Sonntag, 25. November 2018

Muradas neue Beinkleider


Wir entscheiden uns dafür, in Guatemala das Unterwasserschiff unserer Murada überarbeiten zu lassen.
Durch mehrmaliges Überstreichen in den letzten Jahren platzt an einigen Stellen die Farbe auf. Es ist der richtige Zeitpunkt, um die alte Unterwasserfarbe komplett entfernen zu lassen. Wir beobachten, wie gut in der Werft gearbeitet wird. Die Maschine zum Sandstrahlen ist täglich im Einsatz. Die Arbeiter nehmen sich viel Zeit und arbeiten sehr sorgfältig. Die Arbeitskosten in Guatemala sind relativ günstig.

Gespannt sehen wir dem Sandstrahlen entgegen. Wie sieht das Gelcoat unter der alten Farbe aus. Schließlich ist unsere Murada nicht mehr die Jüngste. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vollkommen unversehrt und wie neu strahlt das schiere Unterwasserschiff. Die alte englische Moody Werft hat Qualitätsarbeit geliefert.

Stellt sich noch die Frage, welchen neuen Unterwasseranstrich wir wählen. Alfons beschäftigte sich schon längere Zeit mit Coppercoat. Durch Gespräche mit anderen Seglern und deren positive Bewertung entscheiden wir uns für dieses Produkt. Coppercoat besteht aus einer Beschichtung aus wasserbasierendem Epoxydharz mit einem sehr hohen Anteil reinem Kupfer.

Die Idee, organischen Bewuchs an Schiffsrümpfen unter der Wasserlinie durch Kupfer zu verhindern, ist uralt. Sie wurde früher durch das Benageln der hölzernen Schiffsplanken mit Kupferblechen erfolgreich praktiziert. Die heutige Verarbeitung ist nicht einfach. Es müssen Temperatur und Härtungsintervalle akribisch eingehalten werden. Coppercoat besteht aus 3 Komponenten, die als Gebinde geliefert werden. Je ein Liter Epoxydharz und Härter, sowie 2 kg reines Kupferpulver werden sorgsam vermischt. Der Auftrag erfolgt Schicht auf Schicht. Nach 2 Schichten Grundierung folgen 4 Schichten Coppercoat. Danach muss das Gemisch aushärten.

Wir nutzen die Härtungszeit, um Guatemala zu bereisen. Danach wird die Oberfläche leicht angeschliffen, um die dicht beieinander liegenden Kupferpartikel freizulegen. Das Anschleifen kann mehrmals wiederholt werden. Bis zu 10 Jahre soll Coppercoat so vor Bewuchs schützen. Wir sind gespannt.

Freitag, 9. November 2018

Tikal, Yaxha, El Remate, Flores




Die antike Maya Stadt Tikal liegt im Bezirk Peten. Guatemalas größtes und nördlichstes Departamento ist dünn besiedelt und vom Dschungel bedeckt. Das auffälligste Charakteristikum Tikals sind die hoch aufragenden, steilwandigen Tempel mitten im Urwald.

Um Tikal schon zum Sonnenaufgang besuchen zu können, übernachten wir in El Remate, einem kleinen Ort am östlichen Ende des Sees Lago de Peten Itza. In der Lodge direkt am See und am Rande des Naturschutzgebietes Biotopo Cerro Cahin werden wir in der Nacht vom lauten Geschrei der Brüllaffen geweckt. Um 4 Uhr heißt es sowieso Aufstehen und um 5 Uhr stolpern wir über Baumwurzeln durch den dunklen Urwald der alten Maya Stadt. Unser Ziel ist Templo IV, mit 65 Metern der höchste Turm Tikals. Pünktlich zum Sonnenaufgang lauschen wir den Geräuschen des erwachenden Urwaldes. Im Laufe des Vormittags erspähen wir Ticane und beim weiteren Erkunden der Anlage Affen und Pizote.

Wir sind mit einer kleinen Gruppe von Seglern unterwegs. Während der kompletten Tour stehen uns ein Kleinbus samt Fahrer zur Verfügung. So können wir entspannt durch Tikal schlendern, hier und da verweilen und die antike Stätte erkunden. Wir erklimmen Stufe für Stufe die Tempel, schlendern unter dem dichten Baldachin des Regenwaldes.

