Dienstag, 31. Dezember 2019

Nassau satt




Nach 2 1/2 Wochen in Nassau haben wir das Gefühl, uns auszukennen. Der Anker hat sich tief eingegraben und wir trauen uns auch bei viel Wind von Bord. So nutzen wir jeden trockenen Tag, um kreuz und quer durch Nassau zu fahren. Mit den Fahrrädern haben wir einen weiten Aktionsradius.

Die angesagten Sehenswürdigkeiten klappern wir so ziemlich alle ab. Die Touristenfallen lassen wir aus. Wie Schokolade hergestellt wird, wissen wir schon. In der kleinen Rum Destillerie müssen wir eine Regenfront abwarten und lassen uns dann doch vom Rum verführen. Wir wissen inzwischen, wo es die beste Pizza, den besten Conchsalat gibt. Wir kennen den rund um die Uhr geöffneten Superwash Waschmaschinen Salon, in dem wir die einzigen Weißen sind. Wir fahren zum Supermarkt und schwer beladen zum Schiff zurück. Und wir kennen die wohl einzige Bäckerei weit und breit, wo es Brötchen gibt, die noch nach Hefe schmecken. Wir wissen, dass das alte marode Postamt geschlossen hat und fahren 4km durch regenüberströmte Strassen, um am anderen Ende von Nassau unsere Reisepässe mit dem neuen B1/B2 Visum abzuholen. Allabendlich beobachten wir von unserem Ankerplatz in der ersten Reihe, wie die Kreuzfahrtschiffe wieder aufbrechen.

Ja und allmählich wird es auch für uns Zeit. Die Schwerwetterfronten sind vorerst durchgezogen. Im neuen Jahr segeln wir los. Das Ziel sind die vielen kleinen Inseln und Inselketten der Bahamas.

Samstag, 28. Dezember 2019

Nassaus Piratengeschichte



Das sogenannte Goldene Zeitalter der Piraten auf den Bahamas war von ca. 1690 bis 1730. Nassau war Stützpunkt und Hochburg. Das Ziel der Piraten waren vor allem Schiffe, die im sogenannten Handelsdreieck zwischen Europa, Afrika und den neu eroberten Kolonien des amerikanischen Kontinents verkehrten und neben Waren auch Sklaven transportierten.

Piraten wie Blackbeard, Charles Vane, Jack Rackham und Anne Bonny nutzten die Inseln der Bahamas für ihre Beutezüge. Im hiesigen Piratenmuseum werden ihre Geschichten erzählt. Die meisten Piraten lebten nach demokratischen Grundsätzen. Der Kapitän eines Piratenschiffes wurde von der Mannschaft gewählt. Die Mannschaft bestimmte mit, wohin die Reise gehen und welches Schiff gekapert werden sollte. Die Beute wurde nach festgelegten Regeln aufgeteilt.

Spanien und Frankreich reagierten auf die Bedrohung ihrer Handelsschiffe mit der Zerstörung der Piratenhochburg Nassau. Zwischen 1684 und 1703 wurde Nassau drei mal zerstört. Die Piraten bauten ihren Stützpunkt immer wieder auf. 1706 übernahmen die Piraten die Kontrolle über die Bahamas. Sie regierten die Inseln von Nassau aus und Blackbeard wurde als "Magistrat der Piraten Republik" bezeichnet.

Lange Zeit unternahm das Königreich Großbritannien nichts gegen die Piraterie. Im Gegenteil, es beteiligte sich selbst an Kaperfahrten, um Spanien und Frankreich zu schwächen. Erst 1717 wurde Woodes Rogers, selbst ein ehemaliger Kaperfahrer und Freibeuter unter der britischen Admiralität, zum ersten Krongouverneur der Bahamas ernannt und mit der Aufgabe betraut, die Piraterie auszurotten.

Bei unseren Streifzügen kreuz und quer durch Nassau können wir uns des Verdachts nicht erwehren, dass Woodes Rogers das nicht ganz gelungen zu sein scheint. Die heutigen Piraten kommen nicht mit Holzbein, sondern im Anzug daher. Die Inseln der Bahams zählen zu den ersten Adressen, wenn es um Steuerparadiese geht. Der Staat erhebt keine Einkommenssteuer. Da verwundert es dann auch nicht, dass Downtown verrottet und zusammenfällt, während parallel dazu auf Paradise Island alles glitzert und blinkt. Reiches, armes Nassau.


Donnerstag, 26. Dezember 2019

Weihnachtsfeiertage einmal anders




Wir erleben in Nassau die Junkanoo Parade, ein großes karnevalistisches Freudenfest.

Es findet in den frühen Morgenstunden des 26. Dezember statt. Mit unseren Fahrrädern fahren wir in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag nach Downtown, schließen diese direkt vor der Polizeistation an und mischen uns unter die Einheimischen.

Die Parade zieht durch die abgesperrten Strassen. Trommeln, Trillerpfeifen, Trompeten und Rhythmusinstrumente sorgen für einen mitreißenden und stampfenden Rhythmus. Prächtige Kostüme werden präsentiert. Kostümierte und tanzende Gruppen begleiten Wagen mit überschäumender Dekoration.


Es wird vermutet, dass ein afrikanischer Stammesführer, der als Sklave auf die Bahamas kam, den Junkanoo mitbrachte. Er wollte mit seinen Leuten auf traditionelle afrikanische Weise feiern. In den Zuckerrohrplantagen war um Weihnachten Erntepause und etwas Freizeit. Deshalb findet noch heute dieses Fest um Weihnachten statt.

Die Parade nimmt an Fahrt auf. Die Tänzer und Musikanten geben ihr Bestes, den allzu schwer bepackten Kostümträgern rinnt der Schweiß von der Stirn, da geht ein Regenschauer nieder. Es beginnt mit harmlosem Sprühregen und die Akteure tanzen und spielen weiter. Aber dann folgt ein tüchtiger Squall mit Starkwind und heftigen Regenschauern. Die ersten Dekorationen landen im Strassengraben und Akteure und Publikum suchen Schutz. Das Fest hat auf seinem Höhepunkt um 3 Uhr in der Nacht ein jähes Ende erfahren. Hoffentlich lassen sich die aufwendig gearbeiteten Kostüme in der Neujahrsnacht noch einmal verwenden. Dann soll es eine Wiederholung des Festes geben.



Sonntag, 22. Dezember 2019

Christmas Winds in Nassau



Der Dezember ist in der Karibik bekannt für die sogenannten Christmas Winds. Das sind stärkere Winde, die oftmals um die Weihnachtstage wehen. Die erleben wir gerade in Nassau.

Der Wind bläst mit Böen bis zu 30 Knoten, das sind ca. 7 Windstärken. Begleitet wird das Ganze von heftigen Regenschauern. In den nächsten Tagen ist kaum Besserung in Sicht. Unsere Murada hängt an zwei Ankern. Das Dinghi ist hochgezogen, der Stöpsel zum Wasser abfließen entfernt. Auch bei den Seglern in unserer Nähe sieht es nicht anders aus. Keiner geht von Bord, der ein oder andere Anker slippt und muss neu ausgebracht werden.

Wir bauen das Sonnensegel ab, werfen ab und an einen Blick in die Runde, um uns zu vergewissern, dass sich alle Nachbarboote noch an gewohnter Stelle befinden. Dann ziehen wir uns wieder in unsere schwimmende Höhle zurück, erledigen allerlei Notwendiges und Wünschenswertes.

So hole ich die Nähmaschine aus den Tiefen der Backskiste. Unsere Fender sind optisch in einem erbärmlichen Zustand. Durch Sonneneinstrahlung in Kombination mit Salzwasser und Dreck hilft selbst Fenderreiniger nicht mehr. Jetzt erhalten sie einen neuen Stoffüberzug. Alfons ist mit Büroarbeit beschäftigt. Auch unterwegs gibt es da viel zu erledigen.

Und ja, besonders freuen wir uns über den ein oder anderen Weihnachtsbrief, der uns hier fernab der Heimat erreicht, danke dafür!

Wir wünschen allen Lesern unseres Blogs ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr mit Frieden für die Welt.

