Mittwoch, 26. April 2017

Aufbruch nach Bonaire.........

Das Wetter scheint für die nächsten Tage günstig. Kein Starkwind, moderater Seegang ist angesagt.......soweit zum Wetterbericht.

Das Großsegel und die G 1 ziehen unsere Murada stetig aufs offene Meer. Bald liegt St. Martin hinter uns und wir schaukeln an der Insel Saba vorbei. Unser Kurs ist 222Grad mit dem Ziel Bonaire. 500 Seemeilen haben wir vor dem Bug. Wir haben vorgekocht, um es uns leichter zu machen. Ich habe mir ein Pflaster gegen Seekrankheit gegönnt, bin aber doch froh, wenn Alfons die Küchenarbeit übernimmt. Wir beginnen gleich von Anfang an uns abwechselnd auszuruhen.

Noch am Ende des ersten Segeltages umgibt uns nur noch Wasser. Der Wind ist moderat mit 3-4 Beaufort. In den folgenden Tagen und Nächten nimmt er stetig zu. Wir rauschen bald mit 7 bis 8 Knoten über das Meer. Wellenberge von 1-2m schräg von achtern rollen unter dem Schiff durch, heben es an und lassen es surfen. Die Selbststeueranlage hat gut zu tun, die Murada immer wieder auf Zielkurs zu bringen. Manchmal versetzt eine große Welle unserem Schiff einen tüchtigen Schupps. Dann fliegt schon mal eine nicht gesicherte Tasse durchs Cockpit. Und auch der Messinghaken des Geschirrhandtuchs bricht ab, als Alfons katapultartig durch die Pantry geschleudert wird. Zum Glück ist nur ein blauer Fleck die Folge.

Und dann am dritten Tag steigt die Selbststeueranlage aus. Haben wir sie zu sehr gequält? ....oder ist es Altersschwäche? Egal, es hilft alles nichts. Es gilt von Hand zu steuern. Es liegen noch ca.100 sm vor uns. Alfons und ich wechseln uns alle zwei Stunden am Steuerrad ab. An und für sich ist das kein Problem. Nur, dass dann noch der Wind bis Sturmstärke zulegt, war so nicht verabredet.

Wir reduzieren unsere Segelfläche auf Handtuchgröße. In der mondlosen, schwarzen Nacht rauschen wir wie im Blindflug durchs Wasser und über die Wellenberge. In Böen steigt die Geschwindigkeitsanzeige bis auf 46 Knoten, das entspricht Sturmstärke 9. Wenn wir in ein besonders tiefes Wellental eintauchen trifft uns ungeschützt eine komplette Salzdusche.

Nach 3 Tagen und Nächten erreichen wir Bonaire. Wir sind müde, aber froh heile angekommen zu sein. An einer Boje über himmelblauem Grund schlafen wir in der ersten Nacht traumlos und fest.

Donnerstag, 20. April 2017

Unser Gast meldet sich zu Wort

Schon Halbzeit - kaum zu glauben. Vor einer Woche bin ich in mein großes Abenteuer gestartet. Die anderen Weltenbummler und Fahrtensegler mögen dies belächeln, aber ich erlebe die zwei Wochen an Bord der Murada, verwöhnt von der Crew, als ein riesengroßes Abenteuer. 

Seit vielen Jahren steht das Angebot meiner Schwester Elvira, einmal einen Urlaub auf der Murada zu verbringen. Zu meinem X0. Geburtstag habe ich es nun endlich geschafft und passend in den Osterferien einen Flug nach St. Martin gebucht. Wo genau St. Martin liegt, was mich erwartet, war zum Zeitpunkt der Buchung im September 2016 noch ziemlich wage. 

Soweit so gut. Bereits der Flug mit zwei Stepps von Hamburg über London Heathrow und New York in knapp 24 Stunden stellten für mich die ersten Herausforderungen dar, die ich trotz Schwierigkeiten mit online check-in, ESTA-Visum, Terminal-Wechsel, Leibesvisitation und Kapitänsverlust gut meisterte. Mit zweistündiger Verspätung landete ich glücklich in St. Martin und wurde dort von Elvira bereits sehnsüchtig erwartet. Man sah ihr an, dass ihr "ein Stein vom Herzen fiel", ihre kleine Schwester hat die Anreise schon mal gut überstanden und selbst das Gepäck ist nicht abhanden gekommen. Nun ging es daran, den Feriengast mit dem Quartier vertraut zu machen. Hierzu setzte uns Alfons an einem Dinghydock aus, an dessen Seite mir das kleinste orangene Dinghy (ehemals Schlauchboot genannt) gleich bekannt vorkam. Allerdings zierten es vor 20 Jahren bei der Einweihungsfahrt im Hamburger Hafen noch nicht so viele lustige bunte Flicken und Pflasterstreifen. Nach dem Motto "wird schon halten" wurde ich also samt Köfferchen und Strohhut, der mich übrigens seit Ankunft im Flughafen vor dem strömenden Regen schützte, zur Murada verfrachtet. Die Schiffseigentümer präsentierten mir stolz ihre schmucke, stattliche Segelyacht Murada und ich konnte erstmals mein Urlaubsquartier in Augenschein nehmen. Mir wurde das Schlafzimmer im Bug mit eigenem Badezimmer zugeteilt und nach Einweisung in die Funktion der Toilettenspülung war ich froh, wieder aus dem Bauch des Schiffes ins Cockpit auftauchen zu dürfen und frische, warme, feuchte Luft zu atmen. Zu diesem Zeitpunkt war ich davon überzeugt, die Nächte lieber oben an Deck zu verbringen, denn irgendwie schwankte alles ganz fürchterlich und zusammen mit meinem noch leeren Magen, den vom Landeanflug verschlossenen Ohren, der Übermüdung und Aufregung des bisher bewältigten Abenteuers wurde mir einfach k...elend. Sollte das Seekrankheit sein? Bisher war ich mir sicher, dass diese Art der Krankheit mich nicht heimsuchen würde, schließlich hatte ich bereits einige Überfahrten auf verschiedenen Ausflugsdampfern unbehelligt überstanden. Naja, nachdem ich also die Flugzeugtüte in den Lüften nicht benötigt hatte, konnte sie also hier ihren Zweck erfüllen. Zum Glück gibt es an Bord der Murada mehrere dieser netten Tüten und ich hoffe, dass ich am Ende der nächsten Woche auch noch Vorräte für die nachfolgenden Gäste zurücklasse! 

