Donnerstag, 26. November 2015

Die Kap Verden







Heute einige Infos zu den Kap Verden, der noch unbekanntesten Inselgruppe des Mittelatlantiks. Wie die Kanaren ist auch sie vulkanischen Ursprungs und teilt sich nach ihrer Lage im dominierenden NO Passatwind in eine nördliche und eine südliche Inselgruppe. Wir besuchen die Inseln des Barlovento, die Inseln über dem Wind.

Wie bereits berichtet, segelten wir zunächst zur Sand- und Wüsteninsel Sal. Eine Woche ankerten wir in Palmeira auf Sal, fuhren mit den preiswerten Sammeltaxis über die Insel, besuchten Espargos, den Ort mitten in der Sandwüste, Santa Maria, den touristischen Süden und Pedra Lume. In Pedra Lume wurde von 1922-1984 Salz abgebaut. Unter  der Meeresoberfläche fließt das Meerwasser durch einen Tunnel und natürliche Kanäle in einen Kratersee, die caldeira, den Boden eines Vulkankraters. Heute touristisch erschlossen, badeten wir in der Salzsole.

Am Ende der  Woche  veränderte sich das Wetter. Die Sonne schien nur noch fahl am Himmel. Calima, der Sandwind aus Afrika,  überzog die Insel mit feinem Sandstaub. Wir segelten in einem Tagestörn gen Süden zur Insel Boavista. Hier erwarteten uns weite, einsame Dünen und kilometerlange feine Sandstrände. Wir wunderten uns nicht, als uns auch hier der Wüstenwind sandig entgegen blies. Zwei Tage erkundeten wir die nähere Umgebung. Dann segelten wir in einem Nachttörn zur 90sm entfernten Insel Sao Nicolau.

Und das ist die Insel, in die wir uns ein bisschen verliebten. Touristisch noch im Dornröschenschlaf und kaum besiedelt trafen wir auf ein kleines Juwel. Die Liebe hat  viel mit Henny Kusters, dem TO Stützpunktleiter, zu tun. Ein 82 Jahre alter Mann, der sich vor 18 Jahren nach seinen Weltumsegelungen hier niederließ und seitdem sein Wissen und Kapital einsetzt, um jungen Männern der Insel die hohe Schule der Kochkunst beizubringen. Er erzählte uns eine ganze Menge über seine Insel, die Menschen, das einfache Leben auf Sao Nicolau und man nimmt ihm sofort ab, dass er für alles Geld der Welt nicht mehr woanders leben möchte.

Mit seinen Ratschlägen machten wir in den nächsten Tagen herrliche Wanderungen in das üppig grüne Inselinnere mit dem 1312m hohen Monte Gordo im NW-Teil der Insel. Abends aßen wir mit anderen Seglern auf seiner Terrasse bei lauen Temperaturen ein von seinen Schützlingen zubereitetes Menü. Ein junger Mann aus dem Dorf spielte Gitarre und sang kapverdische Lieder. Wie könnte das Leben schöner sein?

Wie so oft war es dann das Wetter, das  im wahrsten Sinne des Wortes zum Aufbruch blies. Der Wind legte kräftig zu und heftige Fallböen fegten über die halb offene Ankerbucht von Tarrafal. Wir segelten in einem Tagestörn zur Insel Sao Vicente und dort in den großen Naturhafen Porto Grande Mindelo.

Hier nahmen uns unsere Freunde Iris und Robert von der SY Marie Luise in Empfang. Nach einer herzlichen Begrüßung lernten wir noch am selben Abend den TO Stützpunktleiter von Mindelo kennen und waren für den übernächsten Tag zu einem Tagesausflug über die Insel mit eingeplant.
Zusammenfassend zu den Kap Verden lässt sich sagen, dass keine Insel der anderen gleicht. Jede Insel ist absolut einzig- und andersartig.  Hier leben die Menschen noch sehr einfach.  Sie werden finanziell oft unterstützt von ihren im Ausland arbeitenden Verwandten. Der Fischfang steht an erster Stelle. Der Fisch wird nicht gekühlt, sondern einfach fangfrisch verkauft. Auf Sal, Boavista und Sao Nicolau gibt es nur ein sehr begrenztes Warenangebot. 