Mittwoch, 11. Dezember 2019

"Dwarslöper"





Die gemeine Strandkrabbe wird wegen ihrer seitlichen Fortbewegungsart auch "Dwarslöper" genannt. Im Plattdeutschen bedeutet es auch: Schipp, dat dwars to sien Kurs afdrifft. Wir legen die Strecke von Florida zur Insel Bimini/Bahamas wie ein Dwarslöper zurück.

Der Grund dafür ist der Golfstrom. Aus Süden kommend fließt er mit 2,5-3,5 Knoten Geschwindigkeit nordwärts. Hatte er uns im Frühjahr noch einen tüchtigen Lift auf dem Weg in den Norden beschert, kommt er uns nun entgegen. Bei allen Winden, die aus Norden wehen, entstehen dadurch, wie man hier sagt "Elefantenwellen".

Vor der Überfahrt ist es daher ratsam, auf das passende Wetterfenster zu achten. Bei einem zu segelnden Kurs von 150 Grad wäre Westwind die beste Wahl. Aber, wie so oft im Leben kann man sich nur wünschen, was es im Angebot gibt. Und da ist Ost und Südost zu haben. Wir entscheiden uns für den Ostwind.

Wir segeln gut damit, haben kaum Seegang und können die 80 Seemeilen über Grund hoch am Wind mit einem Schrick in der Schot schnell genug segeln, um den Golfstrom zu packen. In einer Vollmondnacht rauschen wir durchs Wasser. Mit 127 gesegelten Meilen  stehen wir am nächsten Morgen vor Bimini.

Vorsichtig tasten wir uns in die Einfahrt. Hier waren wir bei unserem letzten Besuch aufgelaufen. Inzwischen gibt es gar keine Einfahrtstonne mehr. Besser so, als die Tonne an falscher Stelle. Auch Hurrikan Dorian scheint hier nichts zerstört zu haben. Wir atmen aus, als wir in der Browns Marina sicher vertäut liegen. Der Blick ins Wasser und direkt bis zum Grund ist fantastisch. Die Begrüßung durch einen gefleckten Adlerrochen, der unter unserer Murada durchgleitet, könnte nicht besser sein.

Zum Einchecken springen wir auf unsere Fahrräder, upps Linksverkehr...wie gut, dass hier alle so entspannt sind. Das Einklarieren auf den Bahamas ist einfach und unkompliziert, eine neue Telefonkarte ist auch schnell besorgt und dann nichts wie hin zu Joe's Strandbude und zum ersten, frischen Conchsalat. Wir sind wieder in der Karibik angekommen.


Sonntag, 1. Dezember 2019

Thanksgiving und Weihnachtszauber





Thanksgiving ist einer der wichtigsten Feiertage der Vereinigten Staaten. Er findet am vierten Donnerstag im November statt. Mit dem Freitag als Brückentag wird er zum langen Wochenende. Die meisten Amerikaner nutzen Thanksgiving, um mit Familie und Freunden zusammen zu kommen und gemeinsam zu feiern.

In St. Augustine organisiert aus diesem Anlass der örtliche Segelverein ein Buffet für die Segler. Traditionell gibt es Truthahn; jeder Segler steuert in Form von Salat, Auflauf, Nachspeise ...etwas bei. Der Tisch ist reich gedeckt. Beim gemeinsamen Essen kommen wir schnell ins Gespräch. Am Ende werden Gitarre und Banjo ausgepackt. Bei "what shall we do with the drunken sailor" kann jeder mitsingen. Der Tag könnte nicht schöner sein. Die Sonne verbreitet eine lange vermisste Wärme.

Nach Thanksgiving beginnt die Vorweihnachtszeit. Die Amerikaner lieben es, ihre Häuser und ganze Straßenzüge weihnachtlich zu schmücken. Das koloniale spanische Erbe von St. Augustine mit seiner alten Bebauung bietet dazu die perfekte Kulisse. Am Freitagabend schieben sich Menschenmassen durch die Altstadt. In den Kneipen gibt es Livemusik. Gemeinsam mit unseren Segelfreunden lassen auch wir uns mit treiben.

Besser als der aufgesetzte Weihnachtstrubel gefällt uns der Farmers Market am darauf folgenden Samstag. Neben frischen regionalen Produkten gibt es Kunsthandwerk und Selbst Gemachtes. Eine 16 köpfige Musikgruppe spielt Country Musik. Die sympathische, authentische Gruppe von Menschen, die aus Freude an der Musik aufspielt, verbreitet eine fröhliche, heitere Stimmung. Jung und Alt sitzen zusammen, lauschen, plaudern, tanzen. Hier wird Amerika für uns lebendig und liebenswert.

Am Ende einer schönen Zeit in St. Augustine heißt es Abschied nehmen. Angelika und Dieter von SY Joanda unterbrechen ihre Reise für einen Deutschland Aufenthalt. Cathrin und Bernd von SY Tin Lizzie haben Kuba auf ihrem Reiseplan. Wir verlebten viele gemeinsame Stunden; neue Freundschaften sind entstanden. Auch für uns ein Grund Thanksgiving zu sagen.


Mittwoch, 27. November 2019

Florida erreicht!





Florida ist erreicht. Wir genießen angenehme Temperaturen und das schöne Städtchen St. Augustine. Damit liegt die längste Strecke an der US Amerikanischen Ostküste in unserem Kielwasser.

Auf der Strecke von Cap Hatteras bis hierher konnten wir uns zwischen dem Weg über den Atlantik und dem Binnenweg über den ICW entscheiden. Immer wieder gibt es Inlets, um ein und aus zu fahren.

Beim Weg über den Atlantik spielen Wind und Seegang die wichtigste Rolle. Außerdem die Frage, wie läuft die Strömung beim Auslaufen und beim Einlaufen im Inlet. Erst einmal auf See lohnt es sich gleich ein größeres Wegstück zurück zu legen. Eine Nachtfahrt bei kaltem Wetter ist aber kein Spaß. Bei der Entscheidung für den Binnenweg hingegen, dauert die gleiche Strecke deutlich länger. Es ist ein Abwägen zwischen Strömung, Tiefgang des Schiffes und Masthöhe. Haben wir mit dem Tiefgang keine Probleme, tritt beim Blick nach oben unter den feststehenden Brücken der Angstschweiß auf die Stirn. So kommt auf dem Weg in den Süden keine Langeweile auf.

Letztendlich entschieden wir uns bei gutem Segelwind für das Segeln auf dem Atlantik. Mal hatten wir entspannte Strecken, mal Strecken mit Seegang und überkommendem Wasser. Wenn der Wind nicht passte und es von den Bedingungen möglich war, fuhren wir den ICW. Hier kamen wir an schönen Häusern mit eigenem Bootsanleger vorbei. Der weitaus größere Teil der Strecken führte durch weite Waldgebiete. Silberreiher und andere Wasservögel begleiteten uns. Immer wieder freuten wir uns über Delphine, die sich besonders in den Inlets tummeln.

Floridas Sonnenküste empfing uns standesgemäß mit Sonne satt und 20-25 Grad Wärme. Wir haben die Hoffnung, dass Faserpelz, Ölzeug, Mütze und co der Vergangenheit angehören.


Samstag, 23. November 2019

Seglertreff in Charleston




 
Wenn wir auf unseren Reisen etwas vermissen, dann sind es Familie und Freunde. Um so mehr genießen wir es, gemeinsame Zeit mit anderen Seglern zu verbringen. Zur Zeit liegen wir in Charleston mit 3 Segelyachten vor Anker, die wir aus Deltaville kennen.

Auf Angelika und Dieter von SY Joanda hatten wir in Portsmouth gewartet und sind seitdem gemeinsam mit ihnen durch den ICW motort und von Southport hierher gesegelt. In Charleston stoßen Cerstin und Bernd mit ihrer SY Tin Lizzie dazu. Aufgehalten durch Reparaturen haben sie nun die Aufholjagd geschafft. Mit dem kalten Nordwind kamen sie durchgefroren hier an. Die Freude war groß, die beiden wieder zu sehen.

