Mittwoch, 16. Januar 2019

Alfons Abenteuerspielplatz

Alfons Wunsch entsprechend, einmal aufzuschreiben, was zu einem Leben an Bord so alles dazu gehört, will ich hiermit entsprechen. Wir liegen nämlich nicht nur faul auf der Haut, segeln, schnorcheln und schwimmen in den phantastischsten Revieren der Welt, sondern tun auch viel dafür und arbeiten hart...grins

...solche Tage gibt es nämlich auch...bisher konnten wir zwar gegen den Wind, was Fahrtensegler eigentlich grundsätzlich nicht so gerne tun, aber bei wunderbaren moderaten Bedingungen und Sonne aufkreuzen. Jetzt liegen wir auf Höhe Belize City hinter Robinson Island, einer Ansammlung von Mangroveninseln, vor Anker und es gießt wie aus Eimern. Und was passiert in diesem Fall...ein neues Leck tut sich auf...es tropft doch tatsächlich auf den Sitz am Kartentisch, dem Refugium des Kapitäns. Morgen, Morgen sieht der Captain nach der Ursache. Für heute hat er schon genug geschafft.

Gleich nach dem Frühstück war er nämlich tauchen, hat die Schraube des Propellers, zum besseren Vorankommen, eingestellt. Er hatte sich schon gewundert, dass auf der Tauchflasche nur noch 50bar Druck war. Also nach dem Tauchgang den Tauchkompressor aus der Backskiste wuchten und Luft auffüllen. Aber Pustekuchen, bei Spülitest gegen Undichtigkeit zeigt sich, dass ein Dichtungsring defekt ist. Bei neu gekauften Tauchflaschen aus dem letzten Jahr sollte das eigentlich nicht vorkommen. Also Tauchkompressor erst einmal einpacken und in der nächsten Tauchbasis neue Dichtungsringe besorgen.
Thema Außenborder: wir haben zwei Außenborder, einen neuen 9,8 PS Außenborder, der toi, toi, toi super funktioniert und den kleinen, alten 2,3 PS Außenborder, den Alfons gerne benutzt, weil er leicht zu händeln ist und keinen Zusatztank benötigt. Dieser kleine Außenborder streikt in letzter Zeit immer öfter. Zwei Zündkerzen wurden bereits erneuert, aber noch immer läuft der Außenborder nicht wunschgemäß...ein noch zu erledigendes Problem.
Ein weiteres noch nicht erledigtes Problem stellt das alte Marine-Kurzwellenfunkgerät dar. Es hat schon einige Jährchen auf dem Buckel; war schon eingebaut, als wir das Schiff kauften, funktionierte aber bisher tadellos. Es wird der Stromleckage verdächtigt und wurde erst einmal abgeklemmt.

Ja, und was Alfons zur vollsten Zufriedenheit klären konnte, ist die Sache mit dem Amateur-Funkgerät. Im Hafen und bei guter Internetverbindung holen wir uns unsere Wetterinformationen über das Internet. Nun liegen wir aber hinter einsamen Mangroveninseln, weit ab jeder Zivilisation. Dann sind wir auf den Wetterbericht über Funk angewiesen. Geht zur Zeit aber nicht, keine Verbindung möglich. Nach Suche wird der Übeltäter entdeckt. Das Kabel zwischen Antenne und Tuner ist korrodiert. Die Kombination Salzwasser und Metall ergeben keine gute Symbiose. Nach dem Austauschen des defekten Kabels können wir auch das Wetter wieder einholen.

Leider soll es auch morgen noch pusten und regnen. Wie meinte unsere Tochter so treffend: "...auch im Paradies gibt es mal Regen". Tja, so hart ist das Seglerleben. Ihr braucht uns also nicht nur beneiden, ihr dürft uns auch mal bedauern.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Belize, Suche nach der Handbreit Wasser unter dem Kiel




Danke, für die guten Wünsche nach der Handbreit Wasser unterm Kiel nach unserem letzten Bericht. Nach der Barre des Rio Dulce stellt uns auch Belize vor die Herausforderung, die Handbreit Wasser unter dem Kiel immer zu finden.

