Freitag, 23. Dezember 2016

Weihnachten 2016


Ja, es war uns von den "christmas winds" berichtet worden, der Zeit  ber Weihnachten, die besonders stürmisch sein soll.

Nur war das bis jetzt für uns reine Theorie, denn als wir im letzten

Jahr nach unserer Atlantiküberquerung Mitte Dezember 2015 in der Karibik ankamen, war einfach immer gutes Wetter, Sonnenschein bei 25 Grad, moderate Winde  und stetiger Ostwind. Von den so berüchtigten Squalls, das sind kurze, heftige Regenböen, hatten wir nur von anderen Seglern gehört.

Das soll sich in diesem Jahr ändern. Das Wetter gibt sich zur Zeit so richtig Mühe, uns zu beweisen, dass die "christmas winds" kein Seemannsgarn sind. Es pfeift aus NO mit 5-6 Windstärken, an den Inselkanten schnell auch mehr, entsprechendem Seegang und immer wieder heftigen Regenschauern. Oft müssen die Luken geschlossen bleiben, dann wird es im Schiff warm und stickig.

Wie gut, dass unser Sohn Lasse ein waschechter Segler ist und ihn so leicht nichts schocken kann. Vom Segeln im Norden ist er einiges gewohnt und kann dem Anbolzen geben Wind und Welle sogar noch etwas abgewinnen. Schließlich kann man hier in Badehose segeln, die kurzen, heftigen Regenschauer kühlen nicht aus und gleich kommt wieder die Sonne zum Vorschein, zaubert wunderbare Regenbogen und trocknet in kurzer Zeit Mensch und Schiff. So wird der Regen hier liebevoll "liquid sunshine" genannt.

Inzwischen sind wir mit Lasse von Grenada nach Carriacou und Union Island gesegelt. Gerade sind wir in den Tobago Cays, dem Höhe- und Wendepunkt unserer Reise. Bei den Tobago Cays handelt es sich um einige kleine Inseln mit Palmenstränden und kleinem Hügel für den Rundumblick. Die Inseln liegen geschützt hinter einem Riff. Wir ankern hinter der Riffkante und Wind und Regen pfeifen uns um die Ohren. Wir schnorcheln im Regen (im Wasser ist es wärmer als draußen) schwimmen mit Schildkröten und verkriechen uns im Schiff. Wir machen es uns gemütlich, essen lecker Lobster und spielen Karten.

Die Gespräche drehen sich um das Leben in der Karibik und das Leben in DE.



Zur Erinnerung, dass  übermorgen Weihnachten ist hängt ein Weihnachtsstern überm Kompass. Am 24. 12. zwischen 12 und 17 Uhr werden wir versuchen eine Internetverbindung nach DE herzustellen, um unsere Familie über skype zu erreichen.

Wir wünschen allen ein friedliches Weihnachtsfest und grüßen ganz herzlich Elvira und Alfons


Montag, 12. Dezember 2016

Tobago, die kleine Schwester Trinidads


Das erste Ziel der neuen Saison heißt Tobago. Irgendwie hatten wir die Insel noch auf unserem Plan. Auf der sicheren Seite bezüglich Piraterie und verführt durch die Verlockung: "Trinidad is nice, Tobago paradise". Dafür müssen wir dicht unter der Nordküste Trinidads gegen Wind und Strom den Motor benutzen. 

Nach einer ruhigen Ankernacht noch auf der Seite Trinidads in der Maracas Bay können wir dann mit günstigen Winden nach Tobago segeln. Die auf Helgoland neu erstandene Angelrolle kommt erstmalig zum Einsatz. Nach kurzer Zeit geht uns ein kleiner Tuna an den Haken. Es ist ein wunderschönes Tier mit einer blau-schwarzen Rückenfärbung. Die Größe mit 60cm Länge und 2,5kg Gewicht ist wie für 2 Personen bestellt. Der erste eigene Fang schmeckt köstlich. 