Tatsächlich waren die letzten Tage stürmisch, regnerisch und kühl. Drei Tage lagen wir hinter einer geschützten Insel vor Anker, bis wir uns wieder auf den Atlantik wagten. Umso mehr genießen wir den derzeitigen Südwind. Er beschert uns gerade angenehme Temperaturen und Sonne. Es fühlt sich an wie ein deutscher Segelsommer in der Ostsee.

Wir ankern geschützt vor der Stadt Charleston. Die Stadt, nach der "der Tanz Charleston" genannt ist, hat viel zu bieten. Sie glänzt mit prachtvollen Villen, Kirchen und Museen; eine prächtige Südstaaten Stadt, auch "Perle des Südens" genannt. Mit unseren Fahrrädern fahren wir durch schöne Strassen mit altem Baumbestand, vorbei an herbstlich geschmückten Villen, Restaurants, Cafés und Kneipen.

Zurück an Bord sitzen wir mit den Segelfreunden zusammen. Es gibt viel zu Erzählen und die weitere Route zu Planen. Mit dem nächsten Nordwind wollen wir weiter segeln. St. Augustine ist das nächste Ziel. Wieder 200 Seemeilen südlicher heißt auch wieder 2 Grad wärmere Temperaturen. Der Wettlauf in den Süden ist ein Widerstreit mit den Wetterbedingungen. Von Norden droht der Winter; von Süden die Gefahr eines Hurrikans. Aber bald sollten wir auf der Gewinnerseite sein. Ende November ist das offizielle Ende der Hurrikanzeit. Und in Florida hoffen wir unsere Kuchenbude endlich wieder gegen das Sonnensegel tauschen zu können.


Mittwoch, 30. Oktober 2019

Herbstfarben und Musik




Nach Geschichte pur in den letzten Tagen freuen wir uns auf die Blue Ridge Mountains. Schon vor unserer Heimreise nach Deutschland hatten wir hier 3 Tage Station gemacht mit dem festen Vorsatz noch einmal wieder zu kommen.

Die Blauen Berge sind ein Gebirgszug im Osten der USA und ein Teil der Appalachen. Der dazu gehörige Mount Mitchell ist mit einer Höhe von 2037m die höchste Erhebung, die meisten Bergkuppen liegen in einer Höhe von 800 bis 1.500m.

Durch die Mountains verläuft der Blue Ridge Parkway. Diese Strasse führt zu großen Teilen auf den Bergkämmen entlang und ist Teil des Nationalparks. Wir fahren durch herbstlichen Laubwald. Tief hängen die Äste über dem Parkway. Die Sonne blitzt zwischen den gelb bis weinrot gefärbten Blättern hervor und beleuchtet die Hänge. Immer wieder halten wir an, genießen die Aussicht, legen kleine Wanderungen ein. Mehrere Tage verbringen wir in den Bergen, saugen das Farbenspiel in uns auf. Die Temperaturen sind mit 10-15 Grad kühl. Für uns, seit 4 Jahren wärmeverwöhnte Warmduscher, ist das schon gewöhnungsbedürftig.

In dem alten Song von John Denver "Take Me Home, Country Roads" wird der Parkway besungen ....Almost Heaven, West Virginia, Blue Ridge Mountains .......erst mal im Ohr, begleitet er uns den ganzen Tag.

In Asheville finden wir eine sehr aktive Musikszene. Von Country, Folk, Jazz, Blues ...ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wir durchstreifen die Kneipen und haben das Glück auf eine tolle 6-köpfige Jazzband zu stoßen. Ein herrlicher Abend und Abschluss unserer USA Rundtour.

Zurück an Bord heißt es: Reise, Reise, mit den Zugvögeln in den Süden !


Montag, 21. Oktober 2019

Washington D.C.




Nahtlos lässt sich unser Geschichtskurs in Washington D.C. fortsetzen.

Das Washington Monument, ein 169m hoher Marmor Obelisk zu Ehren des 1. Präsidenten George Washington ist nicht zu übersehen. Wir radeln über die National Mall, vorbei am World War II Memorial, Lincoln Memorial und dem Vietnam Veterans Memorial. Das Weiße Haus ist großflächig abgeschottet. Aus sicherer Entfernung dürfen wir einen Blick darauf werfen.

Wir nehmen an einer Führung durchs Capitol (Tickets online reservieren) teil, besuchen die Library of Congress mit wunderbaren Deckengemälden und Wandvertäfelungen. Hier ist die Gutenberg Bibel beheimatet.

Den darauf folgenden Regentag nutzen wir zum Museumsbesuch. Die Auswahl fällt schwer. Es gibt 7 Museen auf der Mall und der Besuch ist kostenlos. Wir entscheiden uns für den Besuch des National Museum of African American History and Culture (großer Andrang, Tagesticket um 6:30 Uhr früh online buchen, schnell vergriffen). Trotz des Onlinetickets stehen wir im strömenden Regen noch eine halbe Stunde in der Warteschlange. Aber der Einsatz lohnt. Hier geht es um die Sklaverei, den Kampf um Gleichberechtigung, Gesellschaft und Kultur der Afroamerikaner früher und heute. In unseren Augen eine gelungene Aufarbeitung der noch nicht allzu fernen Vergangenheit.

Es bleibt uns noch Zeit für ein zweites Museum. Wir entschließen uns für das National Museum of American Indian. Das Gebäude aus gelbem Naturstein, die geschwungenen Formen, Wasser und Steine umgeben von viel Grün sprechen uns an. Drinnen finden wir in angenehm ruhiger Atmosphäre interessantes über die Kultur der Ureinwohner. Uns fehlt in diesem Museum die geschichtliche Aufarbeitung der Vergangenheit der verschiedenen Indianerstämme vor und nach der Eroberung des Kontinents durch die Neuen Siedler.

Erst am Ende unserer Rundreise im Cherokee Naturreservat in den Bergen werden wir ein Museum finden, das die Geschichte der Cherokee Indianer in würdiger Weise wiedergibt.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Auf den Spuren der Geschichte





Die Ostküste ist Amerikas geschichtsträchtige Seite. Hier gingen die ersten Entdecker an Land. Hier fand die Besiedelung der Kolonialmächte ihren Anfang. Wir nutzen die Hafenzeit, um die geschichtsträchtigen Orte vor der Haustür zu besuchen.

Die 3 Städte Jacksonville, Williamsburg und Yorktown bilden Virginias historisches Dreieck. Sie sind die Geburtsstätte der Vereinigten Staaten von Amerika.

In Jamestown betraten 1607 die ersten englischen Siedler das Land. Von Jamestown zogen die Siedler ins Landesinnere, in das spätere Williamsburg, von 1699 bis 1776 Hauptstadt der britischen Kolonie Virginias. Im nahen Yorktown errang Amerika die uneingeschränkte Unabhängigkeit von Großbritannien.

Das Williamsburg des 18. Jahrhunderts wurde umfangreich restauriert. Colonial Williamsburg ist heute das größte und umfangreichste Museumsdorf der USA mit über 100 Gebäuden, einem Capitol, Gärten und Grünanlagen. Darsteller in historischen Gewändern gehen den alten handwerklichen Arbeiten nach, geben Auskunft und machen Führungen.

Wir fahren mit den Fahrrädern auf den breit angelegten Wegen mit altem Baumbestand durch das Freilichtmuseum. Bei 20 Grad und Sonnenschein genießen wir den schönen Herbsttag, schauen in das ein und andere Handwerkerhäuschen.

In Yorktown besuchen wir das Museum. 1781 wurde hier der Friedensvertrag zwischen dem siegreichen Kommandeur der französisch-amerikanischen Truppen George Washington und dem unterlegenen General Cornwallis geschlossen. Damit war die koloniale Ära Großbritanniens beendet. So wurde das historische Dreieck zur Wiege der Vereinigten Staaten.

Noch zu seinen Lebzeiten wurde die Hauptstadt Washington D.C. nach George Washington benannt. Das soll unser nächstes Ziel sein.


