Freitag, 23. Dezember 2016

Weihnachten 2016


Ja, es war uns von den "christmas winds" berichtet worden, der Zeit  ber Weihnachten, die besonders stürmisch sein soll.

Nur war das bis jetzt für uns reine Theorie, denn als wir im letzten

Jahr nach unserer Atlantiküberquerung Mitte Dezember 2015 in der Karibik ankamen, war einfach immer gutes Wetter, Sonnenschein bei 25 Grad, moderate Winde  und stetiger Ostwind. Von den so berüchtigten Squalls, das sind kurze, heftige Regenböen, hatten wir nur von anderen Seglern gehört.

Das soll sich in diesem Jahr ändern. Das Wetter gibt sich zur Zeit so richtig Mühe, uns zu beweisen, dass die "christmas winds" kein Seemannsgarn sind. Es pfeift aus NO mit 5-6 Windstärken, an den Inselkanten schnell auch mehr, entsprechendem Seegang und immer wieder heftigen Regenschauern. Oft müssen die Luken geschlossen bleiben, dann wird es im Schiff warm und stickig.

Wie gut, dass unser Sohn Lasse ein waschechter Segler ist und ihn so leicht nichts schocken kann. Vom Segeln im Norden ist er einiges gewohnt und kann dem Anbolzen geben Wind und Welle sogar noch etwas abgewinnen. Schließlich kann man hier in Badehose segeln, die kurzen, heftigen Regenschauer kühlen nicht aus und gleich kommt wieder die Sonne zum Vorschein, zaubert wunderbare Regenbogen und trocknet in kurzer Zeit Mensch und Schiff. So wird der Regen hier liebevoll "liquid sunshine" genannt.

Inzwischen sind wir mit Lasse von Grenada nach Carriacou und Union Island gesegelt. Gerade sind wir in den Tobago Cays, dem Höhe- und Wendepunkt unserer Reise. Bei den Tobago Cays handelt es sich um einige kleine Inseln mit Palmenstränden und kleinem Hügel für den Rundumblick. Die Inseln liegen geschützt hinter einem Riff. Wir ankern hinter der Riffkante und Wind und Regen pfeifen uns um die Ohren. Wir schnorcheln im Regen (im Wasser ist es wärmer als draußen) schwimmen mit Schildkröten und verkriechen uns im Schiff. Wir machen es uns gemütlich, essen lecker Lobster und spielen Karten.

Die Gespräche drehen sich um das Leben in der Karibik und das Leben in DE.



Zur Erinnerung, dass  übermorgen Weihnachten ist hängt ein Weihnachtsstern überm Kompass. Am 24. 12. zwischen 12 und 17 Uhr werden wir versuchen eine Internetverbindung nach DE herzustellen, um unsere Familie über skype zu erreichen.

Wir wünschen allen ein friedliches Weihnachtsfest und grüßen ganz herzlich Elvira und Alfons


Montag, 12. Dezember 2016

Tobago, die kleine Schwester Trinidads


Das erste Ziel der neuen Saison heißt Tobago. Irgendwie hatten wir die Insel noch auf unserem Plan. Auf der sicheren Seite bezüglich Piraterie und verführt durch die Verlockung: "Trinidad is nice, Tobago paradise". Dafür müssen wir dicht unter der Nordküste Trinidads gegen Wind und Strom den Motor benutzen. 

Nach einer ruhigen Ankernacht noch auf der Seite Trinidads in der Maracas Bay können wir dann mit günstigen Winden nach Tobago segeln. Die auf Helgoland neu erstandene Angelrolle kommt erstmalig zum Einsatz. Nach kurzer Zeit geht uns ein kleiner Tuna an den Haken. Es ist ein wunderschönes Tier mit einer blau-schwarzen Rückenfärbung. Die Größe mit 60cm Länge und 2,5kg Gewicht ist wie für 2 Personen bestellt. Der erste eigene Fang schmeckt köstlich. 

Schnell haben wir die Südküste Tobagos erreicht und ankern in der geschützten Store Bay. Von hier aus unternehmen wir Fahrten über die grüne Insel. Dabei gefällt uns besonders der Regenwald. Das im Jahre 1765 eingerichtete Regenwaldschutzgebiet ist das älteste der westlichen Welt und erstreckt sich über den gesamten Norden der Insel. Wir bestaunen Bäume, die in den Himmel zu wachsen scheinen, Farne, riesige Bambushaine und immer wieder Bäche, die in kleinen und größeren Wasserfällen ins Tal fließen. Die Vogelwelt ist bunt und vielfältig. Die winzigen Kolibris, die mit ihrem schnellen Flügelschlag an der Stelle zu vibrieren scheinen, faszinieren mich besonders.