Vor der Küste Belizes erstrecken sich Kalksteinfelsen 5 km tief kilometerweit Richtung Osten hinaus in die Karibik. Am Ende des Festlandsockels befindet sich zusammen mit den drei Atollen Turneffe Island, Lighthouse Reef und Glover Reef das zweitgrößte Korallenriff der Welt und das längste in der westlichen und auch der nördlich des Äquators gelegenen Hemisphäre. Das Belize Barrier Reef zieht sich die gesamte Küste Belizes entlang und schützt eine Vielzahl von Kleinriffen, Sandbänken und über 1000 Inseln, die sogenannten Cayes. Die meisten Cayes sind von dichten Mangrovenwäldern bestanden und bilden zugleich eine Schutzfunktion vor Küstenerosion.

Dieser Bereich zwischen dem Festland und der Riffkante bietet feinstes Segeln ohne Welle, ist aber in weiten Bereichen sehr flach. Gegen den im Januar vorwiegend aus Norden kommenden Wind kreuzen wir im Hauptfahrwasser auf und suchen uns am Nachmittag einen Ankerplatz hinter einer Mangroveninsel. Die Anfahrt der Ankerplätze ist immer sehr spannend und muss bei ausreichendem Tageslicht erfolgen. Mit Ausguck nach Bodenbeschaffenheit und möglichen Korallenköpfen tasten wir uns vor. Gutes Kartenmaterial für Belize gibt es nicht. Alle vorhandenen elektronischen Karten bieten keine ausreichende Information. Lediglich ein Buch von "Freya Rauscher" mit Koordinaten und Wegpunkten ist hilfreich.

Entschädigt werden wir durch einsame Ankerplätze, Ruhe und Abgeschiedenheit, weitab jeder Zivilisation. Wir ankern hinter Mangroveninseln wie den Pelican Cays, Twin Cays, Tobacco Cays, Bluefield Range, Robinson Island und Caye Caulker. An einigen wenigen Stellen im Außenriff gibt es befahrbare Durchfahrten, die wir nutzen, um ins karibische Meer zu gelangen.

Auf Höhe Belize City segeln wir zum vorgelagerten Atoll "Turneffe Island". Im Süden des Atolls gibt es eine für unseren Tiefgang gerade noch zu befahrende flache Riffdurchfahrt in das Innere des Atolls. Bei der Ansteuerung changieren die Farben des Wassers vom tiefen blau über himmelblau, grünlich und bräunlich, je nach Tiefe und Bodenbeschaffenheit. Ab 15m Wassertiefe ist das Wasser so klar, dass die einzelnen Korallenköpfe zu erkennen sind. Trotzdem ist es schwierig, deren genaue Tiefe abzuschätzen und einmal hat unser Kiel eine kurze Berührung mit einem Korallenblock. Wir atmen auf, als wir die schwierige Passage gemeistert haben und motoren im Inneren von Turneffe Island hinter einen kleinen Mangrovenwald. Wir sind umgeben von Wasser; am Horizont ist Belize zu erahnen. Unser Mangrovenwäldchen bietet nicht nur uns Windschutz, sondern dient auch einer Kolonie Silberreiher als Schlafstatt. Allabendlich versammeln sich die Vögel, um mit dem ersten Morgengrauen wieder zu starten. Auch eine Gruppe Delphine kommt allmorgendlich an unserem Schiff vorbei.

Fünf Fischer leben und arbeiten in unsere Nähe auf dem Atoll. Am Abend steuern sie unser Schiff an und zeigen uns ihren Fang. Sie tauchen nach Lobster und Conchmuscheln. Gerne nehmen wir ihnen Lobster ab. Geld wollen sie nicht für die Lobster. Wir können uns mit Rum, Bier und dem Aufladen ihrer Handys revanchieren. Das machen wir doch gerne und schon sitzen sie an Bord und wir kommen ins Gespräch. Bis Ende Februar dauert die Lobstersaison auf Belize. Jeden Montag bringen die Männer ihren Fang zur Kooperative nach Belize City. Bei der herzlichen Verabschiedung nehmen sie ihre leeren Bierbüchsen gleich mit. Dabei fällt uns auf, dass wir hier, im Gegensatz zu manch anderer karibischen Insel, noch sauberes Wasser und Strände ohne Plastikmüll sehen. In den nächsten Tagen gibt es Lobster satt, mal mit Brot und Knoblauch, mal in Knoblauchöl auf Nudeln. Einmal wieder hat sich alle Mühe der schwierigen Anfahrt gelohnt.

