Dienstag, 16. Januar 2018

Jamaika....auf Spurensuche




Im Städtchen Black River, genannt nach dem gleichnamigen Fluss, werden wir von der Coastgard herzlich begrüßt. Hey guys, ihr seid doch die Deutschen, die wie die locals unterwegs sind. Wie geht es euch inzwischen, was habt ihr erlebt, welches sind eure weiteren Stationen?
Den freundlichen Officer von der Coastgard kennen wir noch von Port Morant, unserem ersten Anlaufpunkt auf Jamaika, im Südosten der Insel. Dort feierten wir Weihnachten und Silvester und entschieden uns dafür, an der Südküste Jamaikas zu segeln.

Hier erhofften wir das ursprüngliche Jamaika zu finden. Und wir sollten Recht behalten. Entlang der Südküste sind wir als Segler fast alleine unterwegs. Uns begegnen nur vereinzelt Fischerboote. Überall treffen wir freundliche und aufgeschlossene Menschen. Auf den Märkten werden wir gefragt, wo wir herkommen. Nach Deutschland sollen wir sie mitnehmen. Mit einem eigenen Schiff müssten wir sehr reich sein. Als wir ihnen erzählen, dass wir sehr einfach und beengt leben, uns selbst versorgen, sind sie erstaunt und interessiert. Die meisten Menschen, die wir hier treffen, sind sehr arm. Sie haben durchlöcherte T-Shirts an, ihre Zähne, falls noch vorhanden, sind in einem schlechten Zustand. Ihre Häuser sind einfache Hütten. Die Müllentsorgung ist ein großes Problem. In manchen Orten liegt der Müll in den Häuserecken. Andernorts sammelt er sich in den Mangroven. Die Strassen sind in einem erbärmlichen Zustand.

Wir sehen sozusagen die Rückseite Jamaikas. Die großen Kreuzfahrtschiffe machen auf der Nordseite Jamaikas Station. Die Touristen werden zu gut präparierten, vorzeigbaren Attraktionen gefahren. Dort werden sie zu abenteuerlichen Preisen von den einheimischen Guides herumgeführt. Sie sehen die Naturschönheiten Jamaikas.

Unsere Art zu Reisen ist bewußt eine andere.

Wir fahren mit dem öffentlichen Bus nach Kingston Downtown, kaufen die frischen Produkte in den engen Gassen direkt vom Erzeuger. Wir entdecken immer noch Früchte, die wir nicht kennen. Gerne erklären uns die Farmer, wie man diese öffnet, verspeist oder zubereitet.

Wir fahren in die Blue Mountains. Jene Bergkette, die sich im Osten Jamaikas bis in eine Höhe von 2.256 m erhebt. Der Peak hüllt sich fast immer in grünlich, blaue Nebelschwaden. In diesen Bergen wächst der berühmte Blue Mountain Kaffee - eine der begehrtesten Kaffeesorten dieser Welt. Bei herrlichem Sonnenschein erklimmen wir hinter Kingston in Serpentinen die grünen Hänge. Wir sind eingeladen bei David Tweman, einem englischen Kaffeefarmer. Ab ca. 1000 m Höhe tauchen wir ein in kühle feuchte Nebelschwaden. Dieses Mikroklima und der karge Boden sind die Geheimnisse dieses Kaffees. Die Sträucher wachsen an den steilen Berghängen und werden einzeln von Hand geerntet. Die Erntezeit der roten Bohnen beginnt im November und reicht bis in den Juni. Nach der Trocknung werden diese mild geröstet. Frisch gemahlen und zubereitet mit kristallklarem Gebirgswasser entfaltet sich ein feiner, harmonischer Geschmack. Im urgemütlichen Cottage von David Tweman lassen wir uns gerne davon überzeugen.

Wir segeln weiter zum Alligator Riff. Hinter dem hufeisenförmigen Riff liegen wir geschützt. Wir tauchen am Riff und finden Lobster, die unseren Speiseplan aufs Köstlichste erweitern.

Wir fahren mit dem Beiboot in den Black River. Den Namen "Black River" erhielt der Fluss von seiner schwarzen Farbe, die durch den moorigen Untergrund entsteht. Und tatsächlich wird das Wasser, desto tiefer wir in den Fluss fahren, immer dunkler. Trotzdem ist es glasklar und man hat eine Sicht bis auf den Grund. Wir fahren durch Schilfgürtel und Mangrovenwälder, vorbei an Inseln von blühenden Wasserpflanzen. Wir erspähen Blau- und Silberreiher, die versteckt im Schilf nach Fischen, Krebstieren und Insekten Ausschau halten. Aus dem dichten Grün der Mangroven schallt ein vielstimmiges Vogelkonzert. Die besonderen Stars im Black River sind aber die Krokodile. Es sind die letzten frei lebenden Krokodile Jamaikas. Aufmerksam spähen wir ins Dickicht. Und tatsächlich entdecken wir zwei kleinere und ein großes Exemplar. Träge liegen sie in der Sonne oder lassen sich ins Wasser gleiten. Beim Abtauchen steigen Luftblasen aus der Tiefe. Aus sicherer Entfernung schießen wir einige Fotos von den Alligatoren. Dann machen wir uns auf den Rückweg. Gemeinsam mit kleinen Teppichen von Wasserpflanzen spült uns die Strömung ins offene Meer zurück. Dort liegt unsere Murada sicher vor Anker.