Neben dem Regenwald locken unzählige Buchten mit feinstem Sandstrand. In der Englishman`s Bay versucht der Regenwald förmlich ins Wasser zu wachsen. 

Auf engen Straßen, die sich in Serpentinen durch den grünen Dschungel winden erreichen wir Charlotteville im Nordwesten der Insel. Die große Naturbucht ist der zweite wirklich sichere Ankerplatz auf Tobago. Wir verstehen sofort, wieso so viele Segler von diesem Ort fasziniert sind. Umgeben von üppigem Grün und fast abgeschieden von der Außenwelt strahlt der Ort eine besondere Ruhe und Gelassenheit aus. Wir gönnen uns eine ausgiebige Mittagspause, bevor Alfons trotz Linksverkehr, engen Kurven, tiefen Abwassergräben und zahlreichen Schlaglöchern sicher an unseren Ankerplatz zurückfährt.

In den nächsten Tagen wollen wir nach Grenada segeln. Dafür fahren wir morgen noch einmal in die Hauptstadt Scarborough zum Auschecken. Der Montag scheint zwar nicht gerade der günstigste Tag zu sein, denn beim Einchecken am vergangenen Montag dauerte es 3 Stunden, bis der Immigration Officer für uns Zeit fand. Wahrscheinlich war die "Sunday School", eine Sonntagnacht stattfindende Party  mit Steelbands, Tanz und lokalem Essen doch zu anstrengend. Über solche kleinen Verzögerungen regt sich hier aber keiner auf. Jeder wartet geduldig. Und auch wir haben Zeit. Die Herzlichkeit der Menschen entschädigt für vieles. Stolz auf ihre Insel wollen sie wissen, wie es uns gefällt und wünschen uns einen schönen Tag: "lime and enjoy". Wo wird man sonst noch mit: "how are you, darling?" angesprochen?



Rückkehr an Bord



Nach unserer Rückkehr an Bord unserer Murada gestalteten sich die ersten Tage schwierig. Der Jetlag, die viele Arbeit am Schiff, die noch vor uns lag, die Hitze mit hoher  Luftfeuchtigkeit, der Abschied von den Lieben in Deutschland....das alles wog am Anfang schwer.


Inzwischen sind wir in der Karibik und zur Zeit auf Trinidad angekommen. Nach fast drei Wochen haben wir vieles abgearbeitet und erreicht. So erstrahlt unsere Murada in neuem Glanz, der Rumpf und die Gelcoatflächen auf dem Deck sind poliert, das Unterwasserschiff ist mehrmals gestrichen. Im Inneren ist der Schimmel lange beseitigt, dadurch gleich mit aufgeräumt und sortiert worden. Die alten Toilettenschläuche sind durch neue ersetzt, der Wassermacher überholt, die Maschine gewartet, die Holzteile gestrichen, die Sicherheitsausrüstung gewartet und wieder montiert, die Navigationsinstrumente gecheckt, der Windgenerator ist wieder  zusammengebaut, der Ölwechsel beim Generator ist gemacht. Ein neues Vorsegel haben wir in einer Tagesaktion aus dem Zollbereich des Flughafens zu uns an Bord geholt; das Gespräch bei der Amerikanischen Botschaft hinter uns gebracht. Nun hoffen wir in einigen Tagen unser 10 Jahres Visum für Amerika gemeinsam mit unseren Reisepässen wieder abholen zu können.

Auch das "social life" trägt zu unserem zunehmenden Wohlbefinden bei. So haben wir hier einige Segler aus der letzten Saison getroffen, neue Crews kennengelernt. Dreimal wöchentlich findet, sehr zur Freude meiner eingerosteten Knochen, eine von Seglerinnen organisierte Yogastunde statt. Der Mittagstisch im Wheel house mit frisch gegrilltem Fisch und Fleisch ist eine angenehme Unterbrechung des Tages. Samstags ist Markttag in Port of Spain. Dort gibt es wieder die wunderbaren Früchte der Karibik. Frisches Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch, alles zu günstigen Preisen und direkt vom Hersteller. Abends wird in netter Gesellschaft gegrillt. Natürlich drehen sich die Gespräche unter den Seglern um die diesjährige Saison. Es werden Pläne geschmiedet, Verabredungen für ein Wiedersehen getroffen.
Aber, obwohl der Aufenthalt auf Trinidad immer interessanter zu werden scheint, zieht es uns allmählich aufs Wasser. Am Mittwoch haben wir unseren Krantermin. Dann tauschen wir den festen Untergrund mit dem schwankenden Element Wasser. An dem kleinen Steg vor unserer Marina werden wir dann die letzten Vorbereitungen treffen, das neue Vorsegel hochziehen und uns wieder den Wind um die Nase wehen lassen.