Mittwoch, 2. Januar 2019

Schwerer Abschied vom Rio Dulce/Guatemala



Nach Weihnachten machen wir uns auf den Weg. Wir setzen zum ersten Mal nach der langen Liegezeit die Segel und gleiten fast lautlos und gemächlich über "El Golfete", den See im Rio Dulce. Nach dem geschäftigen Treiben in der Marina und dem trubeligen Ort Rio Dulce saugen wir die Ruhe des Flusses förmlich in uns auf. Wir liegen am Rande des Urwalds vor Anker. In der Nacht schläft der Wind ein, wir erwachen mit dem Geschrei der Brüllaffen und den ersten Vogelstimmen.

Der Start ins neue Jahr fällt fast ins Wasser. Wir sitzen mit Claudia und Friedrich von SY Eden und Corinne und Florian, einem jungen Paar aus Schweiz/DE zusammen und unterhalten uns so angeregt, dass wir die Zeit vergessen. Coco und Flo sind mit ein wenig Eigenkapital und dem Programm workaway unterwegs. Gerade hüten sie die Marina "Burnt Key" in einem wunderbar geschützten Seitenarm des Rio Dulce gegen freie Logie. Für uns immer wieder spannend, welche Möglichkeiten es für junge, unternehmungslustige Menschenkinder gibt, die Welt zu erkunden.

Dann heißt es endgültig Abschied nehmen von Guatemala, einem Highlight unserer bisherigen Reise. Wir klarieren in Livingston aus, verprassen unsere letzten Quezales. Am späten Nachmittag motoren wir in Richtung Flussausfahrt. Hector mit seinem Fischerboot begleitet uns, um unser Schiff, falls nötig, zu krängen. Und es ist nötig! Die Einfahrt des Rio ist seit unserer Ankunft im April 2018 weiter versandet. Der Fluss führt zu wenig Wasser, die Barre ist breiter und höher geworden. Nur schwer...mit Schräglage und mehrmaliger Grundberührung...überwinden wir die Barre. Für uns ein Abschied mit Schmerzen...mit unserer Murada werden wir hierher nicht mehr kommen. Adios und danke für eine herrliche Zeit.

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Guatemala, Informationen Rio Dulce

RAM Marina, gute Marina, um sein Boot an Land zu stellen, freundliches Personal, relativ preiswerte Möglichkeit sein Schiff überarbeiten zu lassen, man kann aber auch selbst Hand anlegen

Marinas, um im Wasser zu bleiben sind reichlich und preiswert vorhanden, z. B. Tortugal, Bonito, Catamaran, Monkey bay, Tjax.....

morgendliches Funknetz um 7:30 Uhr auf Kanal 69, super organisiert mit Informationen zu Wetter, Ausflügen, Unternehmungen, Restaurants, Flohmarkt und mehr

zahlreiche Ausflüge und Ankermöglichkeiten auf dem Rio, el Golfete, Lago de Izabal sind möglich, z.B. Besuch Fort San Felipe, heiße Quelle Cascada Caliente, Naturreservat El Tenamit mit Zip lining, Kletterpark, Kajakfahrt und heißer Quelle, Wanderungen in den Regenwald...

Samstag, 15. Dezember 2018

Guatemala, Informationen zu den Landausflügen





_____________________Tikal____________________________________________________________________________
Von Seglern empfohlene Übernachtung direkt an der Mayastätte: Hotel "Tikal Inn"
gute Backpackerunterkunft mit reichlich Information in Flores: Hostel "los Amigos"

Eintritt Mayastadt Tikal: 150 Q
Eintritt Sunset Tour : 100 Q zusätzlich, Karten vorher besorgen, nachts keine Kaufmöglichkeit.