Freitag, 18. Oktober 2019

...zurück an Bord





Anfang Oktober fliegen wir wieder in die USA. Unsere Segelyacht Murada liegt unversehrt auf ihrem Liegeplatz im Wasser. Die liebgewonnene Seglergemeinschaft ist größtenteils auch schon eingetroffen und wir genießen die Abende am Grill in netter Runde. Die Gespräche drehen sich um die anstehenden Arbeiten am Schiff, bei der SY Balou um den Verkauf desselben und die Ziele für die bevorstehende Segelsaison.

Relativ schnell haben wir uns an Bord wieder eingerichtet. Nach 2 Wochen segeln wir von Deltaville nach Portsmouth/Norfolk. Wir legen das Schiff in die Ocean Yacht Marina mit Blick auf Norfolks Hafenpromenade und den Intracoastal Waterway. Hier kommen täglich einige Segler auf dem Weg nach Süden vorbei. Wir wollen wegen der noch bestehenden Hurricangefahr bis November warten, bevor auch wir uns dem Zug in den Süden anschließen. Die Temperaturen sind mit 12-24 Grad noch angenehm, ähnlich dem Altweibersommer in Deutschland.

Bei einem Spaziergang durch Portsmouth finden wir ganz in unserer Nähe einen kompetenten Fahrradhändler. Mit dem Kauf von zwei Yacht-Falträdern geht ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Fortan erweitert sich unser Aktionsradius erheblich. Wir radeln durch das historische Portsmouth und sind bald ortsbekannt. Das Fahrradfahren steckt hier noch in den Kinderschuhen und immer wieder werden wir auf die Falträder angesprochen.

Bei einem Besuch des Chrysler Museums in Norfolk kommen wir mit einem amerikanisch-deutschen Ehepaar mit Braunschweiger Wurzeln ins Gespräch. Sie empfehlen uns das historische Williamsburg zu besichtigen.

Der Entschluss reift mit einem Auto die weitere Umgebung zu erkunden. Mit den Fahrrädern fahren wir zum 12 km entfernten Flughafen und packen sie in den Kofferraum. Fortan sind sie immer dabei.


Mittwoch, 11. September 2019

Guatemala bis USA 10/2018-07/2019


Ausklang und Resümee der Segelsaison 2018-2019

Eine erlebnisreiche Segelsaison liegt im Kielwasser unserer SY Murada. Unsere vierte Segelreise in der Karibik ist mit einem erheblichen Kultur- und Landschaftswechsel verbunden. Mit 3365 gesegelte Meilen in 10 Monaten (Oktober 2018 - Juli 2019) ist es unsere bisher längste Etappe in der Karibik.

Gestartet in Guatemala segeln wir entlang der Küsten Belizes, Mexikos und der USA. Auf den Bahamas besuchen wir Bimini, Eleuthera Island, New Providence und die Inselgruppe der Exumas.

Wir lassen uns vom Golfstrom mitnehmen und leben von dessen Fischreichtum.

Bei einer dreiwöchigen Landreise durch Guatemala sehen wir antike Städte, Vulkane, einen mystischen See, das üppige Hochland, Flüsse, Täler, Höhlen und eindrückliche Maya Stätten. Abseits der Touristenroute und auf eigene Faust erleben wir freundliche, hilfsbereite Menschen.

In Belize finden wir die intaktesten, formen- und farbenfreudigsten Riffe der Karibik. Das große Barriereriff und drei vorgelagerte Atolle bieten eindrucksvolle Schnorchel und Taucherlebnisse.

In 3 Tagen segeln wir von Mexiko zu den Inseln der Bahamas. Hier finden wir azurblaues Wasser über weißem Sand, traumhafte, teils unbewohnte Inseln in der Weite des Ozeans. Das Segeln in diesem Gebiet mit Sandbänken und Korallenköpfen ist mit dem Tiefgang unserer Murada von 1.90m eine Herausforderung, aber jede Mühe wert.

Nach den ruhigen Buchten der Bahamas fällt es zunächst schwer, sich auf die USA einzulassen. Riesengroß und voller Gegensätze stellt sich dieses Autoland für uns dar. Dass der Umweltschutz noch so weit in den Kinderschuhen steckt, macht fassungslos. Hinzu kommt, dass wir für die USA nicht das richtige Visum besitzen. Das bringt erhebliche Schwierigkeiten mit sich und erfordert eine neue Reiseplanung.

Erst in der landschaftlich wunderschön gelegenen Fishing Bay Marina in Deltaville freunden wir uns allmählich mit diesem riesigen Land und seinen Menschen an. Ein Besuch in den Blue Ridge Mountains mit Bäumen im XXL Format, einer überbordenden Vegetation und einem weiten Blick über Berge und Täler lassen uns die Naturwunder Amerikas erahnen. Mit dem Besuch New Yorks auf eigenem Kiel und dem Ankern unter der Freiheitsstatue mit Blick auf Manhattan geht ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung.

Unser Erlebnisspeicher ist übervoll. August und September verbringen wir in Cuxhaven. Familie und Freunde nehmen uns liebevoll auf. Hier kann das Erlebte ruhen und neu eingeordnet werden. Wir sind dankbar über die zurückliegende interessante Karibikrunde und genießen die Tage in der Heimat.

Donnerstag, 27. Juni 2019

"Segelhauptstadt" Annapolis




Auf unserem Rückweg von New York nach Deltaville machen wir noch einmal in Annapolis Station. Schon bei unserem letzten Besuch hatte uns die Segelszene begeistert. Der Anker fällt in der großen Bucht vor dem Hafenstädtchen.

Tagsüber streifen wir durch die traditionsreiche Stadt. Annapolis ist die Hauptstadt des Bundesstaates Maryland. Das Maryland State House liegt auf einer Anhöhe, umgeben von einem Altstadtviertel mit hübsch restaurierten Häuschen aus der Kolonialzeit. Die U.S. Naval Academy, die zweitälteste der 5 staatlichen Militärhochschulen hat in Annapolis ihren Sitz.



Zur Feierabendzeit machen wir es uns dann an Bord gemütlich. Aus den umliegenden Yachthäfen laufen zahlreiche kleine und größere Boote zum Freizeitsport/Training aus. Wir beobachten Ruderboote, Standup Paddler, Optis, 420er, 20 Fuß offene Kielboote und extrem viele Rennyachten, häufig mit einem J im schwarzen Segel. Ganz in unserer Nähe werden Regattatonnen ausgelegt. Im Minutentakt fallen die Startschüsse. Eine Segelgruppe nach der anderen kreuzt zur Luvtonne. Hochwertiges Segeltuch kommt zum Einsatz. Dann werden die ersten Spinnaker gezogen. Die bunten Segel leuchten in der Sonne.



Auf unserem Ankerplatz sitzen wir in der ersten Reihe. Fasziniert genießen wir das Schauspiel. Erinnerungen an unsere eigene Jollenzeit werden wach. Als Fahrtensegler warten wir inzwischen lieber auf das passende Wetterfenster. Hier an der amerikanischen Ostküste klappt das nicht immer. Der Wind bläst nicht mehr so beständig wie in der Karibik. Richtung und Stärke wechseln häufig und die Wettervorhersage von gestern muss heute nicht mehr zutreffen. So steht auch bei uns öfter ein Segelwechsel an, wir müssen auch mal wieder aufkreuzen und bei raumen Winden wird das bunte Tuch aus der Backskiste befreit. Leider kommt auch der Motor immer wieder zum Einsatz.

In den nächsten Tagen wollen wir in Deltaville sein. Es sind die letzten Segeltage der diesjährigen Saison. In der dortigen Fishing Bay Marina erwarten uns befreundete Segler. Wir freuen uns auf das Wiedersehen und die Geselligkeit. Einsam und wunderschön gelegen bietet die Marina einen tollen Service. Neben Aufenthaltsraum, sanitären Anlagen, Waschmaschine und Trockner gibt es einen Pool, einen Grillplatz mit Gasgrill, Fahrräder und ein Auto, das man für Einkäufe nutzen kann.

Unsere Murada hat nach der intensiven Nutzung der letzten Monate eine pflegende Hand mehr als verdient. Im August und September werden wir nach Cuxhaven kommen und das Schiff der Obhut der Marina überlassen.

