einheimischen ihre Insel und man spürt, dass sie ihre Insel lieben. Mit ihrer freundlichen und entspannten Art heißen sie uns Segler willkommen, sind stets zu einem Plausch aufgelegt, lachen und freuen sich, ihre Insel erklären zu können. Die kleinen Obst und Gemüsehändler an der Straße haben reelle Preise. Keiner ist aufdringlich, im Gegenteil. Es scheint überhaupt nicht wichtig, ob man heute oder morgen etwas kauft. Sie sind morgen auch noch da und leben nach dem Motto: lime and enjoy.

Und tatsächlich scheint die Willkommenskultur Tradition zu haben. Als 1983 die US Soldaten Grenada besetzten, hatten sie die kleine Schwester Carriacou übersehen. Erst nach einer Woche bemerkten die Marines den  Lapsus und zogen mit schwerer Ausrüstung nach Hillsborough. Statt von kampfeslustigen Einheimischen wurden die GI`s mit Rumpunsch und Bier empfangen.

Wir erleben das Maroon & String Band Music Festival auf der Insel. Es ist inhaltlich mit unserem Erntedankfest zu vergleichen.

Die Eröffnungsfeier des drei Tage dauernden Festes über den ersten Mai erinnert sehr an ein Schulfest bei uns. Die Kinder und Jugendlichen der Inselschule geben ihr Bestes und führen mit Begeisterung und Selbstbewusstsein Sketche, Tänze und Trommeleinlagen vor. Große Wertschätzung erfahren sie durch die anwesenden Minister/innen der Mutterinsel Grenada. Moderiert wird die Veranstaltung vom Inselpfarrer, der alle Religionen willkommen heißt und immer wieder Gott preist.

Es ist das Fest der Inselbewohner, hier sind keine bezahlten Darsteller eingeladen, sondern alles scheint selbstgemacht. Entspannt und mit aller Zeit der Welt, ohne Professionalität, einfach und sympathisch feiern die Menschen ihr Fest.

Wir deutschen Segler brauchen wieder einmal sehr lange, bis wir das Programm und die Zeitrechnung verstehen. Stets sind wir zur passenden Zeit am passenden Ort, um dann festzustellen: Wenn auf dem Programm eine Uhrzeit zu einem Programmpunkt angegeben ist, heißt das nicht, dass dann etwas stattfindet, sondern nur, dass zu der Zeit mit den Vorbereitungen begonnen wird. Bis zum eigentlichen Event dauert es dann in der Regel noch gut zwei Stunden.



So wird am ersten Tag des Festes in großen Bottichen auf offenem Feuer für alle gekocht. Das traditionelle Essen ist kostenlos. Es ist für alle reichlich da, gemütlich stehen die Menschen zusammen, essen und reden. Wir Segler werden angelacht und eingeladen und sichtlich stolz erklärt man uns die Traditionen. Wir swingen Hüfte schwingend bei den Inseltänzen mit. Auf Carriacou hat sich eine spezielle Form der Quadrille erhalten, die auf die englischen und französischen Kolonialherren zurückzuführen ist. Der Tanz geht so: Hacke, Spitze, Wechselschritt und das alles kombiniert mit Hüftschwung. Begleitet mit für unsere Ohren  schrägem Geigengefidel, irgendwie eher irisch als karibisch. Als dann eine Aufführung des Big Drum Dance beginnt sind wir beruhigt, so hatten wir uns die Karibik eher vorgestellt. Ekstatische Verrenkungen und Sprünge zu heißen Trommelwirbeln. Diese Tanzform wurde von den afrikanischen Sklaven auf die Insel gebracht. Das Spielen der Trommeln wird auf Carriacou inzwischen auch an den Schulen gelehrt.


In den folgenden Tagen erkunden wir die Insel, fahren mit den Minibussen, dem öffentlichen Verkehrsmittel der Insel, ein Stück mit. Die Vans hält man einfach an und steigt ein. Sie fahren dann manchmal noch einen Umweg. Der Fahrer muss da oder dort noch eine Rechnung begleichen, etwas hinbringen oder abholen. Alle auf dem Weg stehenden werden eingesammelt und auch mal persönlich abgesetzt. Aber irgendwie und irgendwann kommt man immer an sein Ziel und hat gleich noch eine preiswerte Inselrundfahrt gemacht.

Wir ankern mit unserer Murada vor der Inselhauptstadt Hillsborough. Wir verlegen um die Ecke in die nächste Bucht, spazieren an herrlichen weißen Sandstränden, tauchen immer wieder ab in die Unterwasserwelt. Wir üben uns im Lobster zubereiten, trinken mit anderen Seglern Rumpunsch in der Strandbar "Off the HOOK" am Paradise Beach. Wir ankern vor Sandy Island, einem kleinen Sandhaufen mit Palmen in Sichtentfernung von Carriacou und singen am Ende:

"sweet, sweet, Carriacou, sweet little island, we love you"