Umtauschkurs: 8 Quezal - 1 Euro


____________________Copan Ruinas/Honduras______________
Shuttel vom Rio Dulce nach El Florido/Grenzstation zu Honduras mit Backpacker/Rio Dulce Travel für 150 Q
ab der Grenzstation bis Copan Ruinas fahren lokale Kleinbusse, p.P. ca. 1 US, Geld umtauschen an der Grenze leicht möglich

Eintritt Maya Ruinen : 15 US
Museum : 7 US
Copan Ruinas, schöne kleine Stadt mit Kopfsteinpflaster u weißen Lehmhäusern

"Sol de Copan" Kleinbrauerei, Besuch empfehenswert: frisch gezapftes Hefeweizen, dem deutschen Besitzer Thomas einen Gruß ausrichten

Rund um Copan Ruinas:
Besuch der Hacienda San Lucas mit Los Sapos, Steinfiguren der Mayas, am besten ein Ausflug zu Pferde
Besuch La Onda Maya, Luna Jaguar Spa, Thermalbad, 80 Grad heißes Quellwasser kommt aus dem Berg, wird mit dem kühlem Flusswasser gemischt und in verschieden temperierte Steinbecken geleitet, 24 km nördlich von Copan Ruinas


_________________________Antigua_____________________________________________________________________
Shuttle von Copan Ruinas bis Antigua, 270km p.P. ca. 185 Q

Antigua, ehemalige Hauptstadt Guatemalas, von 3 mächtigen Vulkanan umgeben, koloniale Relikte, alte Kirchengebäude, Kopfsteinpflaster, lebendiger Parque Central, viele Cafes und Restaurants, reichhaltiges Angebot an Aktivitäten und Ausflügen, Shuttle Möglichkeiten zur Weiterfahrt, absolut empfehlenswert !


________________________Chichicastenango___________________________________________________________
Fahrt von Antigua nach Chichi mit lokalen Bussen:
Antigua - Chimaltenango ca. 16km
Chimaltenango - Los Encuentros ca. 74km
Los Encuentros - Chichicastenango ca. 18km, zusammen p.P. ca. 40 Q

Unterkunft "Chalet House", familiäre, einfache Unterkunft, sehr sympathische Eigner, bestes Frühstück mit Obst und frisch gebackenem Brot in ruhiger Wohngegend, trotzdem dicht beim Markt, würden wir immer wieder wählen!

Empfehlung: Samstag Anreise, Sonntag Kirche und Markttag, Montag Weiterreise



____________________Lago de Atitlan_____________________
Fahrt von Chichi nach Panajachel mit lokalen Bussen:
Chichicastenango - umsteigen in Los Encuentros ca. 18km
Los Encuentros - umsteigen in Solola ca. 12km
Solola - Panajachel ca. 8km, zusammen p.P. ca. 24 Q


Panajachel:
Tagesfahrt mit der Lancha über den See: 125 Q
Sundowner im Sunset Cafe mit Blick über den See auf die Vulkane

einfache Lanchafahrt nach San Pedro, Santiago...25 Q , letzte Fahrt 19:00 Uhr

San Pedro La Laguna:
Hotel "Gran Sueno" zentral, Blick auf den See
lebendiger Ort, viele Cafes u Kneipen, Vulkanbesteigung, Wanderung zum Sonnenuntergang, Yogastunden und zahlreiche Aktivitäten

San Marcos La Laguna:
ruhigstes und schönstes Dorf am See, Mekka für Entspannung und Yoga

Santiago Atitlan:
größter Ort am See mit ausgeprägter indigener Identität, wunderbaren Web und Stickarbeiten und einem lebendigen Markt und Zentrumsplatz

San Juan La Laguna:
Künstlerdorf, 11 Künstler von Malerei bis traditionellem Kunsthandwerk



_________________________Huehuetenango____________________________________________________________
Shuttle von Panajachel nach Huehue, 141km, p.P. ca. 185 Q

in Huehue...altes, eingesessenes Hotel mit Flair: " Zaculeu "
Bergkulisse, Ausflüge ins Cuchumatanes Gebirge


________________________________Uspantan____________________________________________________________
freundlicher, authentischer Ort ohne Tourismus, entspanntes Treiben auf dem Zentrumsplatz, reges Markttreiben an Markttagen


_____________Fahrt durch das Cuchumatanes Gebirge_________
Gebirgszug, der sich von der mexikanischen Grenze bis zur Atlantikküste quer durchs Land zieht, phantastische Ausblicke, üppiges Grün, indigene Dörfer, mit den örtlichen Kleinbussen
einfach befahrbar


