Sonntag, 13. Mai 2018

Guatemala






Zum Schluss unserer Reise wird es noch einmal richtig spannend. Wir nähern uns Guatemala. Hier im Rio Dulce wollen wir unsere Murada in der Regenzeit an Land stellen. Vor der Einfahrt zum Fluss gilt es eine Barre zu überwinden. Für viele Segler mit einem Tiefgang von mehr als 2 Metern ist die Einfahrt nur unter Schwierigkeiten möglich. Unsere Murada misst offiziell 1.85m, aber mit unserem derzeitigen Reisegepäck liegt sie deutlich tiefer im Wasser. Bereits auf dem Weg hierher dreht sich bei den Seglern alles um das Thema, wie und wann die Barre zu überwinden ist, welchen Tiefgang die verschiedenen Schiffe haben, bei welchem Tiefgang eine Einfahrt ohne fremde Hilfe noch möglich ist, wo die Fahrrinne verläuft. Gemeinsam wird der beste Termin ermittelt. Die Gestirne werden zu Rate gezogen und das Wetter beobachtet.

Wir sind pünktlich zur richtigen Zeit vor Ort. Es ist Hochwasser und Neumond, die See ist ruhig. Die Einfahrt zum Fluss lockt in der Ferne. Wir folgen Brigitte und Kurt. Mit ihrer Segelyacht Elena, einer Vanderstadt 34 haben die beiden 1.60m Tiefgang plus Zuladung. Kurt folgt seinem Track vom letzten Jahr. Damals hatte er noch ausreichend Wasser unter dem Kiel. Wir folgen in gebührendem Abstand, die Spannung steigt. Zunächst läuft alles reibungslos, da plötzlich nickt Elena ein und sitzt auf. Der Untergrund besteht aus weichem Schlick. Mit Vollgas muddelt sich Elena durchs Flache und fährt weiter. Kurze Zeit später stecken auch wir fest. Hinter uns mölmt das Wasser, unser Motor schiebt uns Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Mal denken wir, wir haben es geschafft, dann landen wir wieder sanft auf dem nächsten Schlickhaufen. Kurt und Brigitte sind bereits über der Barre, ankern vor dem Einklarierungsort Livingston und warten auf uns. Wir sind zuversichtlich, dass es nur noch 10 Minuten dauern kann; schließlich schiebt sich unser Schiff Stück für Stück voran. An Land hat man uns bereits beobachtet. Ein kräftiges, kleines Motorboot nähert sich und bietet seine Hilfe an. Es ist Hector. Er will unser Schiff leicht krängen, um unseren Tiefgang zu minimieren. Noch sind wir guter Dinge, dass wir es selbst schaffen können. Tapfer muddeln wir uns durch den Schlick. Gespannt beobachten wir, wie Hektor ein entgegenkommendes Segelschiff vorsichtig auf die Seite legt und den Segler über die flachen Stellen begleitet. Sollten wir uns doch helfen lassen ? ......wie breit ist die Barre denn noch ? Inzwischen haben wir uns 40 Minuten durch den Mudd gekämpft und der Zeitraum des höchsten Wasserstands ist verstrichen. Entspannt kommt Hector längsseits und bietet erneut seine Hilfe an, die wir dieses Mal dankbar annehmen. Es ist dann wirklich kein großes Problem. Hektor zieht das Schiff am Spinnakerfall gefühlvoll auf die Seite und in kurzer Zeit schwimmen wir im tiefen Wasser.

Wir klarieren in Livingston ein. Ein neues Land, neue Eindrücke, Farben und Gerüche nehmen uns schnell gefangen. Maya Frauen in farbigen langen Röcken und Blusen mit Blumenmustern verkaufen köstliche Früchte, bunt gewebte Stoffe hängen flatternd im Wind.

Die anschließende Fahrt auf dem Rio Dulce in den Regenwald ist dann überwältigend. Wir fahren mitten durch den Dschungel. Umgeben von üppigem Grün schlängelt sich der Fluss in Kurven und Biegungen immer tiefer ins Landesinnere. Ein Konzert aus Vogelstimmen begleitet uns, Silberreiher fliegen in Schwärmen über den Fluss, Schwalben landen auf unserem Relingsdraht. Wir motoren durch eine Schlucht umgeben vom Regenwald. Dann öffnet sich der Fluss zu einem See und wir können uns bei halbem Wind von den Segeln ziehen lassen. Kleine strohbedeckte Hütten liegen versteckt im Grün. Einige Lanchas, lange schmale Boote kommen uns entgegen. Fischer werfen ihre Netze aus.

Vor der RAM Marina fällt der Anker. Wir springen ins Wasser und schwimmen zum ersten Mal seit langer Zeit im Süßwasser. Hier stellen wir unsere Murada an Land. Ein Segler nach dem anderen verabschiedet sich in die Heimat und auch unsere dritte Karibsaison geht ihrem Ende entgegen. Wir verlassen unsere Murada gut verpackt für die bevorstehende Regenzeit. Wenn alles wie geplant verläuft, sind wir am 15. Mai in Deutschland und können am nächsten Tag bei unseren Segelfreunden die Leinen für ihren ersten großen Schritt in die Fahrtenseglergemeinde lösen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen.