Dienstag, 15. Dezember 2015

Atlantiküberquerung







....der Mond lächelt uns mit einem breiten Grinsen zu! Ja, wirklich, hier wird der Mond von unten beschienen und zeigt einen Lachmund! Und er scheint zu sagen, ja, tschacka, ihr habt`s geschafft, ihr seid angekommen!

Wir liegen auf Barbados vor einem türkisfarbenen Sandstrand vor Anker, von der nahen Strandbar weht Musik herüber. Wir machen einen ersten Spaziergang durch Bridgetown und erleben eine weihnachtlich geschmückte Einkaufszone, Autoverkehr, Menschenmengen und vollgestopfte Straßen. Eine echte Reizüberflutung für uns nach zwei Wochen Meer, Meer und noch mehr Meer.

Wir kaufen als erstes eine SIM-Karte fürs Internet und frische Lebensmittel. In den folgenden Tagen befreien wir unsere Murada vom Salz, waschen die nötigste Wäsche, füllen unsere Wasservorräte auf,  reparieren die Toilette (Urinstein, Skippers Lieblingsbeschäftigung!) und  überholen die Selbststeueranlage  (verklemmte Kohlebürsten, Test nach Reparatur steht noch aus). Erst allmählich kommen wir hier an, der Schlafmangel steckt uns noch in den Knochen.

Aber von Anfang an. Am 30.11. segeln wir mit dem ersten Sonnenlicht aus dem Hafen von Mindelo, Kap Verden. Schnell können wir unsere schon bewährte Passatbesegelung ausrollen, die uns mit der zunehmend wärmenden Sonne im Rücken gen Westen zieht.

Eine letzte Funkverbindung zu  anderen Yachten, ein letztes fair winds. Am Ende des Tages sind wir alleine auf dem Meer. Kein Telefon, kein Internet, nur die Kommunikation über Alfons Amateurfunk ist jetzt noch möglich.

Wir beginnen unseren dreistündigen Wachwechsel, segeln in unsere erste Nacht. Um Mitternacht geht der Mond blutrot im Osten auf. Er liegt wie eine halbe Zitronenscheibe rücklings am Himmel.  

In den nächsten Tagen weht der Wind konstant mit 4 bis 5 Beaufort aus Nordost. Wir reffen die Segel, eine 2,5 Meter See rollt schräg von achtern unter Murada hindurch. Immer wieder hebt sich das Heck unseres Schiffes und bei besonders hohen Wellen surft Murada zu Tal. Die Selbststeueranlage arbeitet klaglos, unsere Wachen spielen sich ein. Nach einigen Tagen hat sich mein Körper eingeschaukelt und ich kann auf die Mittel gegen Seekrankheit verzichten. Trotzdem bin ich froh, dass Alfons das Kochen übernimmt. Das Einschlafen gelingt am besten in Entspanungshaltung auf dem Rücken liegend, denn der Körper wird permanent hin- und her geschaukelt. Schön ist das nicht, aber wir wussten, dass es so kommen würde, sind mental darauf vorbereitet.

Irgendwann fließen die Tage und Nächte ineinander. Zeit spielt keine Rolle mehr. Es zählt nur noch das hier und jetzt. Nichts ist jetzt mehr veränderbar, nichts zu entscheiden. Es gibt kein Zurück nur noch ein Vorwärts. Die Natur ist allgegenwärtig. Es wird keine Sekunde langweilig. Wir lesen, hören Hörbücher und Musik und schauen die meiste Zeit einfach den Wellen zu, wie sie kommen und gehen.

Bei jedem Wachwechsel tragen wir die Position- und Segelbedingungen im Logbuch ein. An der Besegelung gibt es nichts zu tun.  Aus dem sicheren Cockpit heraus rollen wir, je nach Windstärke, die beiden Vorsegel ein und aus. Sie ziehen unsere Murada mit konstanten 5 bis 8 Knoten durchs Wasser.

Der Mond geht im Osten jeden Morgen eine Stunde später auf. Er ist abnehmend und beleuchtet mit einem wunderbaren Sternenhimmel das Dunkel. In der zweiten Woche ist er ganz verschwunden, um eine Nacht später im Westen wieder aufzugehen.