Freitag, 21. Juni 2019

Info New York

- beim Einlaufen nach New York wird man über Funk von Custom/Border/Protection (CBP) angerufen...Daten bereit halten...wir wurden zusätzlich persönlich gecheckt....aber alles sehr nett und freundlich
- man darf 3 Tage im Bereich Freiheitsstatue ankern...wir haben westlich Liberty Island (Blick auf Liberty Statue) und nördlich Ellis Island (Blick auf Manhattan) geankert
- Boje im Hudson River (30US$ pro Nacht, 180US$ pro Woche) bei: 79th Street Boat Basin...zentral gelegen, Strassenlärm, Toilette, Duschen einfach, Waschmaschine, Trockner, Eismaschine kostenlos
- Wochenkarte für U.-bahn und Bus p.P. 32 US$

Donnerstag, 20. Juni 2019

New York, New York

Frühstücken unter der Freiheits Statue
Ankern mit Blick auf die nächtliche Skyline von Manhattan
Begrüßung mit Feuerwerk ... tschacka!






Wir haben Alfons Traum "New York auf dem eigenen Kiel" erreicht. Direkt bei der Freiheitsstatue fällt der Anker. Ein opulentes Frühstück zum Ankommen schmeckt prima. Die erste Nacht bleiben wir auf dem Ankerplatz mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Ein Feuerwerk scheint uns willkommen zu heißen.

Danach fahren wir mit der Strömung in den Hudson River bis zur 79. Strasse. Wir hängen unsere Murada an eine Boje der dortigen Stadtmarina. Zentral gelegen auf Höhe des Central Parks mit einem kurzen Fußweg zur U.-bahn Station fahren wir täglich zu den angesagten Sehenswürdigkeiten: Times Square, 9/11 Memorial, Central Garden, High Line Park, Top of the Rocks, Brooklyn, um nur einige zu nennen.

Als Highlight besuchen wir das Musical "Chicago". Mit 22 Jahren Spielzeit ist es das älteste Musical am Broadway in einem herrlichen alten Theatergebäude. Ute Lempert gehörte lange Zeit zum Ensemble. Das ausverkaufte Stück begeistert uns mit mitreißenden Musik- und Tanzeinlagen.


Mittwoch, 12. Juni 2019

New York...auf der Zielgeraden




Unser erklärtes Ziel, New York auf dem eigenen Kiel zu erreichen, stellt doch noch einmal unser Durchhaltevermögen unter Beweis.

Zunächst kleckert die Einspritzpumpe des Motors. Wir lassen den passenden Wind, der uns eine schnelle Reise nach Norden beschert hätte, durchziehen. Alfons baut die alte Einspritzpumpe aus und die überholte Ersatzpumpe ein. Schon nach einem Tag läuft die Maschine. Chapeau! ...oder wie eine Seglerin meint: "Gut der Mann".

Dann wird es sportlich. Wir segeln hoch am Wind in dem breiten Mündungstrichter der Chesapeake Bay. Zahlreiche Flüsse fließen hier zusammen auf dem Weg in den Atlantik. Ein Segelgebiet zum Herumtreiben mit zahlreichen Ankerplätzen für jede Windrichtung. Das geschützte Revier wimmelt von großen und kleinen Seglern. Neben älteren Schiffen ziehen Rennziegen mit schwarzen Hightechsegeln an uns vorbei. Städte wie Washington, Baltimore und Annapolis locken flussaufwärts. Mitten im quirligen Hafen von Annapolis finden wir noch Platz an einer Boje. Nach den ruhigen Ankernächten mitten in der Natur freuen wir uns auf die Abwechslung und schlendern durch den Ort mit zahlreichen Bars und Restaurants mit Live Musik.

Das Wetter ist zur Zeit kühl und unbeständig. Es fehlt das wärmende Element des Golfstroms. Der ist bei Cap Hatteras rechts abgebogen in Richtung Europa. Für uns fühlt es sich an wie ein normaler Ostsee Sommer. Auch in den nächsten Tagen ist kräftiger Wind angesagt. Es hilft nichts, die warmen Sachen werden aus den Tiefen der Bilge gekramt, die Segelgarderobe nach 4 Jahren erstmalig wieder genutzt.

Am oberen Ende der Chesapeake Bay fahren wir durch den CD Kanal, der die beiden großen Buchten Chesapeake Bay und Delaware Bay miteinander verbindet. Mit der kräftigen Unterstützung des Gezeitenstroms (+3,5kn) und des Rückenwindes (30kn) surfen wir mit gerefften Segeln die Delaware Bay hinunter. Bei Cape May finden wir einen geschützten Ankerplatz vor dem zunehmenden böigen Wind und nutzen die Starkwindphase, um den Ort zu erkunden.

Die Stadt Cape May wurde 1620 von dem holländischen Kapitän Cornelius Jacobsen Mey gegründet und ist damit eine der ältesten Siedlungen europäischer Siedler an der Ostküste der USA. Bereits seit dem 18. Jahrhundert machte sich Cape May unter wohlhabenden Bürgern von New York und Philadelphia einen Namen als attraktive Sommerfrische. Die damals gebauten Villen wurden erhalten und sind neben den hervorragenden Stränden die Hauptattraktion des Ortes. Es ist eine Freude durch die Gassen mit altem Baumbestand an den schönen alten Häusern mit gepflegten Vorgärten vorbei zu bummeln.


Und dann ist es nicht mehr weit. Noch 125 Seemeilen und eine Nachtfahrt trennen uns von unserem Zielpunkt. New York, wir kommen !


Dienstag, 28. Mai 2019

ICW - Intracoastal Waterway


 
Auf dem Weg von Beaufort nach Norfolk nutzen wir erstmalig den Intracoastal Waterway.

Der Wasserweg verläuft durch eine einzigartige Landschaft. Mehrere Flüsse münden trichterförmig in Buchten und Sunden. Der Flut ausgesetzt geht Salzwasser in Brackwasser über. Die Flussmündungen werden durch die vorgelagerte Inselkette, die Outer Banks, eine Reihe niedriger und sandiger Inseln, vom Atlantik getrennt. Hier befinden sich die Naturschutzgebiete Cape Hatteras National Seashore und National Wildlife Refuge. Am Ufer der Sunde liegen mehrere Nistgebiete für Wasservögel.

Auf der Wasserstrasse liegen viele unbewegliche Brücken von 64/65 Fuß (19.80m) und einige bewegliche Brücken; Drehbrücken, Klappbrücken und Hubbrücken. Über Kanal 13 funken wir diese an und können meistens sofort oder nach kurzer Wartezeit passieren. Nur die Eisenbahnbrücke vor Norfolk ist defekt. Die Reparatur dauert einige Stunden. Eine Schleuse, die, wegen ihres geringen Hubes kaum ihren Namen verdient, liegt auf dem Weg durch den "Virginia Cut".

Unsere Bedenken, ob die Durchfahrtshöhe der unbeweglichen Brücken für unsere Murada ausreichen wird, erweisen sich allesamt als unbegründet. Mit unserer Masthöhe von 60 Fuß haben wir keine Probleme. Fährt uns beim Durchqueren der ersten Brücke beim Blick nach oben noch der Schreck in die Glieder, vermeiden wir fortan den Kontrollblick. Auch die Wassertiefe auf dem Intracoastel liegt nie unter 2.50m. Im Gegenteil...nach der anfänglichen Vorsicht rollen wir schon bald die Segel aus. Uns hat es immer schon Spaß gemacht in engen Fahrwassern zu segeln. Wo immer der Wind uns hilft, nutzen wir ihn. Der ICW ist gut betonnt. Wir segeln durch Flüsse und Kanäle, über Buchten und Sunde. Die Strecke ist abwechslungsreich, jede Wegbiegung bietet neue Ausblicke.

Segeln wir zu Anfang noch an Häusern mit Wassergrundstück vorbei, wird es bald immer einsamer. Es begleitet uns Vogelgezwitscher, wir sehen Fischadler, Silberreiher, Kormorane und Möwen; einmal schwimmt ein Reh vor unserem Schiff zur anderen Uferseite. Am Abend suchen wir uns einen Ankerplatz am Rand des Wasserwegs.