______________________________Coban_________________________________________________________________
einfache Öko Lodge 8km südlich von Coban "Paraiso Verde"
Besuch des Orchideengartens "Orquigonia" Führung durch das Orchideen-Schutzgebiet
p.P. 50 Q


_____________________________Lanquin________________________________________________________________
Unterkunft "El Retiro" absolut perfekt, am Fluss, kleine palmenbedeckte Lodges, gute Informationen, Ausflüge und Shuttels zur Weiterfahrt

Höhlensystem Grutas de Lanquin, jede Menge Fledermäuse

Semuc Champey, 11km südlich von Lanquin, Naturschutzgebiet mit 300m langer Naturbrücke aus Kalkstein mit zahlreichen Becken, die von kühlem Flusswasser durchspült werden, landschaftlich einmalig.

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unsere Empfehlung für Segelfreunde mit 2 Wochen Zeit:
Start Rio Dulce - Copan Ruinas/Honduras - Antigua - San Pedro/Lago de Atitlan - Chichicastenango - Lanquin - Rio Dulce

unsere Empfehlung für 3-4 Tage:
Tikal zum Sonnenaufgang, Yaxha zum Sonnenuntergang,
Flores am Lago Peten Itza

unsere Empfehlung für 2-3 Tage:
Copan Ruinas mit Besuch der Maya Stätte

viel Spaß in Guatemala, einem Land mit Dschungel, Maya Stätten, Wasserfällen, Höhlen, heißen Quellen, Flüssen, Vulkanen, Gebirgszügen.....ursprünglich, faszinierend und aufregend.

Montag, 10. Dezember 2018

Guatemala Rundreise




Feinstaub ? ....was ist das ???..... hier gibt es nur richtigen Dreck !!!..........................
....nach 15 Tagen Rundreise durch Guatemala sind unsere Lungen frisch geteert....



Wir haben eine Strecke von 1250 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,5km pro Stunde zurückgelegt und uns hauptsächlich mit den "collectivos", den lokalen Beförderungsmitteln fortbewegt.
Das sind in erster Linie Kleinbusse, sogenannte Microbusse, auch Chickenbusse genannt, die selbst die entlegensten Dörfer des Landes anfahren und unermüdlich im Einsatz sind. Ein Fahrer und ein Einsammler nehmen jeden am Wegrand Stehenden mit ...samt Viehzeug.....Abstand vom friedlichen Truthahnschnabel zu Alfons Arm 2cm.....Die alten Toyotas werden bis zum Bersten vollgestopft, in der Spitze zählen wir 29 Personen. Größere Gepäckstücke werden auf dem Dach verstaut und noch während der Fahrt vom Einsammler festgezurrt.

Da solch eine Quetsch und Stapelfahrt nicht die Angenehmste ist, haben wir es, wenn möglich, immer vorgezogen mit den "camionetas" zu fahren. Dabei handelt es sich um alte, ausgediente, amerikanische Schulbusse mit reichlich Power unter der Motorhaube. Da kommt es schon einmal vor, dass an dem Busfahrer ein Formel 1 Fahrer verloren gegangen ist und er seine Kraft und Größe nutzend alle übrigen Verkehrsteilnehmer laut hupend rechts und links überholt. Manchmal erleben wir eine entspannte Fahrt mit guter Musik und Sitzplatz auf geteerten Strassen, manchmal sind wir nur froh, heil angekommen zu sein.

Diese Art des Reisens ist für die meisten Traveller zu unbequem und nimmt überdies viel Zeit in Anspruch. Deshalb haben sich in den touristischen Orten Shuttle Unternehmen etabliert, die die Reisenden in neueren, klimatisierten Kleinbussen von Hotel zu Hotel bringen. Wenn es passt, nutzen wir auch dieses Angebot, finden es aber spannender, von der Touristenroute abzuweichen und auf eigene Faust unterwegs zu sein. Nur so kommen wir mit der einheimischen Bevölkerung " hautnah" in Berührung und erleben deren Alltag. Mit einem Lächeln und ein wenig Spanisch sind wir immer weiter gekommen. Sobald wir uns fragend umsehen, wird uns ungefragt Hilfe angeboten und der Weg erklärt. So haben wir gelernt, die Ortsnamen richtig auszusprechen und viel von den Einheimischen zu erfahren.