Nach je 15 Längengraden, die wir übersegeln, stellen wir die Uhr eine Stunde vor. Nur die Uhr im Salon lassen wir auf UTC Zeit stehen und gehen auch danach unseren Wachwechsel. So kommen wir nicht aus dem Rhythmus und Alfons kann in seiner Wache mit Intermar funken.

Intermar ist ein Verein von Funkamateuren, der segelnde Yachten im europäischen Raum bis in die Karibik mit Wetterdaten versorgt und berät. Die täglichen Funkrunden werden fortan zu einem festen Termin. Neben der Übermittlung unserer Position beraten uns Uwe und Rüttger, selbst Segler, über die aktuellen Wetterbedingungen. Der TO Stützpunktleiter Federico aus La Palma, den wir persönlich kennengelernt haben, begleitet unseren Weg über Funk, außerdem Wolfgang aus Tarragona, Peter aus Norddeutschland und einmal Ingmar aus Cuxhaven. Täglich übermittelt Alfons unsere Position an unseren Sohn Lasse. Wir fühlen uns kompetent und liebevoll begleitet, herzlichen Dank.

Und das Glück ist auf unserer Seite. Das Wetter bleibt konstant und stabil. Wir haben keine wesentlichen Schäden zu beklagen, außer, dass nach einer Woche die hintere Toilette dicht ist und die Selbststeueranlage ausfällt.  Aber auch da haben wir Glück im Unglück. Denn zum Glück haben wir zwei Toiletten an Bord. Und die Selbststeueranlage fängt in der zweien Woche mit gelegentlichen Aussetzern an, lässt uns dann aber erst in den letzten 3 Tagen und Nächten vollends im Stich. Ab da stehen wir im zweistündigen Wachwechsel Stunde über Stunde am Steuerrad. Doch auch da haben wir das Glück, dass in den letzen Segeltagen Wind und vor allem Wellengang nachlassen und es ist ein Segeln, so richtig nach unserem Geschmack.  

Bei allen Strapazen der Überfahrt überwiegt die Einmaligkeit der Natur. Die Weite des Meeres, der Frieden in und mit der Natur, das Rauschen der Wellen, das Zischen der fliegenden Fische kurz über der Wasseroberfläche, die Eleganz der Bewegungen begleitender Delphinschulen und jede Nacht ein überwältigender Sternenhimmel.

Die Nächte werden immer wärmer. Wir segeln barfuß, nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet. In der letzten lauen Nacht nähern wir uns dann von Süden der erleuchteten Küstenlinie von Barbados. Es hört sich schon fast kitschig an, aber in dieser Nacht sehen wir so viele Sternschnuppen, dass kein Wunsch mehr offen bleibt.


Dienstag, 1. Dezember 2015

Es ist soweit






Die Atlantiküberquerung, unsere erste Atlantiküberquerung steht bevor.

Viele vor uns sind diesen Weg schon gegangen, für Alfons und mich ist es trotzdem ein gewaltiger Schritt.

Ich würde lügen, wenn ich nicht auch ein mulmiges Gefühl eingestehen würde. Wie wird es sein? Wie werden wir mit dem Schlaf-Wachrhythmus zurechtkommen? Wird sich der Körper an die Schaukelbewegung gewöhnen? Wie stark wird sie das Leben beeinträchtigen? Werde ich die Freiheit verspüren, die ich in den Büchern der alten Weltumsegler aufgesogen habe? Oder werde ich mich nur noch nach dem Ankommen sehnen? Fragen über Fragen, die durch meinen Kopf schwirren.

Aber da ist auch die Freude darüber, bis hier her gekommen zu sein. Diesen Schritt nun wagen zu können. Wie lange haben wir diesen Punkt herbeigesehnt.

Und besser vorbereitet könnten wir nicht sein! Das Schiff ist stark, wir fühlen uns auf ihm sicher. Es ist unser Halt, unser Heim, unser fester Untergrund. Alfons hat sich um die Versorgung des Schiffes gekümmert, ich mich um die Versorgung der Crew.

So ist Butter in Salzlake konserviert, Kohl und harte Eier in sauer eingelegt, Knoblauch in Öl, Ingwer in Alkohol konserviert, Gemüse eingekocht...........Wir haben wohl einen Kühlschrank an Bord, doch Energiegewinnung ist immer ein Thema. Mit 4 kleinen Solarpaneelen und einem Windgenerator bekommen wir zwar laufend Nachschub, aber unser wichtiger dritter Mann, die elektrische Selbststeueranlage verbraucht eine Menge und steht an erster Stelle. So gewinnen die alten Konservierungsmittel wieder eine große Bedeutung.