So, nach diesen ersten Eindrücken und Erlebnissen begann also mein Urlaub auf der Murada. Die Crew hatte bereits ein ausgeklügeltes Ferienprogramm erarbeitet. Auch die Kombüse war bestens ausgestattet und auf die Verwöhnung des Feriengastes super vorbereitet. 

Also starteten wir am nächsten Morgen in mein erlebnisreiches Karibikabenteuer:
Samstag, 09. April Ankunft in St. Martin Flughafen
Marigot Bay - Spaziergang zum Fort St. Louis
Montag, 10. April Fahrt unter Segeln zur Bucht Anse Marcel (St. Martin)
Umringt von vielen Wassersprotlern, am nächsten Morgen
Wassertanken im Hafen
Dienstag, 11. April Rückfahrt mit dem Motor zur Bay Grand Case (St. Martin)
Am Abend bummeln in der kleinen Stadt, es gab vieles zu
sehen: Eismaker, Steelband, Karnevalgruppen durch die Straße
Mittwoch, 12. April Ankreuzen gegen den Wind zur Insel St. Barthelemy (St. Barts)
einklarieren im Hafen, Regattafeeling in Gustavia, am Abend
bummeln in der kleinen Stadt, Bilder der Segelregatta auf Groß-
leinwand am Hafen
Donnerstag, 13. April Am Morgen Einkauf in Gustavia, schnorcheln am Felsen
Weiterfahrt zur Bucht um die Ecke - Anse de Grand Colombier
Freitag, 14. April Anse de Grand Colombier, schnorcheln und Landgang
Samstag, 15. April Am Morgen Aufbruch zur Ile Fourchue, schnorcheln und baden 

Nach einer Woche verbringen wir hier auf der Ile Fourchue unseren zweiten etwas ruhigeren Ferientag. Inzwischen konnte ich erleben, dass es auf der Murada für die Crew von früh bis spät etwas zu tun gibt. 

Der Skipper hält stets Wind, Welle und Wetterlage im Blick, ist für Navigation und Ausstattung der Murada, fürs Einklarieren und kutschieren mit dem Dingi zuständig. Elvira sorgt sich rührend um das leibliche Wohl und zaubert aus den Tiefen der Kombüsenschränke abwechslungsreiches Frühstück, leckere Zwischensnacks, vielseitige Hauptmahlzeiten, leckere kleine Sweets zum Nachmittags-Espresso, einzigartige eisgekühlte Sundowner und köstliche Abendbrotmahlzeiten - unglaublich. 

Dazwischen bleibt zum Glück immer wieder Zeit für Schnorchelgänge. Hier bewundern wir gemeinsam herrliche Korallenriffe mit schillernden Fischschwärmen und auftauchenden Turtles. 

Ich freue mich auf die nächste Woche auf der Murada mit der netten Crew und kann schon jetzt sagen, dass diese gelungene Abenteuerreise für mich unvergessen bleiben wird!

Sonntag, 2. April 2017

Warte ist Wartungszeit


In einigen Tagen erwarten wir Besuch aus Deutschland. Wir liegen inzwischen in der großen Marigot Bay von St. Martin und nehmen nötige Wartungs- und Verschönerungsarbeiten in Angriff. 

Da sind die einfachen Säuberungsarbeiten, wie das Schiff von der Salzkruste befreien und dem Rost am Gestänge zu Leibe rücken. In der Bilge wabert eine braune Flüssigkeit. Nach Geruchs- und Geschmacksanalyse stammt diese von explodierten Bier und Colabüchsen. Mein Fazit: Vor der nächsten Überfahrt austrinken!

Mit unserem alten Außenbordmotor können wir einem jungen Pärchen, das mit dem kleinsten Boot in der Bucht unterwegs ist, eine Freude machen. Und unser altes rotes Gummiboot lernt mit einem nagelneuen 9.8 PS Two Stroke Nissan das Fliegen. 

Die alte, rostige Ankerkette wird erneuert und auch hier der Rost dezimiert. Zu meiner großen Freude schafft es Alfons ein weiteres Mal, die Nähmaschine zu reparieren. Ich hole den schon in Trinidad gekauften Stoff aus der Versenkung und nähe neue Gardinen. Jedes Luk hat ein anderes Maß, läuft am unteren Rand schief zu. Ich messe, schneide, stecke, nähe, trenne auf, nähe erneut und am Ende ziert eine gestickte Kennung jedes Gardinchen. Eine Tasche für die vielen Brillen fällt nebenbei auch noch ab. Ob wir unsere Brillen demnächst leichter finden?