Die Hauptmahlzeit besteht aus Mais, Bohnen und Fisch. Frisches Obst und Gemüse ist oft Mangelware.  

Die Hafenstadt Mindelo auf der Insel Sao Vicente, von der alljährlich viele Yachten zu ihrer Atlantiküberquerung starten und die auch von Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird, sprudelt dagegen von Leben und Geschäftigkeit. Sie ist die europäischste Stadt der Kap Verden.  Der Hafenumschlag funktioniert noch wie bei uns vor 50 Jahren. Säcke werden einzeln von Hand im Laderaum verstaut, kleine Frachtkäne versorgen die Inseln. Die Insel Sao Vicente selbst ist sehr trocken und karstig. In mühevoller Handarbeit wird an steilen terrassierten Feldern hauptsächlich Mais, Bohnen, Maniok und Süßkartoffeln angebaut.

In den nächsten Tagen besuchen wir noch die Insel Santo Antao. Und ansonsten beobachten wir schon sehr genau das Wetter, um ein günstiges Startfenster für die Atlantiküberquerung zu erwischen.

Donnerstag, 12. November 2015

Landfall auf Cabo Verde









Anbei die Fortsetzung unseres Landfalls auf cabo verde:

...kaum haben wir den Anker in Palmeira auf Sal in den Sand gezogen, kommt ein Schlauchboot längsseits und Andreas und Stephan heißen uns willkommen. Unser Eintreffen wurde bereits erwartet und war von unseren Freunden Iris und Robert angekündigt worden.

Ausgestattet mit allen wichtigen Informationen checken wir gleich am folgenden Tag ein. Danach macht sich Alfons sogleich an die Reparatur des Auspuffs. Er klebt und verstärkt alle durchgebrannten Stellen und am Ende des Tages ist der Auspuff dichter als zuvor. Als der Motor wieder läuft macht sich Entspannung breit und wir erkunden den Ort.

Nicht umsonst nennt man die Kap Verden das Afrika für Anfänger. Bei unserem ersten Rundgang entdecken wir in der Mitte des Dorfes eine Zisterne, an der die Einheimischen in großen Kanistern ihr Wasser abfüllen. Auf dem Kopf balancierend oder mit Schubkarren wird das Wasser in die einfachen Häuser transportiert. Auch wir machen es uns in den folgenden Tagen zur Gewohnheit, täglich zur Wasserstelle zu gehen und unseren Wassertank an Bord immer etwas nachzufüllen.

Frauen waschen ihre Wäsche mit einem Waschbrett ganz in der Nähe der Wasserstelle. Fröhliche Kinder laufen durch die Gassen, Hunde dösen in der Sonne. Im Hafen landen Fischer in einfachen kleinen Booten ihren Fang an. Erwartet werden sie von Frauen, die die ergatterten Fische in großen Schalen auf dem Kopf nach Hause transportieren.

Wir fühlen uns täglich wohler hier, genießen die Leichtigkeit des Lebens, finden mit einfachen Gesten einen freundlichen und entspannten Umgang mit den Einheimischen, sitzen abends mit anderen Yachteignern im Cockpit und tauschen Erfahrungen aus.  

Viele Yachten sind wie wir auf dem Weg in die Karibik. Einige segeln zur nahen afrikanischen Küste. Täglich verlassen einige Boote den Ankerplatz und neue kommen dazu.

Auch wir werden in den nächsten Tagen weitersegeln und noch die ein oder andere der insgesamt 9  Inseln besuchen, bevor wir  den großen Sprung über den Atlantik wagen.


Samstag, 7. November 2015

Höllenritt







Das Abenteuer hat begonnen! Mit einem Höllenritt über bis zu 3m hohe Wellen und einem Maschinenausfall kurz vorm Hafen.

Aber von Anfang an und wie es dazu kam!