Wie überhaupt das Leben sich auf das Wesentliche beschränkt - dadurch an Tiefe und Bedeutung gewinnt!

Und wie heißt es so schön? Da wo die Butter schmilzt - rechts abbiegen! Da wo die Butter schmilzt sind wir jetzt schon. Jetzt geht es nur noch westwärts. 2000 Seemeilen. Zwei bis drei Wochen werden wir dafür unterwegs sein.

Wie würde Lasse, unser atlantikerfahrener Sohn sagen: Tschacka, das schafft ihr!

Tschacka, am Montag geht es los! Auf nach Barbados!


Donnerstag, 26. November 2015

Die Kap Verden







Heute einige Infos zu den Kap Verden, der noch unbekanntesten Inselgruppe des Mittelatlantiks. Wie die Kanaren ist auch sie vulkanischen Ursprungs und teilt sich nach ihrer Lage im dominierenden NO Passatwind in eine nördliche und eine südliche Inselgruppe. Wir besuchen die Inseln des Barlovento, die Inseln über dem Wind.

Wie bereits berichtet, segelten wir zunächst zur Sand- und Wüsteninsel Sal. Eine Woche ankerten wir in Palmeira auf Sal, fuhren mit den preiswerten Sammeltaxis über die Insel, besuchten Espargos, den Ort mitten in der Sandwüste, Santa Maria, den touristischen Süden und Pedra Lume. In Pedra Lume wurde von 1922-1984 Salz abgebaut. Unter  der Meeresoberfläche fließt das Meerwasser durch einen Tunnel und natürliche Kanäle in einen Kratersee, die caldeira, den Boden eines Vulkankraters. Heute touristisch erschlossen, badeten wir in der Salzsole.

Am Ende der  Woche  veränderte sich das Wetter. Die Sonne schien nur noch fahl am Himmel. Calima, der Sandwind aus Afrika,  überzog die Insel mit feinem Sandstaub. Wir segelten in einem Tagestörn gen Süden zur Insel Boavista. Hier erwarteten uns weite, einsame Dünen und kilometerlange feine Sandstrände. Wir wunderten uns nicht, als uns auch hier der Wüstenwind sandig entgegen blies. Zwei Tage erkundeten wir die nähere Umgebung. Dann segelten wir in einem Nachttörn zur 90sm entfernten Insel Sao Nicolau.

Und das ist die Insel, in die wir uns ein bisschen verliebten. Touristisch noch im Dornröschenschlaf und kaum besiedelt trafen wir auf ein kleines Juwel. Die Liebe hat  viel mit Henny Kusters, dem TO Stützpunktleiter, zu tun. Ein 82 Jahre alter Mann, der sich vor 18 Jahren nach seinen Weltumsegelungen hier niederließ und seitdem sein Wissen und Kapital einsetzt, um jungen Männern der Insel die hohe Schule der Kochkunst beizubringen. Er erzählte uns eine ganze Menge über seine Insel, die Menschen, das einfache Leben auf Sao Nicolau und man nimmt ihm sofort ab, dass er für alles Geld der Welt nicht mehr woanders leben möchte.

Mit seinen Ratschlägen machten wir in den nächsten Tagen herrliche Wanderungen in das üppig grüne Inselinnere mit dem 1312m hohen Monte Gordo im NW-Teil der Insel. Abends aßen wir mit anderen Seglern auf seiner Terrasse bei lauen Temperaturen ein von seinen Schützlingen zubereitetes Menü. Ein junger Mann aus dem Dorf spielte Gitarre und sang kapverdische Lieder. Wie könnte das Leben schöner sein?

Wie so oft war es dann das Wetter, das  im wahrsten Sinne des Wortes zum Aufbruch blies. Der Wind legte kräftig zu und heftige Fallböen fegten über die halb offene Ankerbucht von Tarrafal. Wir segelten in einem Tagestörn zur Insel Sao Vicente und dort in den großen Naturhafen Porto Grande Mindelo.