Wir sind, besonders im Hochland Guatemalas, vielen "indigenas" begegnet. Die Nachfahren der Mayas sind sehr kleine Menschen. Sie reichen uns gerade bis zur Schulter, sind schlank, haben pechschwarzes, glattes Haar, dunkelbraune Augen und schokoladenfarbene Haut. Uns gegenüber sind sie stets zuvorkommend und fast schüchtern.


Die "artesanias", Handarbeiten haben in Guatemala einen hohen Stellenwert, sowohl für den täglichen Gebrauch, als auch für den Handel. Neben der Korbflechterei, Keramik und Holzschnitzerei bilden die Webarbeiten und Stickereien der Maya Frauen den größten Anteil. Die gewebten Stoffe werden noch auf Holzwebstühlen gefertigt und die Wolle mit Naturfarben gefärbt. Feuerstellen werden mit Holz betrieben. Selbst im kühleren Hochland gibt es keine Heizung.

Die traditionelle Kleidung der Frauen besteht aus dem "corte", einen gewebten Stück Stoff gewickelt zum Rock und einer bestickten Bluse, der "huipil". Eine breite, kunstvoll bestickte Taillenschärpe, "faja" genannt, hält alles zusammen. Je nach Region und Stammeszugehörigkeit variieren die Farben und Muster der Webstoffe und Stickerein. Kinder werden im großen Webtuch auf dem Rücken getragen, Material auf dem Kopf. Die vier wichtigsten Maya Bevölkerungsgruppen sind die Quiche, Mam, Kekchi und Cakchiquel. Jede Gruppe spricht ihre eigene Sprache und identifiziert sich durch ihre Kleidung und Riten.



Parallel zum christlichen Glauben besteht die alte schamanische Maya Religion mit ihren Gottheiten. In Chichicastenango erleben wir eine Massentaufe, weihrauchschwenkende Schamane, Opfersteine, auf denen Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt werden, einen Trommler, der hoch auf dem Kirchturm sitzt und einen Opferaltar am Aufgang zur Kirche, der stetig befeuert wird.

In einer einfachen, aber wunderbar gelegenen Öko-Lodge bei Coban sitzen wir mit dem Inhaber in der mit einem Holzofen befeuerten Küche und nehmen an den einfachen Mahlzeiten teil. Von Hand geklopfte Maisfladen werden zu jeder Mahlzeit gereicht, dazu Bohnen oder Bohnenmus, Schafs- oder Ziegenkäse, Omeletts mit Tomate und Zwiebel und Kochbanane.

In Copan/Honduras bestaunen wir die noch gut erhaltenen Stelen der weitläufigen Maya Stätte, baden wie Maya Könige mitten im Urwald in Naturbecken, die aus einer heißen Quelle gemischt mit dem kalten Flusswasser unterschiedlich temperiert sind und reiten zu einer entlegenen Mayastätte in den Bergen.


Wir durchqueren das Cuchumatanes Gebirge, übernachten in untouristischen Orten, mischen uns unter die Einheimischen. Wir erleben bunte Märkte mit lebendem Getier, Obst und Gemüse, Haushaltswaren und Textilwaren, den Schuhputzer, sämtliche Gewerke auf engstem Raum, den Anhänger mit 5 Ziegen, auf dem es frisch gemolkene Ziegenmilch gibt, den Jungen mit der Schubkarre voller Erdnüsse, die Garküchen, Saft und Eisverkäufer.


Wir vergessen aber auch nicht, all die touristisch lohnenswerten Ziele anzusteuern. Wir fahren über den Atitlan See, spazieren durch die anliegenden Orte, ein jeder mit seinem besonderen Charme. Wir genießen bei einem Sundowner den phantastischen Blick über den See mit seinen imposanten Vulkanen Toliman und San Pedro.

Wir besuchen Antigua, die alte Hauptstadt Guatemalas mit seinen Kopfsteinpflastern und engen Gassen.


Wir reisen durch das unwegsame Binnenland, besteigen im Naturreservat Semuc Champey den Mirador mit seiner Aussichtsplattform und einem atemberaubenden Blick auf eine 300 m lange Naturbrücke aus Kalkstein mit zahlreichen Becken. Der Rio Cahabon verläuft größtenteils unterirdisch unter der Kalksteinbrücke und nach dem Abstieg nehmen wir ein erfrischendes Bad in den türkisfarben schimmernden, natürlichen Felsbecken.

