Montag, 12. Dezember 2016

Tobago, die kleine Schwester Trinidads


Das erste Ziel der neuen Saison heißt Tobago. Irgendwie hatten wir die Insel noch auf unserem Plan. Auf der sicheren Seite bezüglich Piraterie und verführt durch die Verlockung: "Trinidad is nice, Tobago paradise". Dafür müssen wir dicht unter der Nordküste Trinidads gegen Wind und Strom den Motor benutzen. 

Nach einer ruhigen Ankernacht noch auf der Seite Trinidads in der Maracas Bay können wir dann mit günstigen Winden nach Tobago segeln. Die auf Helgoland neu erstandene Angelrolle kommt erstmalig zum Einsatz. Nach kurzer Zeit geht uns ein kleiner Tuna an den Haken. Es ist ein wunderschönes Tier mit einer blau-schwarzen Rückenfärbung. Die Größe mit 60cm Länge und 2,5kg Gewicht ist wie für 2 Personen bestellt. Der erste eigene Fang schmeckt köstlich. 

Schnell haben wir die Südküste Tobagos erreicht und ankern in der geschützten Store Bay. Von hier aus unternehmen wir Fahrten über die grüne Insel. Dabei gefällt uns besonders der Regenwald. Das im Jahre 1765 eingerichtete Regenwaldschutzgebiet ist das älteste der westlichen Welt und erstreckt sich über den gesamten Norden der Insel. Wir bestaunen Bäume, die in den Himmel zu wachsen scheinen, Farne, riesige Bambushaine und immer wieder Bäche, die in kleinen und größeren Wasserfällen ins Tal fließen. Die Vogelwelt ist bunt und vielfältig. Die winzigen Kolibris, die mit ihrem schnellen Flügelschlag an der Stelle zu vibrieren scheinen, faszinieren mich besonders.

Neben dem Regenwald locken unzählige Buchten mit feinstem Sandstrand. In der Englishman`s Bay versucht der Regenwald förmlich ins Wasser zu wachsen. 

Auf engen Straßen, die sich in Serpentinen durch den grünen Dschungel winden erreichen wir Charlotteville im Nordwesten der Insel. Die große Naturbucht ist der zweite wirklich sichere Ankerplatz auf Tobago. Wir verstehen sofort, wieso so viele Segler von diesem Ort fasziniert sind. Umgeben von üppigem Grün und fast abgeschieden von der Außenwelt strahlt der Ort eine besondere Ruhe und Gelassenheit aus. Wir gönnen uns eine ausgiebige Mittagspause, bevor Alfons trotz Linksverkehr, engen Kurven, tiefen Abwassergräben und zahlreichen Schlaglöchern sicher an unseren Ankerplatz zurückfährt.

In den nächsten Tagen wollen wir nach Grenada segeln. Dafür fahren wir morgen noch einmal in die Hauptstadt Scarborough zum Auschecken. Der Montag scheint zwar nicht gerade der günstigste Tag zu sein, denn beim Einchecken am vergangenen Montag dauerte es 3 Stunden, bis der Immigration Officer für uns Zeit fand. Wahrscheinlich war die "Sunday School", eine Sonntagnacht stattfindende Party  mit Steelbands, Tanz und lokalem Essen doch zu anstrengend. Über solche kleinen Verzögerungen regt sich hier aber keiner auf. Jeder wartet geduldig. Und auch wir haben Zeit. Die Herzlichkeit der Menschen entschädigt für vieles. Stolz auf ihre Insel wollen sie wissen, wie es uns gefällt und wünschen uns einen schönen Tag: "lime and enjoy". Wo wird man sonst noch mit: "how are you, darling?" angesprochen?