Schnell haben wir die Südküste Tobagos erreicht und ankern in der geschützten Store Bay. Von hier aus unternehmen wir Fahrten über die grüne Insel. Dabei gefällt uns besonders der Regenwald. Das im Jahre 1765 eingerichtete Regenwaldschutzgebiet ist das älteste der westlichen Welt und erstreckt sich über den gesamten Norden der Insel. Wir bestaunen Bäume, die in den Himmel zu wachsen scheinen, Farne, riesige Bambushaine und immer wieder Bäche, die in kleinen und größeren Wasserfällen ins Tal fließen. Die Vogelwelt ist bunt und vielfältig. Die winzigen Kolibris, die mit ihrem schnellen Flügelschlag an der Stelle zu vibrieren scheinen, faszinieren mich besonders.

Neben dem Regenwald locken unzählige Buchten mit feinstem Sandstrand. In der Englishman`s Bay versucht der Regenwald förmlich ins Wasser zu wachsen. 

Auf engen Straßen, die sich in Serpentinen durch den grünen Dschungel winden erreichen wir Charlotteville im Nordwesten der Insel. Die große Naturbucht ist der zweite wirklich sichere Ankerplatz auf Tobago. Wir verstehen sofort, wieso so viele Segler von diesem Ort fasziniert sind. Umgeben von üppigem Grün und fast abgeschieden von der Außenwelt strahlt der Ort eine besondere Ruhe und Gelassenheit aus. Wir gönnen uns eine ausgiebige Mittagspause, bevor Alfons trotz Linksverkehr, engen Kurven, tiefen Abwassergräben und zahlreichen Schlaglöchern sicher an unseren Ankerplatz zurückfährt.

In den nächsten Tagen wollen wir nach Grenada segeln. Dafür fahren wir morgen noch einmal in die Hauptstadt Scarborough zum Auschecken. Der Montag scheint zwar nicht gerade der günstigste Tag zu sein, denn beim Einchecken am vergangenen Montag dauerte es 3 Stunden, bis der Immigration Officer für uns Zeit fand. Wahrscheinlich war die "Sunday School", eine Sonntagnacht stattfindende Party  mit Steelbands, Tanz und lokalem Essen doch zu anstrengend. Über solche kleinen Verzögerungen regt sich hier aber keiner auf. Jeder wartet geduldig. Und auch wir haben Zeit. Die Herzlichkeit der Menschen entschädigt für vieles. Stolz auf ihre Insel wollen sie wissen, wie es uns gefällt und wünschen uns einen schönen Tag: "lime and enjoy". Wo wird man sonst noch mit: "how are you, darling?" angesprochen?



Rückkehr an Bord



Nach unserer Rückkehr an Bord unserer Murada gestalteten sich die ersten Tage schwierig. Der Jetlag, die viele Arbeit am Schiff, die noch vor uns lag, die Hitze mit hoher  Luftfeuchtigkeit, der Abschied von den Lieben in Deutschland....das alles wog am Anfang schwer.


Inzwischen sind wir in der Karibik und zur Zeit auf Trinidad angekommen. Nach fast drei Wochen haben wir vieles abgearbeitet und erreicht. So erstrahlt unsere Murada in neuem Glanz, der Rumpf und die Gelcoatflächen auf dem Deck sind poliert, das Unterwasserschiff ist mehrmals gestrichen. Im Inneren ist der Schimmel lange beseitigt, dadurch gleich mit aufgeräumt und sortiert worden. Die alten Toilettenschläuche sind durch neue ersetzt, der Wassermacher überholt, die Maschine gewartet, die Holzteile gestrichen, die Sicherheitsausrüstung gewartet und wieder montiert, die Navigationsinstrumente gecheckt, der Windgenerator ist wieder  zusammengebaut, der Ölwechsel beim Generator ist gemacht. Ein neues Vorsegel haben wir in einer Tagesaktion aus dem Zollbereich des Flughafens zu uns an Bord geholt; das Gespräch bei der Amerikanischen Botschaft hinter uns gebracht. Nun hoffen wir in einigen Tagen unser 10 Jahres Visum für Amerika gemeinsam mit unseren Reisepässen wieder abholen zu können.