Wir besuchen das 61 Meter tiefe Höhlenlabyrinth von Lanquin. Zur Dämmerstunde verlassen Hunderte von Fledermäusen die Höhle. Wir sitzen ruhig am Rand der Höhle und werden von den Fledermäusen zielsicher und nur mit einigen Zentimetern Abstand umflogen....unvergessliche Momente.

Wir erleben bei einer einfachen Maya Familie das Rösten der Kakaobohnen bis zur Schokoladenherstellung und lassen uns zeigen, wie und wo Orchideen wachsen.

Reich beschenkt und mit einer Fülle von Eindrücken treten wir die Heimreise an. Guatemala hat uns gefangen genommen mit einfachen, freundlichen Menschen, einer imposanten Landschaft, einer nach wie vor gelebten Maya Kultur und einer Lebendigkeit und Vielfältigkeit, die uns begeistert hat.

Bei unserer Rückkehr finden wir unser Schiff genau so vor, wie wir es verlassen haben. Der Coppercoat Unterwasseranstrich ist in unserer Abwesenheit gut gehärtet.

Einige Tage später sind wir im Wasser. Weihnachten und Silvester wollen wir, gemeinsam mit anderen Seglern noch im Fluss verbringen. Danach werden wir Guatemala in unserem Kielwasser zurück lassen und unsere Lungen mit dem frischen Wind vom Teer und Dreck der Strasse befreien.

Sonntag, 25. November 2018

Muradas neue Beinkleider


Wir entscheiden uns dafür, in Guatemala das Unterwasserschiff unserer Murada überarbeiten zu lassen.
Durch mehrmaliges Überstreichen in den letzten Jahren platzt an einigen Stellen die Farbe auf. Es ist der richtige Zeitpunkt, um die alte Unterwasserfarbe komplett entfernen zu lassen. Wir beobachten, wie gut in der Werft gearbeitet wird. Die Maschine zum Sandstrahlen ist täglich im Einsatz. Die Arbeiter nehmen sich viel Zeit und arbeiten sehr sorgfältig. Die Arbeitskosten in Guatemala sind relativ günstig.

Gespannt sehen wir dem Sandstrahlen entgegen. Wie sieht das Gelcoat unter der alten Farbe aus. Schließlich ist unsere Murada nicht mehr die Jüngste. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vollkommen unversehrt und wie neu strahlt das schiere Unterwasserschiff. Die alte englische Moody Werft hat Qualitätsarbeit geliefert.

Stellt sich noch die Frage, welchen neuen Unterwasseranstrich wir wählen. Alfons beschäftigte sich schon längere Zeit mit Coppercoat. Durch Gespräche mit anderen Seglern und deren positive Bewertung entscheiden wir uns für dieses Produkt. Coppercoat besteht aus einer Beschichtung aus wasserbasierendem Epoxydharz mit einem sehr hohen Anteil reinem Kupfer.

Die Idee, organischen Bewuchs an Schiffsrümpfen unter der Wasserlinie durch Kupfer zu verhindern, ist uralt. Sie wurde früher durch das Benageln der hölzernen Schiffsplanken mit Kupferblechen erfolgreich praktiziert. Die heutige Verarbeitung ist nicht einfach. Es müssen Temperatur und Härtungsintervalle akribisch eingehalten werden. Coppercoat besteht aus 3 Komponenten, die als Gebinde geliefert werden. Je ein Liter Epoxydharz und Härter, sowie 2 kg reines Kupferpulver werden sorgsam vermischt. Der Auftrag erfolgt Schicht auf Schicht. Nach 2 Schichten Grundierung folgen 4 Schichten Coppercoat. Danach muss das Gemisch aushärten.

Wir nutzen die Härtungszeit, um Guatemala zu bereisen. Danach wird die Oberfläche leicht angeschliffen, um die dicht beieinander liegenden Kupferpartikel freizulegen. Das Anschleifen kann mehrmals wiederholt werden. Bis zu 10 Jahre soll Coppercoat so vor Bewuchs schützen. Wir sind gespannt.