Man vermutet, dass ein Grund für die Ansiedlung der Mayas 700 v.Chr. im reichhaltigen Vorkommen von Flintsteinen lag. Von diesem wertvollen Material wurden Keulen, Speerspitzen und Messer hergestellt und zum Tausch genutzt. Um 250 n.Chr. war Tikal schon eine dicht besiedelte Stadt von großer religiöser, kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. Der Stern Tikals verblasste um 900 n.Chr. Die Stadt teilte damit das Schicksal anderer Maya Zivilisationen in den Niederungen, die einen allgemeinen mysteriösen Verfall erlitten.

Drei weitere Mayastätte Yaxha, Nakum und El Naranjo bilden ein Dreieck, welches die Grundlage für einen Nationalpark mit einer Fläche von mehr als 360 Quadratkilometern bildet und im Westen an den Parque National Tikal grenzt.

Yaxha mit dem gleichnamigen See "Lago Yaxha" besuchen wir am Nachmittag und erleben vom höchsten Tempel einen einmaligen Sonnenuntergang mit Blick auf den See und die umliegenden Berge. Das rauchige, kehlige Gebrüll der Affen schallt aus dem dichten Dschungel und untermalt die Szenerie.

Erfüllt von den Eindrücken des Tages fallen wir müde in die Betten. Am nächsten Vormittag bleibt noch Zeit für ein Bad im See und eine Probefahrt mit dem Kanu.



Gegen Mittag fahren wir nach Flores, der Inselstadt auf dem Lago de Peten Itza. Flores eignet sich wunderbar zum Bummeln auf der Promenade rund um die Insel und zur Kathedrale Nuestra Senora de los Remidios auf der Anhöhe im Zentrum. Neben harmonischen Klängen aus den traditionellen großen Holzxylophonen wird fleißig an der Weihnachtsdekoration gearbeitet.

Donnerstag, 8. November 2018

Tikal...zum Sonnenaufgang auf dem Weg zum Tempel IV






...in einer finsteren Nacht bewegt sich unsere kleine Menschengruppe durch die antike Stadt Tikal. Ohne zu Reden schleicht einer hinter dem anderen her. Über uns wölbt sich das Dschungeldach. Es riecht nach lehmiger Erde und Pflanzen. Es ist ein nebliger Morgen. Kein Mond erhellt die Nacht. Noch scheint der Dschungel zu schlafen. Auf den Weg konzentriert, versuchen wir nicht über Baumwurzeln zu stolpern. Jede Morgenmüdigkeit ist verflogen. Die Sinne sind hellwach. Es ist noch kühl an diesem Morgen auf dem Weg zum höchsten Turm von Tikal.
Fernando, der zertifizierte Guide, führt unsere kleine Gruppe an. Ohne ihn wären wir im dichten Dschungel hilflos. Er bleibt stehen, wartet bis sich alle versammelt haben. Er löscht die Taschenlampe, die uns bisher den Weg erahnen ließ. Wir stehen still im stockdunklen Urwald, halten gespannt den Atem an.
Dann geht ein ehrfürchtiges Raunen durch unsere Gruppe. Im Licht der aufblitzenden Taschenlampe erhebt sich aus dem Nebel in unmittelbarer Nähe ein hoher, schlanker Turm. Mühelos überragt er die Urwaldbäume. Wir genießen den Anblick, erahnen die Geschichtsträchtigkeit des Ortes, lauschen Fernandos Bericht von der Kultur der Mayas, deren Zeremonien und Riten.
Dann erlischt die Taschenlampe, wir folgen Fernando, den Weg ertastend, bis dieser erneut innehält. Er klatscht mehrmals in die Hände....ein Echo antwortet. Er wiederholt das faszinierende Schauspiel und unsere gespitzten Ohren nehmen das Echo glasklar wahr.
Mit wieder angeknipster Taschenlampe finden wir uns auf einem Platz wieder, der von 2 großen Türmen eingefasst ist. Die Tempel um den Gran Plaza sind so exakt platziert, dass eben dieses Echo entstehen kann... eine eindrückliche Demonstration der Architekturkunst der Mayas.

Unsere Gruppe geht weiter stetig bergan. Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir Templo IV, den mit 65 Metern höchsten Turm Tikals. Wir erklimmen die steile Treppe, die bis zur Turmspitze hinaufführt. Hier, mit dem Rücken ans Mauerwerk gelehnt, sitzen wir auf Steinstufen und blicken gen Osten dem erwachenden Tag entgegen. Der Morgen bleibt nebelverhangen. Das erste Geräusch des Tages ist das rauchige, kehlige Geschrei der Brüllaffen. Dann folgt der ein und andere Vogelruf. Immer bunter wird die Melodie des Morgens bis uns ein vielstimmiges Konzert einen wunderbaren Tag verspricht.