Hier nahmen uns unsere Freunde Iris und Robert von der SY Marie Luise in Empfang. Nach einer herzlichen Begrüßung lernten wir noch am selben Abend den TO Stützpunktleiter von Mindelo kennen und waren für den übernächsten Tag zu einem Tagesausflug über die Insel mit eingeplant.
Zusammenfassend zu den Kap Verden lässt sich sagen, dass keine Insel der anderen gleicht. Jede Insel ist absolut einzig- und andersartig.  Hier leben die Menschen noch sehr einfach.  Sie werden finanziell oft unterstützt von ihren im Ausland arbeitenden Verwandten. Der Fischfang steht an erster Stelle. Der Fisch wird nicht gekühlt, sondern einfach fangfrisch verkauft. Auf Sal, Boavista und Sao Nicolau gibt es nur ein sehr begrenztes Warenangebot. 

Die Hauptmahlzeit besteht aus Mais, Bohnen und Fisch. Frisches Obst und Gemüse ist oft Mangelware.  

Die Hafenstadt Mindelo auf der Insel Sao Vicente, von der alljährlich viele Yachten zu ihrer Atlantiküberquerung starten und die auch von Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird, sprudelt dagegen von Leben und Geschäftigkeit. Sie ist die europäischste Stadt der Kap Verden.  Der Hafenumschlag funktioniert noch wie bei uns vor 50 Jahren. Säcke werden einzeln von Hand im Laderaum verstaut, kleine Frachtkäne versorgen die Inseln. Die Insel Sao Vicente selbst ist sehr trocken und karstig. In mühevoller Handarbeit wird an steilen terrassierten Feldern hauptsächlich Mais, Bohnen, Maniok und Süßkartoffeln angebaut.

In den nächsten Tagen besuchen wir noch die Insel Santo Antao. Und ansonsten beobachten wir schon sehr genau das Wetter, um ein günstiges Startfenster für die Atlantiküberquerung zu erwischen.

Donnerstag, 12. November 2015

Landfall auf Cabo Verde









Anbei die Fortsetzung unseres Landfalls auf cabo verde:

...kaum haben wir den Anker in Palmeira auf Sal in den Sand gezogen, kommt ein Schlauchboot längsseits und Andreas und Stephan heißen uns willkommen. Unser Eintreffen wurde bereits erwartet und war von unseren Freunden Iris und Robert angekündigt worden.

Ausgestattet mit allen wichtigen Informationen checken wir gleich am folgenden Tag ein. Danach macht sich Alfons sogleich an die Reparatur des Auspuffs. Er klebt und verstärkt alle durchgebrannten Stellen und am Ende des Tages ist der Auspuff dichter als zuvor. Als der Motor wieder läuft macht sich Entspannung breit und wir erkunden den Ort.

Nicht umsonst nennt man die Kap Verden das Afrika für Anfänger. Bei unserem ersten Rundgang entdecken wir in der Mitte des Dorfes eine Zisterne, an der die Einheimischen in großen Kanistern ihr Wasser abfüllen. Auf dem Kopf balancierend oder mit Schubkarren wird das Wasser in die einfachen Häuser transportiert. Auch wir machen es uns in den folgenden Tagen zur Gewohnheit, täglich zur Wasserstelle zu gehen und unseren Wassertank an Bord immer etwas nachzufüllen.

Frauen waschen ihre Wäsche mit einem Waschbrett ganz in der Nähe der Wasserstelle. Fröhliche Kinder laufen durch die Gassen, Hunde dösen in der Sonne. Im Hafen landen Fischer in einfachen kleinen Booten ihren Fang an. Erwartet werden sie von Frauen, die die ergatterten Fische in großen Schalen auf dem Kopf nach Hause transportieren.

Wir fühlen uns täglich wohler hier, genießen die Leichtigkeit des Lebens, finden mit einfachen Gesten einen freundlichen und entspannten Umgang mit den Einheimischen, sitzen abends mit anderen Yachteignern im Cockpit und tauschen Erfahrungen aus.  

Viele Yachten sind wie wir auf dem Weg in die Karibik. Einige segeln zur nahen afrikanischen Küste. Täglich verlassen einige Boote den Ankerplatz und neue kommen dazu.

Auch wir werden in den nächsten Tagen weitersegeln und noch die ein oder andere der insgesamt 9  Inseln besuchen, bevor wir  den großen Sprung über den Atlantik wagen.