Montag, 1. Januar 2018

Jamaika, Kingston, Bob Marley


Zur Zeit liegen wir mit unserer Segelyacht Murada im Südosten Jamaikas, in der geschützten Bucht Port Morant. Wir wollen in Kingston, der Hauptstadt Jamaikas, das Bob Marley Museum besuchen. Von unserem Ankerplatz bis nach Kingston sind es ca. 68 Kilometer.

Früh am Morgen fahren wir mit dem Beiboot an Land, gehen 20 Minuten auf einer Art Schotterweg bis zur Straße. Vorbei an einigen einfachen Hütten werden wir freundlich begrüßt und zu einem Kaffee eingeladen. Wir lehnen dankend ab, vielleicht heute Abend oder morgen. Wir wollen heute nach Kingston. Kein Problem "take your time".
An der Straße finden wir schnell einen Platz im ortsüblichen Kleinbus. Eigentlich für 14 Personen zugelassen, fahren hier bis zu 21 Personen mit. Wie in einer Sardinenbüchse müssen immer 4 in eine Reihe passen. Da hat man schon richtig Glück, wenn man schlanke Beifahrer erwischt! Wir fahren zunächst bis Morant Bay, der 17 km entfernten Bezirkshauptstadt. Der Bus gibt ordentlich Gas, wir fliegen fast über die zahlreichen Schlaglöcher. Wenn der Bus aufstoppen muss, um eine tiefe Kuhle oder einen ausgespülten Bachlauf im Schritttempo zu durchqueren, kann man sich schon mal mit den entgegenkommenden Fahrgästen unterhalten.

Nach einer halben Stunde erreichen wir Morant Bay und können gleich in den nächsten größeren Bus umsteigen. Wir sind die Ersten im Bus, können uns die besten Plätze aussuchen. Der Nachteil, Erster zu sein, liegt darin, dass hier jeder Bus erst weiterfährt, wenn er voll besetzt ist. Und da kennt der "Eintreiber" kein Erbarmen. Einmal für 29 Personen zugelassen, wird der Bus mit Zwischensitzen im Gang bis weit über 40 Personen vollgestopft. Bevor nicht in jeder Reihe 5 Personen sitzen, wird nicht losgefahren. Es wird allmählich heiß und schwül im Bus. An Platzangst darf man hier nicht leiden. Aber dann geht es los. In rasantem Tempo, jeder PKW ist eine lahme Ente, stürmt der Bus durch eine herrliche Landschaft. Mit dem Vertrauen auf unsere Schutzengel genießen wir den Blick auf die Blue Mountains.

In Kingston spuckt der Bus seine Fracht in "Downtown" aus. Mitten im Ghetto von Kingston wird uns schnell klar, dass wir hier nicht viel verloren haben. Sehr eindringlich wird selbst von Einheimischen dazu geraten, als Ausländer "Downtown" nicht zu betreten. Wir gehen flotten Schrittes an ärmlichen Hütten vorbei, an Bergen von Unrat bis zum nächsten Busstopp. Von hier fahren innerstädtische Busse nach "Uptown" und zum Bob Marley Museum. Der große Platz wimmelt von Menschen. Wir sind die einzigen Weißen. Hier wird Kleidung, Obst, Gemüse, alle Dinge des täglichen Gebrauchs auf der Straße verkauft.

Das Bob Marley Museum beeindruckt durch die Persönlichkeit des einstigen Stars. Der bekennende Rastafari kam aus einfachsten Verhältnissen in Kingston Downtown und lebte ohne Pomp und Prunk. Seine Botschaft war eine Menschenverbindende. Selbst unehelicher Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters lebte er für die Völkerverständigung. Er wird von den Jamaikanern bis heute als Volksheld verehrt.

Mit dem Klassiker " I Shot the Sheriff" im Ohr machen wir uns auf den Rückweg. Yeah, man, da
ist noch einmal Gottvertrauen von Nöten. Der Himmel öffnet seine Pforten und ein wolkenbruchartiger Tropenregen versetzt die Strassen von Kingston in reißende Bäche. Unrat, Eimer, ganze Straßenabsperrungen fließen an uns vorbei; der Verkehr kommt teilweise zum Erliegen und es verwundert, dass unser fahrender Untersatz noch Bodenhaftung hat. Wir haben einen Bus mit herunterhängender Deckenverkleidung und Löchern in der Scheibe erwischt. Die Scheiben sind so beschlagen, dass der Beifahrer zum Assistenten des Fahrers wird und diesem hilfsbereit die Sicht freihält. Trotz allem geht alles entspannt seinen Gang. Die meisten der einheimischen Mitfahrer sind müde von einem arbeitsreichen Tag und schlafen gleich ein. Das Busgeld von umgerechnet 1.50€ wird kurz vor Fahrtende von hinten nach vorne an den Kassierer durchgereicht. Dieser hing ein Großteil der Strecke halb aus der geöffneten Seitentür, über sich einen Regenschirm. Insgesamt sind wir für unseren Ausflug in sechs mehr oder weniger maroden Fahrzeugen ca. sechs Stunden unterwegs. Erst bei Dunkelheit stolpern wir den unbeleuchteten Schotterweg zurück zum Steg.

Für uns geht einmal mehr ein Tag mit vielfältigen Eindrücken zu Ende. Wir sind mit dem Leben der Menschen und mit den Einheimischen selbst in Kontakt gekommen. Wir haben ein kleines Stückchen authentisches Jamaika erlebt.