Auch das "social life" trägt zu unserem zunehmenden Wohlbefinden bei. So haben wir hier einige Segler aus der letzten Saison getroffen, neue Crews kennengelernt. Dreimal wöchentlich findet, sehr zur Freude meiner eingerosteten Knochen, eine von Seglerinnen organisierte Yogastunde statt. Der Mittagstisch im Wheel house mit frisch gegrilltem Fisch und Fleisch ist eine angenehme Unterbrechung des Tages. Samstags ist Markttag in Port of Spain. Dort gibt es wieder die wunderbaren Früchte der Karibik. Frisches Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch, alles zu günstigen Preisen und direkt vom Hersteller. Abends wird in netter Gesellschaft gegrillt. Natürlich drehen sich die Gespräche unter den Seglern um die diesjährige Saison. Es werden Pläne geschmiedet, Verabredungen für ein Wiedersehen getroffen.
Aber, obwohl der Aufenthalt auf Trinidad immer interessanter zu werden scheint, zieht es uns allmählich aufs Wasser. Am Mittwoch haben wir unseren Krantermin. Dann tauschen wir den festen Untergrund mit dem schwankenden Element Wasser. An dem kleinen Steg vor unserer Marina werden wir dann die letzten Vorbereitungen treffen, das neue Vorsegel hochziehen und uns wieder den Wind um die Nase wehen lassen. 


Mittwoch, 22. Juni 2016

Barbados-Trinidad 12/2015-06/2016


Sprung zurück



...nach zwei Jahren Leben mit Wind und Sonne.....der Sprung zurück in die Zivilisation...



Auf unserem Rückweg in die Heimat fliegen wir zuerst mit Caraibes Airlines von Trinidad nach Tobago. Von dort geht es mit einem Zwischenstopp auf Barbados mit Condor nach Frankfurt.



Aber von Anfang an. Die beiden karibischen Inseln Trinidad und Tobago gehören zusammen und es verkehrt ein preiswerter Fähr- und Flugverkehr. Da man uns schon erzählte, dass die Fluglinie mit den kleinen karibischen Inselfliegern nicht so ganz planmäßig verkehrt, wollen wir rechtzeitig beim Airport Trinidad sein. Ein netter Hafenarbeiter hat seine Fahrdienste zum Flughafen angeboten. Wir verabschieden uns also von unseren inzwischen liebgewonnenen Segelfreunden, werfen unserer Murada eine letzte Kusshand zu und steigen in unser "Taxi" zum Flughafen.

Der Wagen des Hafenarbeiters ist von außen weiß angemalt und von innen zusammengeklebt. Na gut, denken wir, unser Fahrer kann das Taxigeld wirklich gut gebrauchen. Nur, dass er dann mit seiner "Seifenkiste" fährt wie ein Rennfahrer, lässt uns die Schweißperlen auf der Stirn reichlich fließen. Obwohl  wir ihm mehrmals versichern, dass wir sehr rechtzeitig unterwegs sind überholt er abenteuerlich und liebt das Gaspedal. Zu unserem Leidwesen beginnt es auch noch ausgiebig zu schütten, ein karibischer Regenguss. Nun werden von unserem Fahrer die Fenster geschlossen....auch die hinteren! Nicht mit einer Automatik, weit gefehlt, oder mit einer Kurbel, gibt es nicht mehr.....sondern mit einem fachmännischen schiebenden Griff in die Scheibe. So, Scheiben zu.....alles beschlägt!!!!! Langsam fahren, Aquaplaning???? Weit gefehlt!  Wie war das mit den Reifen? Profil? Weiter mit Gas im Anschlag schlittern wir mehr als wir fahren. Alfons und ich sind ganz still geworden, halten nur noch die Luft an und danken unserem Schutzengel, als wir doch tatsächlich heile und unversehrt am Flughafen ankommen.

Dort können wir glatt zwei Maschinen vorher mitfliegen als geplant. Beim kleinen Fußweg zu unserem Flieger beobachte ich, mit welch elegantem Schwung die Koffer in den Laderaum befördert werden. Alfons Seesack liegt gleich oben auf und mein kleiner Reisekoffer ist sehr robust und hat auf seinen kleinen Rollen schon eine Wanderung durch Paris überstanden. Da wird ihm so ein kleiner Schmiss auch nichts ausmachen, denke ich. Soll auch ganz anders kommen.

Mein kleiner Koffer kommt nämlich gar nicht mit. Au weia. Es waren mein Laptop, eine Festplatte mit unseren Bildern und wichtige Papiere im Koffer. Ja, ihr habt ja recht. Wichtige Dinge sollte man im Handgepäck transportieren. Echter Fehler von mir!

Wir fragen nach. Kein Problem. Wir sollen einfach auf den nächsten Flieger warten. Dann kommt der Koffer bestimmt mit. Die Inselflieger verkehren stündlich......mehr oder weniger.....eine genaue Zeit gibt es nicht. Hier drinnen warten im klimatisierten Raum geht nicht, ist verboten. Also raus vor die Tür. Wir reden uns ein, ein letztes mal die heiße Luft zu genießen. Wer weiß, ob in Deutschland der Sommer kommt. Der nächste Flieger landet.....ohne unseren Koffer. Kein Problem......der Koffer ist bestimmt beim nächsten mal dabei. Man versichert uns, dass hier öfter mal ein Gepäckstück nicht passend mitkommt. Es wird in Trinidad angerufen und unsere Koffernummer durchgegeben. Wieder in die Wärme, wieder warten....inzwischen freunden wir uns mit den wartenden Taxifahrern an. Das nächste Flugzeug.....Koffer nicht dabei. Langsam werden wir unruhig und verweisen auf unseren Weiterflug nach Frankfurt. Der Jumbo von Condor ist bereits gelandet und wird für den Abflug vorbereitet. Auf den vierten Inselflieger aus Trinidad können wir nicht mehr warten. Unsere Daten werden aufgenommen. Wir checken ein und schreiben den Koffer eigentlich schon ab.

Bei unserer Zwischenlandung auf Barbados erreicht uns dann eine mail, dass unser Gepäckstück gefunden wurde. Die Kennzeichnung war abgerissen, welch Wunder! Aber so können wir doch noch entspannt unseren Transatlantikflug nach Frankfurt antreten.



In Frankfurt angekommen......welche Ordnung, welche Organisation, welche Perfektion....hier gibt es einen extra Schalter für verloren gegangene Koffer......wauo.....die Zivilisation hat uns wieder.....in diesem Fall freuen wir uns darüber.





Dienstag, 7. Juni 2016

Schluss mit lustig!





Wir sind wohlbehalten in Trinidad angekommen und es ist heiß. Bei 36 Grad im Schatten und bis zu 80% Luftfeuchtigkeit fließt der Schweiß auch ohne Bewegung. In kurzer Zeit sind  T-Shirts und Shorts durchgeschwitzt. Die immerwährende kurze Abkühlung unterm Wasserschlauch hält nicht lange vor.  Noch liegt unsere Murada im Wasser am Steg der Peake Marina im Industriegebiet von Chaguaramas. Das ölige, schmutzige Hafenwasser ist wenig einladend.  In einigen Tagen stellen wir das Schiff an Land, dann wird es an Bord noch ein paar Grad wärmer. In öffentlichen Gebäuden laufen hier überall die Klimaanlagen. Die 20 Grad kommen uns vor, als befänden wir uns im Kühlschrank.  

Unsere to do Liste ist lang.  Es ist viel zu Berücksichtigen, damit wir unser Schiff nach einem längeren Deutschlandaufenthalt wohlbehalten und nicht verschimmelt oder mit Ungeziefer besiedelt vorfinden. Unsere Murada muss sturm- und wasserfest verpackt werden.

Es geht uns wie vielen anderen Seglern, die Trinidad für die Zeit der Hurrikans ausgewählt haben oder wie wir für eine kürzere oder längere Zeit in die Heimat fliegen. Es wird gewerkelt und gearbeitet. Manch guter Tipp und Ratschlag wird untereinander weitergereicht.



Die schönste Tageszeit ist der Abend, wenn die Sonne untergegangen ist. Dann sitzt man mit den anderen Seglern zur Entspannung noch ein Weilchen zusammen. Bei Rumpunsch und Bier drehen sich die Gespräche über familiäres und weltbewegendes, über erreichte und kommende Ziele. Es gibt noch so viel zu Entdecken und Erkunden. Was alle eint, ist die Gewissheit, etwas Einzigartiges und Großartiges erlebt zu haben und noch weiter erleben zu wollen.



Deshalb ist hier jetzt Schluss, die Arbeit ruft, was mutt das mutt, wie die Nordlichter sagen würden. Von nichts kommt nichts und schließlich wollen wir in knapp 2 Wochen entspannt nach Hause fliegen können.



Wir freuen uns schon auf den Sprung in den Kühlschrank und grüßen euch ganz herzlich.




Montag, 30. Mai 2016

Hash



Geselliges Grenada und Hash House Harriers

Immer noch ankern wir in der Prickley bay, im Süden Grenadas. Hier existiert eine gut organisierte Community der Segler. Jeden Morgen um 07.30Uhr findet auf Kanal 66 eine  Funkrunde statt. Neben den aktuellen Wetterinformationen werden die örtlichen Aktivitäten durchgegeben. So gibt es eine Yogagruppe, eine Thai Shi Gruppe, einen täglichen Bus, der die Segler zu den wichtigsten Einkaufsmöglichkeiten fährt und den Einkauf mitnimmt, ferner gibt es diverse Angebote zum Tanzen, Tauchen, Feiern, Essen gehen,  usw.......

Und an jedem Samstagnachmittag findet Hash statt. Wir erfahren von anderen Seglern, dass es sich um eine Wanderung handelt, organisiert von und mit den Einheimischen,  die jedes Mal an einem anderen Ort der Insel stattfindet.

Gemeinsam mit zwei anderen Yachten entschließen wir uns an diesem Event teilzunehmen. Wandern und Grenada kennenlernen ist genau unser Ding. Dazu noch mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Am Samstag sitzen wir gespannt im Bus.

Wir fahren nach La Mode, einem kleinen Dorf nordöstlich von St. George. Wir finden uns mitten in einer fröhlichen Gruppe von Einheimischen  wieder, die alle auf etwas zu warten scheinen. Bei lauter Musik ist der Grill schon heiß, an der Biertheke ist das Angebot für Bier im Dreierpack  für 10 EC unschlagbar preiswert.

Wir sollen uns zunächst eintragen in eine Liste und werden als Newcomer willkommen geheißen.  In Deutschland an solche Ordnung gewöhnt, tragen wir uns brav ein, sind aber doch etwas erstaunt über solche Gründlichkeit. Uns wird erklärt, dass die Wege mit weißen Papierschnitzeln markiert werden, ähnlich einer Schnitzeljagd. Wir staunen darüber, dass eine junge Frau aus ihren nagelneuen Turnschuhen Bier trinken muss. Das kann ja lustig werden????

Endlich geht es los, die Meute wird auf den Weg geschickt. Die schnellen Läufer sprinten vorweg und bald geht es vom Hauptweg ab kreuz und quer durchs Gelände. Steil bergauf und bergab, über Baumwurzeln und matschigen Untergrund. Die Sprinter laufen extra Schleifen und stoßen immer wieder auf den Walktrupp, in der Schule nennt man das innere Differenzierung. Wir werden angefeuert und angelacht, enjoy.

Wir rutschen auf vom Baum gefallene Mangos aus und naschen hier und da eine noch feste Mango. Die Mangos fallen hier auf der ganzen Insel vom Baum, werden nicht weiterverarbeitet, ein für uns unvorstellbarer Zustand. Was könnte man mit den Früchten alles anfangen,  vom Smoothie über Mango Chutney mmhhhh . Die Organisatoren scheinen sich zu freuen, dass uns die Mangos schmecken. Dieser Eindruck soll sich später auch als richtig erweisen und den Einheimischen noch reichlich Freude bereiten.

Nach einer Stunde Lauf und Walk sind alle schweißgebadet, aber wohlbehalten am Ausgangspunkt zurück und nun wird natürlich reichlich dem Bier zugesprochen. Musik, kombiniert mit Bier und lokalem Essen, lime and enjoy, wir genießen die entspannte Atmosphäre zwischen den freundlichen Einheimischen.

Dann werden die Newcomer nach vorne gerufen. Sie sollen in die Gruppe der Hasher aufgenommen werden. Irgendetwas liegt in der Luft und wir sollen es auch gleich erfahren. Bier wird geschüttelt und unter lautem Freudengeschrei über unsere kleine Seglergruppe gespritzt. Ähnlich einer Neptuntaufe sind wir jetzt aufgenommen, welcome.

Besonders übel erwischt es Thomas, der den Damen galant die Mangos mit einem Messer kredenzt hatte. Er wird mit einem Augenzwinkern als  Früchteklauer gebrandmarkt und muss sich  eine Schwimmweste mit der Aufschrift "Fruitpicker" anziehen. Dann legt man ihm eine  Klobrille über den Kopf und stülpt ihm ein Rohr über einen Arm. Dermaßen gehändicäpt mit langem Arm muss sich Thomas eine Flasche Bier in den Mund schütten. Ein paar Schluck erreichten auch seinen Schlund.

Alle amüsieren sich köstlich. Auch unser Busfahrer, der uns nach Schweiß und Bier stinkend zur Prickley bay zurückfährt. Natürlich nicht, ohne vorher noch einen Stopp für einen Rumpunsch einzulegen. Irgendwie cool. In Deutschland hätte es jeder Busfahrer abgelehnt uns zu transportieren

So und nun zur Auflösung. Nach Internetrecherche lernen wir:

Die Hash House Harriers, kurz HHH genannt, ist eine internationale Vereinigung und erklärt sich als Lauf, Sozial und Trinkclub. Die Satzung des 1950 gegründeten Clubs lautet:

- Förderung der physischen Fitness der Mitglieder

- Erholung von den Nachwehen des Alkoholkonsums des vergangenen Wochenendes

- Während des Laufs einen guten Durst zu generieren und diesen anschließend mit Bier zu

stillen

- Die älteren Mitglieder davon zu überzeugen, dass sie nicht so alt sind, wie sie sich fühlen.



Soweit zur Satzung! Heute nun werden wir an unserer zweiten Wanderung teilnehmen und Thomas darf die Newcomer mit Bier bespritzen.


Montag, 23. Mai 2016

Die schwarze Lederschildkröte




Schildkröten faszinieren uns schon während unseres gesamten Aufenthaltes in der Karibik. Auf fast allen Ankerplätzen tauchen neben unserem Schiff immer wieder Meeresschildkröten auf. Wir können die Tiere bei unseren Schnorchelgängen beobachten. Ihr ruhiges, gemächliches Verhalten, ihre gleitenden Bewegungen unter Wasser, die schöne Maserung ihres Panzers zieht uns immer wieder in ihren Bann.

Hier auf Grenada erhalten wir die einzigartige Gelegenheit, die Lederschildkröte zu beobachten.

Dazu erfahren wir:

Die Lederschildkröte ist die größte lebende Schildkröte. Die Tiere erreichen eine Panzerlänge von bis zu 2,5 Metern und ein Gewicht von beinahe 700 Kilogramm. Sie leben in den großen Ozeanen der Erde und legen auf ihren Wanderungen von ihren Nistplätzen bis zu ihren Futtergründen bis zu 7500 Kilometer zurück.  Forscher fanden heraus, dass Lederschildkröten bis zu einer Tiefe von 1200m abtauchen können. Sie sind reine Meeresbewohner und die männlichen Tiere verlassen das Wasser nie. Die weiblichen Tiere werden mit ca. 15 Jahren geschlechtsreif und müssen zur Ei-Ablage an Land. Sie kehren dann an den Platz ihrer Geburt zurück. Von Februar bis Juni steigen die Schildkröten aus dem Wasser, um ihr Gelege im Sand zu vergraben. 