Am Ausgang des ICW's im Elizabeth River liegen die Städte Portsmouth und Norfolk. Wir machen fest im Old Town Dock von Portsmouth, schlendern durch die geschichtsträchtigen Gassen und fahren mit der Fähre zur gegenüberliegenden "Waterside" von Norfolk. Dort liegt im Maritimen Museumshafen die "Wisconsin", ein Schlachtschiff der US Navy. In Norfolk befindet sich die größte Marinebasis der US-Marine.

Unser Fazit: wir würden dieses Stück Intracoastal Waterway immer wieder wählen. Der Weg ist eine willkommene Abwechslung zum Durchsegeln auf See. Er erfordert aufmerksames Segeln und bietet geschütztes Vorankommen ohne Seegang mit vielen Ankermöglichkeiten inmitten eines einzigartigen Landschafts- und Naturschutzgebietes.


Mittwoch, 22. Mai 2019

Segelzeit...von Florida nach North Carolina




Das Wetter passt. 3 Tage und Nächte Segelzeit liegen vor uns. Der Eintopf für den ersten Tag ist vorbereitet, am und im Schiff alles festgezurrt. Die Brücke von St. Augustine wird für uns geöffnet und wir motoren durch das "Inlet" ( strömungsaktive Ein/Ausfahrt ) von St. Augustine in den Atlantik. Im tiefen Wasser setzen wir die Segel. Es weht ein leichter Wind bei wenig Welle, für unsere Murada ideale Bedingungen. Die Angel rauscht aus und zieht einen neonfarbenen Köder hinter sich her. Wir segeln nach Nordosten auf dem Weg in den Golfstrom. Schon nach 4 Stunden beißt ein Thuna an. Inzwischen haben wir schon einige Übung und nach kurzer Zeit ist der Fisch filettiert. Seit Mexiko ernähren wir uns hauptsächlich von selbstgefangenem Thunfisch und Mahi Mahi. Dem Golfstrom sei Dank.

Wir freuen uns dann auch über eine Geschwindigkeit von 8 Knoten über Grund. Trotz des leichten Windes und einer Fahrtgeschwindigkeit von 5 Knoten kommen wir gut voran. 3 bis 3,5 Knoten werden uns vom Golfstrom geschenkt. Es fühlt sich an wie Rasen in Schleichfahrt. Das Meer ist glattgebügelt, Strom und Wind zeigen in die selbe Richtung, nach Norden. Wir erleben schöne Sonnenauf- und untergänge. Der Vollmond lässt die Nacht vergessen. Am Morgen des dritten Tages auf See liegt Cape Hatteras nordöstlich voraus. Wir fahren in die lange, gut betonnte Einfahrt von Beaufort, südwestlich des Capes... Schlaf wird nachgeholt, der Ort erkundet, die nächste Wegstrecke vorbereitet.

Cape Hatteras ist für schweren Seegang bekannt. Die weit in den Atlantik ragende Landspitze ist der am weitesten südöstlich gelegene Punkt der USA im Bundesstaat North Carolina. Zwei der atlantischen Hauptströmungen, der in südliche Richtung fließende kalte Labradorstrom und der nach Norden strebende warme Golfstrom treffen sich vor Cape Hatteras, wodurch das Gewässer vor der Landzunge meist rau ist. Viele Schiffe gingen in den Jahrhunderten vor der Küste verloren, weshalb die Gegend "Friedhof des Atlantiks" genannt wird.

Wir haben uns für die Fahrt auf dem Intracoastal Waterweg entschieden. Dieser Wasserweg führt westlich des Caps binnenbords auf Kanälen, Flüssen durch Sunde nach Norden. Die Fahrt auf dem Intracoastel wird nicht weniger spannend. Der Wasserweg soll gut betonnt sein; aber immer wieder wird vor flachen Stellen gewarnt. Wir bewegen uns im Tidengewässer mit Strömungen und Sänden. Zahlreiche Brücken liegen auf dem Weg. Bewegliche und feststehende, Autobahn- und Eisenbahnbrücken. Wir hoffen auf den 180 Meilen immer wieder segeln zu können und freuen uns auf eine abwechslungsreiche Fahrt.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Florida...St. Augustine


 
St. Augustine ist die älteste dauerhafte europäische Siedlung in den USA. Sie wurde 1565 von den Spaniern gegründet.

Schon bei der Anfahrt auf unseren vorbestellten Platz an einer Boje macht St. Augustine einen netten Eindruck: Kirchtürme, prächtige Häuser, eine Festung, eine Klappbrücke mit 4 Türmen und ein Leuchtturm, der aussieht wie eine Zuckerstange.

Bei unserem Spaziergang durch die Stadt sind wir dann auch begeistert. Tritt man durch das City Gate, taucht man ein in den alten spanischen Stadtteil mit ca. 50 restaurierten Häusern und Gassen mit Kopfsteinpflaster. Die heutige Fußgängerzone beherbergt zahlreiche Läden, Bars und Restaurants. Am Abend bummeln wir durch die beleuchteten Gassen, überall gibt es Live Musik.

Nicht weit entfernt vom historischen spanischen Viertel stehen 3 prächtige burgähnliche Gebäudekomplexe. Hier treffen wir wieder auf den Namen Henry Flagler. Um 1900 war St. Augustine ein Nobel Erholungsort. Henry Flagler (1830-1913), als Partner von John D. Rockefeller im Ölgeschäft reich geworden, spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Region zum Urlaubsort. Bei den prächtigen Gebäuden handelt es sich um die ehemals luxuriösen Flagler-Hotels. Heute sind darin das Rathaus, das Lightner Museum und das Flagler College untergebracht.

Bei unseren abendlichen Spaziergängen blinkt der Leuchtturm, der aussieht wie eine Zuckerstange. Schon die Spanier hatten an gleicher Stelle einen hölzernen Leuchtturm erbaut. Auf dem Weg über die Brücke des Matanzas River bis zum Leuchtturm erreiche ich mein Ziel von über 10.000 Schritten. Der Turm mit seinen Gebäuden wird liebevoll umhegt und gepflegt von zahlreichen Ehrenamtlichen. Da wird ein Gemüsegarten angelegt, die alte Handwerkskunst des Bootsbaus praktiziert, Antikes restauriert. Gerne wird Auskunft erteilt und die Geschichte des Leuchtturms vermittelt. Ich erklimme die 219 Stufen und genieße einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung von St. Augustine, die Wasserwege, den Intracoastal Waterway und das Meer.

Morgen segeln wir weiter. Der Wind steht günstig. In 3 Tagen und 3 Nächten wollen wir in Beaufort, südlich Cap Hatteras sein. Wir wollen den Golfstrom nutzen und unterwegs die Angel auswerfen.


Freitag, 3. Mai 2019

Florida...Enkel an Bord




Unser 2jähriger Enkel mit Mama und Papa kommt zu Besuch an Bord. Dazu mieten wir uns in der Riviera Beach Marina ein. Wenn unsere Kinder sich schon auf das beengte Leben an Bord einlassen, sollen sie wenigstens die Annehmlichkeiten einer Marina nutzen können. Wir mieten einen Wagen und haben somit alle Möglichkeiten den Sunshine State Florida kennenzulernen.

Wir erkunden die nähere und weitere Umgebung. Wir fahren nach Palm Beach; vorbei an prächtigen Villen hinter akkurat geschnittenen Hecken. Auf den breiten Boulevards bestimmen Sportwagen in Luxusausführung das Strassenbild. Zum Parken wird der Wagen abgegeben. Hier steht die ehemalige Villa Henry Flaglers. Wir schlendern durch gepflegte Gartenanlagen, die sich gerne mit Kunst paaren. Der Snobismus treibt Blüten. Wir sehen ein Schwein, das an der Leine ausgeführt wird.

In Miami Beach finden wir tatsächlich einen Parkplatz an der angesagten Uferpromenade. Die atemberaubende Mischung aus einem funkelnden Strand, schönen Art Deco Gebäuden und brummenden Bars sprüht vor Lebensfreude. Wir sind begeistert von der Strassenmalerei in Miami Wynwood und erinnern uns im Stadtteil "Klein Havanna" an unsere Zeit in Kuba.

