Mittwoch, 15. Januar 2020

Trouble in paradise




Zunächst segeln wir zu den paradiesischen Inseln der Exumas. Wir fahren über die Yellow Bank. Das ist ein Wegstück, auf dem einige große Korallenköpfe liegen. Bei guter Sicht und Hochwasser manövrieren wir durch die kritischen Stellen und erreichen in einer angenehmen Tagesfahrt Highbourne Cay. Gleich am nächsten Tag ziehen uns die Segel nach Staniel Cay. Feinstes Segeln in der Abdeckung der Inseln durch türkisfarbenes Wasser. Die schwimmenden Schweine sind noch da. Frischlinge sind dazu gekommen.

Der nächste Stopp bei Galliot Cay wird spannend. Bei Hochwasser haben wir genügend Wasser unter dem Kiel, um sicher über die flachen Stellen in der Einfahrt zu kommen. Im Windschatten der Insel fällt der Anker. Am nächsten Morgen geht es durch den Galliot Cut, eine schmale Durchfahrt zwischen den Inseln, auf den Atlantik.

Am Nachmittag erreichen wir den Ankerplatz bei Georgetown auf Great Exuma Island. Da passiert es. Eine kleine Unachtsamkeit, ein falscher Griff. Meine Finger geraten in die Ankerwinsch. Es wird schnell klar, das muss genäht werden. Beim Blick ins Internet finden wir die Klinik in Georgetown. Der Arzt lehnt die Behandlung ab. Er hat hier kein Röntgengerät. Ich muss ins Hospital nach Nassau. Und es soll schnell gehen. Das Klinikpersonal fährt uns zum Flughafen. Wir buchen für mich den letzten Flug des Tages mit offenem Rückflugdatum. Schneller, als ich es begreifen kann, sitze ich mit kurzer Hose, T-Shirt und sandigen Füßen im Flieger nach Nassau.

Es soll eine lange Nacht für mich werden. Die Notaufnahme des Publik Hospitals ist überfüllt, das Gebäude in einem erbärmlichen Zustand. Überall stehen Eimer im Weg, es tropft aus der fehlenden Deckenverkleidung. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Ich schnappe mir eine herumliegende Decke, mir wird allmählich kalt. Das Röntgen ist schnell erledigt, 2 facher Bruch im Ringfinger, dazu üble Quetschungen. Um 1 Uhr in der Frühe findet der einzige Arzt, ein junger Mann mit Dreadlocks, die Zeit, mich zu behandeln. Vom Holen des OP Materials bis zum Schreiben des Berichtes ist er ganz alleine zuständig. Ich werde ruhiger, als ich sehe, wie professionell der junge Mann vorgeht. Nach einer 3/4 Stunde bin ich versorgt. Mit dem ersten Flug des neuen Tages fliege ich zurück nach Georgetown.

Und wie so oft, kommt ein Unglück selten allein. Draußen ist mal wieder Starkwind angesagt. Unser Anker sitzt, der Ankeralarm ist aktiviert. Alfons und ich erledigen Schreibarbeit, sind mitten in einem Telefonat nach Deutschland. Da rummst es gewaltig. Wir stürzen nach oben. Der Katamaran vor uns ist geslippt. Sein Anker hängt auf unserer Ankerkette. Er fährt uns zunächst unsere Positionslampe am Bugkorb ab und danach noch einmal voll in die Breitseite. Es ist ein erheblicher Schaden entstanden. Der Katamaran ankert erneut und kümmert sich um nichts. Nach einiger Zeit fährt Alfons hinüber. Er wird unfreundlich empfangen und erst, als er mit der Polizei droht, geben die Eigner des Katamarans ihre Versicherungsdaten heraus.

Solch eine Art von Trouble braucht wohl keiner. Und das im Paradies, bei angenehmen 25-28 Grad, Sonne und einem türkisfarbenen Strand vor der Haustür. Die nahe Strandbar wird zum Trostpflaster.