Ein beeindruckendes Naturschauspiel, das sich an nur wenigen Orten der Welt beobachten lässt. Im Nordosten von Grenada ist solch ein Strandabschnitt.

Wir erhalten die Gelegenheit an einer Führung teilzunehmen und fahren mit einer kleinen Gruppe von Seglern in den Nordosten Grenadas. Dort angekommen erklärt uns Maxim, unser Guide, alles Wissenswerte über die Tiere und ihre Organisation. Der Strandabschnitt der Ei-Ablage steht unter Naturschutz und wird streng bewacht. Rund um die Uhr sind  junge Wissenschaftler vor Ort, achten darauf, dass die Schildkröten nicht gestört werden und vor allem, dass die ausgeschlüpften Jungtiere wohlbehalten das Wasser erreichen. Die Muttertiere werden vermessen und markiert.

In gebührendem Abstand zum Strand wartet unsere Reisegruppe ruhig und entspannt, was wohl geschehen wird. Es ist eine Vollmondnacht mit lauem Wind.  Obwohl es in der Karibik auch in der Nacht mit 25 Grad noch warm ist, fangen wir an, uns die mitgebrachten Jacken anzuziehen. Die Stunden vergehen. Außer dem Rauschen des Meeres und ab und zu einer Wolke, die sich über den Vollmond schiebt, rührt sich nichts. Jungfräulich und still liegt der Sandstrand im Mondlicht. Die Naturschützer gehen mit Rotlichtlampen am Strand entlang. Wir warten weiter, unterhalten uns flüsternd. Gegen ein Uhr morgens, als wir die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben haben, in dieser Nacht noch Tiere zu sehen, taucht ein schwarzer Schatten am Strand auf.


Mit einer enormen Kraftanstrengung schiebt sich eine schwarze Lederschildkröte Schub für Schub den flachen Strand hinauf. Die Schildkröte hat eine Länge von 1,5 Metern. Ihr Panzer ist langgestreckt und läuft hinten spitz zu. Auf dem blau-schwarzen Rücken sind deutlich sieben verdickte Knochenplatten zu sehen.  Weit genug vom Meer entfernt und weiter oben am Strand findet das Tier einen geeigneten Platz und drückt sich eine Kuhle in den Sand. Die Schildkröte richtet sich mit dem Blick zum Meer aus. Indem sie sich mit ihren Vorderpaddeln fest im Sand fixiert, gräbt sie mit ihren Hinterpaddeln ein tiefes Loch. Schnaufend legt die Schildkröte ungefähr 50 bis 100 Eier hinein. Nach getaner Arbeit bedeckt sie ihr Gelege mit Sand. Dabei drückt sie mit ihren Hinterbeinen den Sand  so fest, dass eine platte, begehbare Sandoberfläche zurück bleibt.  Mit letzter Kraftanstrengung schiebt sich die Schildkröte nach getaner Arbeit zurück ins Meer.

Tief beeindruckt beobachten wir dieses Naturschauspiel. Wir sind uns der Einzigartigkeit des Moments bewusst.  

Trotzdem oder gerade deshalb bleibt eine Betroffenheit zurück. Uns ist sehr bewusst, dass der Mensch die größte Bedrohung für diese Tiere darstellt. Die Fischerei mit großen Treibnetzen  und der im Meer treibende Müll werden den Tieren immer wieder zum Verhängnis. Die Tiere ernähren sich von Quallen und halten im Meer treibende Plastiktüten für Nahrung.

Uns bleibt nur zu hoffen, dass die Schutzbemühungen zum Erfolg führen und diese einzigartigen Tiere in ihrem Bestand erhalten werden können.