Fort Lauderdale begeistert mit seinem langen Sandstrand und den ins Landesinnere führenden Wasserwegen. Entlang des Flusses "New River" schlängelt sich der parkähnlich angelegte "Riverwalk". Hier mieten wir uns einen Elektroroller. Auf ebener Wegstrecke und ohne Strassenverkehr ein tolles Spaßgerät.
 
Im Kennedy Space Center zögert unser Enkel, durch die enge Röhre der Weltraumstation zu krabbeln. Erst als Opa und Papa vorweg krabbeln ist die anfängliche Vorsicht vergessen. Und dann gibt es kein Halten mehr. Immer wieder und wieder wird dieses Spiel wiederholt. Oma und Opa bleiben in der Nähe. Mama und Papa können sich entspannt die Ausstellung ansehen.

Auf unseren Ausflügen finden wir auf den zahlreichen Picknick Grounds immer wieder einen Spielplatz. In der Marina kühlen wir uns ab im Springbrunnenpool oder fahren mit dem Beiboot zur vorgelagerten Peanut Island.

Viel zu schnell vergehen die gemeinsamen Tage. Glücklich über das Erlebte, aber auch ein wenig wehmütig, müssen wir uns von unseren Lieben verabschieden.

Und auch für uns geht es weiter. In einer Nachtfahrt segeln wir nach St. Augustine.

Donnerstag, 18. April 2019

Florida...auf zu den Keys und nach Key West

 
Key West lockt mit Superlativen: ...dem südlichste Punkt Floridas und der USA...der angeblich schönsten Strasse der Welt...der 7 Miles Bridge...113 Inseln und Inselchen verbunden mit einem Overseas Highway.

Wir mieten uns einen Wagen und fahren Richtung Süden. Vorbei an der Silhouette von Miami folgen wir der 5 bis 7 spurigen Autobahn Nr. 95. Obwohl nur eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometer erlaubt ist, sehen wir einige Auffahrunfälle. Hier darf man rechts überholen und die sich ein- und ausfädelnden Bezahlspuren machen den Verkehr nicht unbedingt sicherer.

Erst einmal bei den Keys (Inseln) angekommen, wird die Fahrt gemütlicher und schöner. Auf Key Largo, der ersten und längsten Insel legen wir einen Stopp ein. Wir suchen die "African Queen". Den gleichnamigen Film mit Humphrey Bogart und Katherine Hepburn sehen wir immer wieder gerne. Im Kanal bei Mile Maker 100 soll das Schiff liegen. Erst als wir fast davor stehen, entdecken wir das kleine Dampfschiff. Es wurde liebevoll restauriert und wird heute zu Gästefahrten eingesetzt. 



Auf den Upper Keys, den ersten größeren Inseln, erhaschen wir zwischen den Mangroven und der Bebauung immer wieder kurze Blicke auf das Meer. Richtig schön wird es dann ab den Lower Keys. Eine Brücke reiht sich an die nächste, der Blick schweift aufs türkisfarbene Wasser. Kleine Mangroveninseln, feinste Sandstrände, Sandbänke und gekennzeichnete Wasserwege liegen rechts und links unseres Highways. Durch Ebbe und Flut laufen heftige Strömungen. Langgestreckte Wattgebiete und bei Ebbe freiliegende Sandinseln erinnern an unser Heimatrevier. Allein die verschiedenen Blautöne des Wassers sind konkurrenzlos. Auch die angenehmen Temperaturen sind einfach nicht zu toppen.

Die Seven Mile Bridge begeistert uns dann mit einem herrlichen Ausblick auf die weiten Wasserflächen. Aber auch die Baukunst, in diesem strömungsaktiven Wasser eine so lange Brücke ( auch wenn sie nur! 6,79 Meilen = 10, 95 km lang ist ) zu bauen, findet unsere Anerkennung.

Wir wollen der Natur näher kommen. Bei Meile Maker 37 fahren wir in den Bahia Honda State Park. Wir kühlen uns ab am langen, weißen Sandspur beach Naturstrand. Ganz in der Nähe steht noch ein Stück der alten Eisenbahnbrücke. Sie wird gerade restauriert und wir können darauf entlang laufen. 


Dann ist es nicht mehr weit bis Key West. Hier beginnt und endet der Highway Nr. 1. Wir checken ein in unserem Hotel und genießen den Sonnenuntergang am legendären Mallory Square. Die Strandpromenade von Key West bietet allabendlich ein Spektakel. Gaukler, Musiker und manch Selbstdarsteller geben ihr Bestes. Wir schauen und genießen diesen herrlich lauen und bunt schillernden Abend in vollen Zügen, bevor wir erschöpft von all den Eindrücken ins Bett fallen. 


Der nächste Tag gehört dann ganz Key West. Hier liegt der südlichste Punkt der USA auf dem Festland. Eine große bemalte Boje markiert diesen Punkt. 


Wir klettern auf den alten Leuchtturm. Er wurde 1847 erbaut und ersetzte einen vom Hurrikan zerstörten hölzernen Leuchtturm am Whitehead Point. Wir erklimmen die 88 Stufen und lassen den Blick über dieses Ende der Welt schweifen. 


Gleich gegenüber liegt das Anwesen von Ernest Hemingway, in dem er von 1931 bis 1940 wohnte. Angeblich wurde Hemingway hier zu seinem Werk " Der alte Mann und das Meer " inspiriert.

Wir besuchen das Art und History Museum. Hier erfahren wir mehr über Henry Morrison Flaglers für die damalige Zeit unvorstellbares Projekt des Baus einer Eisenbahnlinie über die Inseln bis nach Key West. 1912 fuhr der erste Zug nach Key West. Mehrmalig zerstört durch Hurrikans wurde auf den Schienen die spätere Strasse gebaut.

Bei unserem Bummel kreuz und quer durch die Gassen von Key West können wir uns nicht satt sehen an den pastellfarbenen Holzhäusern aus viktorianischer Zeit. Mit weiß abgesetzte Fenster und Türrahmen, Fensterläden und oft eine Veranda bilden einen prächtigen Rahmen für die zarten Farbtöne der Häuser.


Unser Fazit: Die Keys sind eine Reise wert. Es lohnt sich länger zu bleiben. Schöne Nationalparks laden zum Baden, Campen, Wandern, Kajak fahren, Tauchen und Angeln ein. Es gibt vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Die Natur ist allgegenwärtig. Der weite Ozean mit den Gezeiten bietet ein beeindruckendes Schauspiel.


Donnerstag, 11. April 2019

USA/Florida...Vollgas voraus

...Ankommen mit Raketenstart... 


Unser Sohn Lasse mit seiner Begeisterung hat uns angesteckt. Wir mieten uns ein Auto und fahren zum Kennedy Space Center, dem Besucher Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral. Hier tauchen wir ein in die Geschichte der amerikanischen Raumfahrt.

1969 hatten wir im Fernsehen miterlebt, wie der erste Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte. Die Worte von Neil Armstrong: „ Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit." sind unvergessen und uns noch eindrücklich in Erinnerung.

Der amerikanische Traum ... „alles ist möglich, wenn man nur daran glaubt" ...ist hier gelebte Geschichte.

Wir erfahren mehr über die Generationen von Mercury, Gemini, Apollo und Space Shuttles. Wir klettern durch Modelle der internationalen Weltraumstation ISS, dem größten und kompliziertesten Raumfahrzeug, das je gebaut wurde.

Heute liegt das Raketenprogramn in privater Hand. Das Unternehmen von Elon Musk plant dieser Tage den Transport eines Kommunikationssatelliten ins Weltall. Dreimal wurde der Start schon verschoben. Ab heute läuft der Countdown.

Das möchten wir mit erleben. Wir entscheiden uns, einen weiteren Tag in der Gegend zu bleiben.