Früh am Morgen des 2. Novembers verlassen wir unseren fast schon zur Heimat gewordenen Hafen von San Miguel auf Teneriffa. Am ersten Tag motoren wir uns aus der Windabdeckung der kanarischen Inseln. Erst am 2. Tag können wir unsere Schmetterlingsbesegelung ausrollen und segeln. Extra für die bevorstehende Route und als Probelauf für die Atlantiküberquerung haben wir unsere beiden Vorsegel G1 und G2 an der Rollfockanlage in je einer Nut hochgezogen. Die G1 fahren wir über den ausgebaumten Großbaum, die G2 über den Spinnakerbaum. Gemeinsam ziehen somit ca. 96m² Segel unsere Murada gen Süden. Und das funktioniert prima. Vom Cockpit aus können wir beide Segel leicht ein- und ausrollen.

Im Laufe des 2. Tages auf See erreichen wir den zunehmenden NE Passatwind. Bald surfen wir mit maximalem Speed die bis zu 3m hohen Wellenberge hinunter. Unsere Murada wird von den anrollenden Wellenbergen im Heck angehoben, reitet einige Sekunden auf dem Wellenkamm, um dann mit großem Getöse den Wellenkamm hinunter zu surfen. Die Selbststeueranlage hat mächtig zu tun und wir müssen immer wieder die Segelfläche verkleinern, wenn der Wind zu sehr zulegt.

Das Leben an Bord ist ungemütlich und beschränkt sich auf das Wesentliche. Wache, schlafen, Wache, schlafen, zwischendurch etwas essen und trinken. Ständig wären mehr als 2 Hände nötig. Holt man etwas aus dem von oben zu befüllenden Kühlschrank heraus und stellt es nur kurz neben diesem ab, ist der Gegenstand schneller wieder im Kühlschrank, als man denselben schließen kann. Auch mit den Füßen sollte man stabil und fest stehen. Steht man nur auf einem Bein, haut einen die nächste Welle garantiert in irgendeine Ecke.

Trotzdem fühlen wir uns sicher und es geht uns gut. Die Natur ist allgegenwärtig. Es ist nicht eine Sekunde langweilig. Während der Wache beobachten wir die Wellen, die Wolken, den Himmel, in der Nacht den Sternenhimmel, wir erleben wunderbare Sonnenauf und -untergänge. Gespenstig schwarz sind die Abende, denn erst nach Mitternacht spendet der abnehmende Mond seinen Lichtstrahl.


Am 3. Tag begleitet uns über lange Zeit eine große Delphinschule. Die Tiere springen übermütig aus dem Wasser und scheinen uns anzuschauen. Ab dem vierten Tag unserer Reise fliegen Schwärme von fliegenden Fischen übers Meer. Zwei davon landen an Deck. Ihre Flossen bestehen aus schmalen langen Flügelchen, mit denen sie weite Strecken kurz über der Wasseroberfläche zurücklegen.  Auf der ganzen Fahrt sehen wir nur 2 mal die Lichter von anderen Schiffen am Horizont. Es scheint, als wären wir alleine  unterwegs.

Im Morgendunst des 5. Tages auf See erkennen wir Berge.  Die Wüsteninsel Sal auf den Kap Verden zeichnet sich immer deutlicher ab. Wir sind stolz auf unsere Murada, stolz auf unsere schnelle Überfahrt.  Wir segeln bis vor die Hafeneinfahrt von Palmeira, starten den Motor und rollen die Segel ein. Und plötzlich qualmt es aus dem Schiff!!! Der Motor fällt aus!!!! Alfons taucht ab in den Qualm, sein Fazit: der Auspuff ist abgebrannt.

In unserer Nähe fährt ein Ausflugskatamaran mit Gästen in Richtung Hafen. Auf unseren Funkruf kommt der Käptn sofort auf uns zu, seine Crew übernimmt entspannt unsere Schleppleine. Und die Party auf dem Kat geht weiter. Die Afrikaner tanzen hüfteschwingend und bei lauter Musik. Wir lassen uns staunend und lachend mitziehen. An bester Stelle im Hafen lassen uns unsere Retter von der Leine, wir werfen unseren Anker. Als wir uns mit einer Flasche Rum und einem Geldbetrag bei ihnen bedanken wollen, nehmen sie den Rum dankend entgegen, das Geld wollen sie nicht. Ehrensache! Willkommen auf cabo verde!

Vom Begrüßungskomitee, der Reparatur des Auspuffs und vielen, neuen Eindrücken demnächst mehr.