Am Rand des Kennedy Space Center liegt eines der artenreichsten US-Naturschutzgebiete. Die unberührte Wildnis des Reservats umfasst Salzwassermarschen, Flussmündungen, dicht bewaldete Bauminseln, niedrige Kiefernwälder, Buschland und Küstendünen mit langen Sandstränden. Hier liegt auch "Playalinda", nur 2km nördlich der Abschussrampe. Von hier aus können wir die Raketen sehen. Hier verbringen den Tag, spazieren am langen Sandstrand.

Wir sind nicht alleine. Auf den Übergängen der Küstendünen wird bereits ab Mittag mit Tele u Stativ an den besten Plätzen angesessen.

Gegen Abend rückt die Fangemeinde zusammen, tauscht sich aus. Der Raketenstart wird zum Event. Das Startfenster liegt zwischen 6:30 und 8:30 pm. Gespannte Erwartung liegt in der Luft.

Die Sonne verliert allmählich ihre Kraft, taucht das Meer, den Strand und den dicht begrünten Dünenstreifen in goldenes Abendlicht. Über uns schweben Adler, Pelikane und Reiher.

Dann kommt die große Enttäuschung. Der Raketenstart wird um einen weiteren Tag verschoben. Wir wollen es zunächst gar nicht wahr haben. Aber alle um uns herum brechen auf. Auch wir machen uns auf den Rückweg nach Riviera Beach zu unserer Murada.

Am nächsten Tag sitzen wir gespannt am Bildschirm. Fasziniert beobachten wir jetzt den Start. Die eigentliche Sensation der Mission liegt darin, die 3 recyclingfähigen Antriebsstufen der Raketen auf die Erde zurück zu bringen.

Es wirkt so unfassbar. Die 2 seitlichen Trägerraketen landen tatsächlich punktgenau auf ihrem Startplatz. Die zentrale Stufe landet auf einer schwimmenden Plattform 900 km vor der Küste. Dieser "Raketendreier" funktionierte erstmals.

Im Teeniealter erlebten wir, wie der erste Mensch auf dem Mond landete. Was erwartet wohl unsere Enkel, wenn sie in unserem Alter sind?




Dienstag, 2. April 2019

Florida...im Westen geht die Sonne auf

Den letzten Tag auf den Bahamas verbringen wir vor Bimini. Wir nutzen den windstillen Tag zum Baden und Ausruhen. Kurz nach Mitternacht starten wir unsere Überfahrt nach Florida. Es ist ein leichter Wind aus SE vorhergesagt. Für die 72 Seemeilen nach West Palm Beach/Florida ideale Voraussetzungen. Wind und Golfstrom setzen in die selbe Richtung.

Die Nacht ist sternenklar aber dunkel. Es gibt keinen Mond. Nur im Westen ist der Horizont hell erleuchtet. Es scheint, als wollte die Sonne dort aufgehen. Miami lässt grüßen.

Auf La Palma/Kanarische Inseln hätte man das Lichtverschmutzung genannt. Dort gibt es mehrere Sternwarten und die Beleuchtung muss in der Nacht ausgeschaltet oder gedimmt werden. Die USA wirft ihre Schatten sprich Lichter voraus. Noch bin ich sehr skeptisch, ob mir dieses Land gefallen wird.

Um 5 Uhr am Morgen geht der Mond im Osten auf. Wie eine goldene Sichel erhebt er sich aus dem ansonsten pechschwarzen Himmel hinter uns. Dort, in unserem Kielwasser liegen die Bahamas, diese zahlreichen kleinen und größeren Inseln und Inselgruppen mitten im Atlantik. In vergangenen Zeiten dienten sie Piraten als Unterschlupf. Wir nehmen uns vor mit unserer Murada noch einmal wieder zu kommen. Es gibt hier noch viel zu Entdecken.

Es wird dann ein wunderbarer Segeltag. Mit halbem Wind und bis zu 2 Knoten Golfstrom Unterstützung britzelt unsere Murada durchs glitzernde Wasser. Voraus erheben sich Hochhäuser am Horizont, im Minutentakt starten und landen in Miami die Flugzeuge. Das letzte Stück müssen wir motoren. Der Wind ist eingeschlafen.

Wir fahren durch die betonnte Einfahrt nach West Palm Beach. Mein erster Eindruck: voll ist es hier. Während wir uns in die Durchfahrt mit quersetzendem Strom und Tonnen, die wie Magneten wirken, vortasten, rasen um uns herum Speedboote in allen Größen sich gegenseitig überholend durch den Kanal. Der Platz zum Ankern für unseren Tiefgang ist begrenzt. Wir atmen auf, als der Anker sitzt und wir noch Platz zum Schwoien haben. In unmittelbarer Nähe säumen prächtige Villen das Ufer. Megayachten fahren an uns vorbei. Wir sitzen im Cockpit und lassen das geschäftige Treiben auf uns wirken.

Donnerstag, 28. März 2019

Exumas/Bahamas...Karibikfeeling




Die Exumas sind eine Inselgruppe der Bahamas. Über 360 größtenteils unbewohnte Inseln sind mit ihren feinen Sandstränden, dem türkisfarbenen, klaren Wasser, vorgelagerten Riffen und Höhlen das, was man sich unter Karbik vorstellt. Die Inseln liegen aufgereiht wie an einer Perlenschnur südlich von Nassau. Mit dem Tiefgang unserer Murada müssen wir uns sehr an das Fahrwasser und die wenigen, teils sehr schmalen Durchfahrten halten. Kreuzfahrtschiffe sieht man hier keine. Diese Trauminseln kann man nur mit dem Inselflieger oder mit der Yacht erreichen. Sich dessen sehr bewußt, hat sich unser Sohn Lasse dieses Sahnestückchen für einen Besuch bei uns an Bord ausgesucht. Wir verleben gemeinsam wunderbare Segeltage.

Hier gibt es eine Insel (Shroud Cay) bestehend aus Mangroven und kleinen Sandstränden. Bei Hochwasser fahren wir mit dem Beiboot durch die Mangroven auf die andere Inselseite.

Hier besitzt Jonny Depp eine Insel (Little Halls Pond Cay). Wir ankern vor seinem Privatstrand. In der Nähe liegt ein Flugzeugwrack auf 6m Tiefe. Das Wasser ist so klar, dass man das Wrack schon von oben liegen sieht. Da lohnt es nicht, die Tauchflaschen auszupacken. Wir schnorcheln hinunter. Im nahen "Aquarium", das seinem Namen alle Ehre macht, entdecken wir Kugelfische, Papagaienfische, Kofferfische, Großaugenbarsche, Schnapper und die leuchtenden Kaiserfische.


Hier gibt es einen Ort, der Black Point heißt, aber eigentlich Blue Point heißen müsste. Der Anker gräbt sich in weißen Sand; das Wasser blendet türkis bis in die Saling des Schiffes. Beim Anlegesteg für das Beiboot warten Ammenhaie und Rochen auf die Reste des Fischfangs. In dem sympathischen, nicht touristischen Ort ist der Rumpunsch noch bezahlbar und es gibt das beste Kokosbrot der Exumas. Eine alte Dame backt es täglich frisch in ihrer Küche. Noch heiß schafft es das Brot nicht, unversehrt an Bord anzukommen.


Hier gibt es einen Strand, an dem man mit Schweinen schwimmen kann (Big Majors Spot). Während unseres Aufenthalts füttert Lasse allabendlich die Schweine mit unseren Bio Resten. Ganz in der Nähe lockt die Thunderball Grotte aus dem gleichnamigen James Bond Film. Sie ist wirklich beeindruckend. Bei Hochwasser sind die Eingänge überflutet und man kann nur tauchend ins Innere gelangen. Wir schwimmen gemeinsam mit den farbenfrohen karibischen Fischen und einem Ammenhai durch die Grotte.

Hier fahren wir mit dem Beiboot zum nahen Sandstrand und verbringen einen gemütlichen Nachmittag mit Beate und Reiner von SY Balou mit Rumpunsch und frisch Gegrilltem. Am Abend verabschiedet sich der Tag mit einem rot glühenden Sonnenuntergang.


Die Tage vergehen wie im Flug. In Staniel Cay steigt Lasse in den Inselhopper nach Nassau, um weiter nach Florida zu fliegen. Mit unserer Murada werden wir für die gleiche Strecke etwas länger benötigen.